Woanders

Frankreich 2008 - Tag 7


Richtung Mulhouse

Donnerstag, 30.10.2008

Schonwieder früh aufstehen. Sechs Uhr. Als wir endlich aufbrechen ist es sieben. Wir sind unterwegs richtung Mulhouse und es wird langsam hell.

In Mulhouse gehen wir nochmal ausgiebig einkaufen, stocken unsere Weinreserven auf, kaufen noch etwas Käse, Gebäck und vor allem Coca-Cola BlāK, die es nur in Frankreich gibt. Ich kaufe gleich alle im Regal vorrätigen Sixpacks dieses leckeren Nektars. Halb elf passieren wir schließlich die Grenze nach Deutschland.

Mittagspause im McDonald's in Achern um punkt 12 Uhr. Es regnet unentwegt. Kurz vor drei erreichen wir Selters. Es regnet immer noch.

Wir steigen um 16:02 Uhr in den ICE 810 nach Köln. Ich muß irgendwo am Bahnhof in Hundwurst getreten sein, denn im Zugabteil breitet sich ein ziemlich unangenehmer Geruch aus. Ich streife meine Schuhe am blauen ICE-Teppich ab, kann aber keine Verschmutzungen erkennen. Als wir 16:45 Uhr in den ICE 653 nach Berlin umsteigen, folgt uns der Hundekotgeruch und ich frage Frank, ob er irgendetwas damit zu tun hat. Er grinst mich an und sagt verlegen, daß der Käse, den wir in Mulhouse gekauft haben, etwas aromatischer ist, als er erwartet habe. Während wir zu unserem Bahnsteig laufen, achte ich darauf, immer vor Frank zu laufen.


Wieder in Deutschland

Es ist 17 Uhr, wir sitzen im Bordrestaurant, da keine anderen Plätze mehr frei waren, und trinken einen Kaffee. Frank hat seinen Rucksack mit dem Käse unter dem Tisch verstaut. Ich sitze still am Tisch, schaue in meinen Kaffee und sage halblaut zu Frank "mann hier stinkt's!", während ich im Augenwinkel sehe, wie der Herr am Nachbartisch, der gerade eine Käseplatte ißt, ruckartig seinen Kopf zu mir dreht. Wir bestellen uns ein Bier. Die erwartete Ankunftszeit in Berlin Hauptbahnhof ist 21:08 Uhr.

Die Berliner S-Bahn ist voll. Wir quetschen uns mit unseren Reisetaschen irgendwie rein und versuchen den Käsegeruch zu ignorieren. Während Frank mit einer jungen Frau flirtet, die den Geruch offensichtlich nicht ignorieren kann, beugt sich ein Teenager über Franks Rucksack, um seine Freundin zu küssen. Mit einem Mal zuckt er erschrocken zurück, als ihm der strenge Geruch in die Nase steigt. Es fällt mir schwer, nicht laut zu lachen. Willkommen in Berlin!

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Jan • 13.5.2009, 5:46 Uhr • Kommentare: 1

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 6


Auf den Bergen liegt schon Schnee

Mittwoch, 29.10.2008

Der Wecker schellt um sechs. Wir wollen heute sehr früh los, da wir einen langen Rückweg vor uns haben und spätestens Freitagmorgen im Westerwald sein wollen. Es ist allerdings noch stockdunkel draußen und totenstill. Wir entscheiden uns, doch noch etwas zu schlafen. Kurz vor sieben merken wir, daß Franks Wecker noch auf Sommerzeit steht und es eigentlich erst 5:50 Uhr ist. Wir stehen trotzdem auf, duschen, räumen auf, bauen das Zelt ab und trinken den obligatorischen Mokka am Morgen. Unglücklicherweise öffnet die Rezeption erst um 9 Uhr und so warten wir ziemlich frustriert im Auto und reiben unsere Mückenstiche. Auch am Morgen griffen sie wieder zu Tausenden an.

Um zwei sind wir bereits mitten in den Alpen, in einer Höhe von 900 m, etwa 90 km vor Grenoble. Die Gipfel um uns herum sind schon weiß. Wir schauen uns etwas schockiert an, als einige Autos im Gegenverkehr schneebedeckt sind. Mir fällt plötzlich ein, wo ich »Grenoble« schoneinmal gehört habe: es ist Frankreichs bekanntes Wintersportgebiet. Um 14:07 Uhr durchbrechen wir die 1000-Meter-Marke - am Straßenrand liegt Schnee. Ich habe meinen Pocket-PC herausgekramt, der über GPS verfügt und uns neben den geographischen Koordinaten auch die Höhe anzeigt.


Jetzt liegt überall Schnee

Um 14:20 Uhr graupelt es. Ringsherum ist alles weiß: Nebel und etwa 20 cm Schnee von letzter Nacht. 14:30 Uhr sind wir bereits auf 1200 m Höhe und es schneit! Unser Sommerurlaub ist hiermit offiziell zu ende und der Winterurlaub beginnt. Um 15:00 Uhr regnet es wieder. Kein Schnee mehr zu sehen. Der Winterurlaub geht nun nahtlos in einen Herbstausflug über. Wir sind jetzt kurz vor Grenoble.

Nach einer kurzen Pause beim McDonald's, verlassen wir Grenoble um 16:15 Uhr richtung Norden. Zum ersten Mal in diesem Urlaub habe ich die Straßenkarte beiseitegelegt und nutze nun den Pocket-PC als Navigationsgerät. Es zeigt uns unsere Route nach Mulhouse. Wir sind gespannt, wie weit wir heute noch kommen. Die Fahrt durch die Alpen hat mich ziemlich nervös gemacht. Wir haben zwar Winterreifen drauf, aber irgendwie bin ich geistig und moralisch noch nicht auf Winter vorbereitet und Schnee paßt irgendwie nicht zu den Palmen von gestern. Frank ist die Ruhe selbst, während ich mir große, aber unbegründete Sorgen um unseren Zeitplan mache. Hier in den Alpen zu übernachten ist ausgeschlossen, da weder das Wetter noch die geographischen Bedingungen Zelten erlauben.

Um halb sechs hat der Regen endlich aufgehört, aus den Alpen sind Hügel geworden und es dämmert. Um sechs sind wir etwa 35 km vor Bourg. Es ist inzwischen dunkel.

Wir finden um halb zehn in Besançon ein Formule-1-Hotel, die ja für ihre niedrigen Preise bekannt sind, und nehmen uns ein Doppelzimmer für die Nacht. Zum Abendbrot gibt es noch das restliche Baguette, Wurst und Käse. Es regnet übrigens. Und es ist dunkel. Und es regnet.

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Jan • 6.5.2009, 6:37 Uhr

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 5


Schwer zu erkennen: Flamingos

Dienstag, 28.10.2008

Es ist acht Uhr. Aufstehen, Zähne putzen, Kaffee kochen. Dazu muß man sagen, daß wir den Luxus genießen, jeden Morgen frischen Mokka trinken zu können, denn ein kleiner Propangaskocher ermöglicht uns die Verwendung der heimischen Steigrohrmaschine. Das Zelt ist übrigens das erste mal trocken! Wir hatten zwar bisher kein Regenwetter, aber die feuchten Oktobernächte hinterlassen auch ihre Spuren. Kurz nach neun verlassen wir den Campingplatz. Unser Ziel ist das nur 70 km entfernte Hyères, wo wir nochmal zelten wollen, bevor wir uns auf die lange Rückreise machen.

Als es gegen 10 Uhr leicht zu nieseln anfängt, machen wir uns Sorgen um unser Karma, denn die zehn Tage England letztes Jahr brachten zehn Tage Regen. Bis jetzt hatten wir Glück und trotz des Niesels bleibt es warm. Kurz nach elf gießt es schließlich in Strömen. Wir passieren Hyères und wollen uns an der Küste einen schönen Campingplatz suchen. Wir fahren auf die Halbinsel Giens, sehen rosa Pinguine und sind plötzlich wieder auf der Straße nach Hyères. Verwirrt versuchen wir zu begreifen, was passiert ist, ob wir geträumt haben und warum wir wieder dort sind, wo wir eigentlich her kommen. Eine Karte am Straßenrand klärt uns schließlich auf, daß Giens über zwei Landwege mit dem Festland verbunden ist. Beide Wege, wovon einer nur ein sehr schmaler natürlicher Damm ist, kann man mit dem Auto befahren, was dazu führte, daß wir rauf und wieder runter fuhren, ohne es zu merken. Die Halbinsel ist ein beliebtes Surf- und Tauch-Paradies, wie wir merken müssen, verfügt über ein Naturschutzgebiet, eine kleine Ortschaft, viele Campingplätze und Scharen von Flamingos, die ziemlich ratlos und gelangweilt in der Gegend rumstehen. Warum sie das ausgerechnet hier tun, vermögen wir nicht herauszufinden.


Hyères im Regen und Berufsverkehr

Nachdem wir alle Campingplätze in der Nähe abgefahren und von außen begutachtet haben, entscheiden wir uns schließlich für den Campingplatz in La Tour Fondue und reservieren uns schonmal eine Parzelle. La Tour Fondue liegt an der Südküste Giens, besitzt einen winzigkleinen Fährhafen, ein paar Häuser, drei Geschäfte, die alle saisonbedingt geschlossen sind und behebergt Unmengen Froschmenschen, die den ganzen Tag in ihren Gummianzügen durch die Gegend watscheln und entweder Surfbretter oder Taucherausrüstungen mit sich herumschleppen. Sämtliche ortsansässigen Campingplätze haben offensichtlich auch nur deshalb noch geöffnet, weil sie auch zu dieser Jahreszeit von diesen Froschmenschen geradezu überrant werden.

Aufgrund der Wetterlage - es hat sich inzwischen richtig eingeregnet - entscheiden wir, mit dem Aufbau des Zeltes noch zu warten und unternehmen einen Spaziergang zur Fähranlegestelle. Dort ist alles vernagelt und verrammelt, lediglich ein paar Autos stehen auf dem riesigen Parkplatz, der die größte Fläche der Ortschaft einnimmt. Wir sind inwzischen völlig durchnäßt und begeben uns zurück zum Auto, um in trockene Klamotten zu schlüpfen. Als der Regenguß in ein Nieseln übergeht, fahren wir nochmal nach Hyères, um uns die sehr alte und wunderschöne Stadt anzusehen, trinken Kaffee, bummeln rauf zum Stift Saint Paul, laufen die breiten, mit Palmen gesäumten Alleen entlang und kehren schließlich zum Zeltplatz zurück.


Der Eingang zum Campingplatz

Um halb sechs bauen wir dann unser Zelt auf. Es nieselt inzwischen wieder leicht, was die Mücken nicht davon abhält, uns in dichten Schwärmen zu Tausenden anzugreifen. Unglaublich, sowas hab ich noch nicht gesehen! Binnen Sekunden sind Auto und Zelt voll mit Mücken, obwohl letzteres noch nichtmal richtig aufgebaut ist. Stiche überall. Als wir dann mit unseren Schlafsäcken, Decken und Essensbeuteln ins Innere flüchten, bringen wir 10 bis 15 Minuten damit zu, alle Mücken im Zelt zu jagen und zu töten. Schließlich essen wir Abendbrot, bestehend aus frischem Baguette mit Wurst, Käse und Oliven. Als wir gegen neun das Licht ausmachen, geht draußen der Trubel erst richtig los. Kinder rennen laut kreischend umher, spielen Fangen und Verstecken zwischen den Zelten. Auf den Veranden der Chalets wird laut geredet und gegessen. Die ganzen Froschmenschen haben sich am Abend versammelt und verbringen ihn gemeinsam - die Mücken scheinen sie nicht zu stören.

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Jan • 29.4.2009, 5:41 Uhr • Kommentare: 2

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 4


Palmen an der Côte d’Azur

Montag, 27.10.2008

Wir sind kurz nach sieben aufgestanden, haben das Zelt abgebaut und uns umgehend nach Châteauneuf-du-Pape begeben, um uns mit Wein einzudecken. Der Ort ist wirklich schön, verwinkelte Gassen, am Hang gelegen und an jeder Ecke kleine, rustikale Weinläden. Im ersten Geschäft haben wir uns gleich viel zu teuren Wein andrehen lassen, der noch nichtmal aus Châteauneuf-du-Pape kommt, aber wenigstens von der Rhône. Im nächsten Laden endlich haben wir echten Ortswein gekauft - keine Kaufhallenpreise, aber definitiv ihr Geld wert!

Um halb elf sind wir bereits wieder unterwegs richtung Südost und fahren durch Avignion, wo wir nun die Rhône verlassen. Um 12 Uhr passieren wir Aix-en-Provence und können das Mittelmeer schon fast riechen. Alles hier ist mediterran: die Architektur, die Flora, das Klima.

Um fünf erreichen wir dann endlich »Camping Santa Gusta« in La Ciotat, direkt an der felsigen Steilküste zum Mittelmeer. Das Wetter war den ganzen Tag herrlich, wir haben noch bis spät in die Nacht um die 20°C.


Ein warmer Nachmittag

Hier herrscht noch ein Touristentrubel, als wäre Hochsommer. Unser Platz zum zelten liegt zum Glück etwas abseits in der Nähe der Dauer-Camper, die aber offensichtlich alle schon verlassen und winterfest gemacht worden sind. Das Wasser ist abgestellt und Strom gibts auch keinen. Die Toiletten sind - typisch französisch - einfach nur Porzellankloschüsseln ohne Deckel und ohne Brille. Eines der Toilettenhäuschen hat ein Schild mit der Aufschrift »Cabinet turque« und darin befinden sich - wie sollte es auch anders sein - türkische Hockklos.

Wir sitzen im Schein meiner Petroleumlampe und braten frische Rinderherzen über dem Gaskocher. Dazu gebratene Zwiebeln und frisches Baguette mit Wurst und Camembert aus der Region sowie den teuren Rotwein aus dem ersten Laden in Châteauneuf-du-Pape, der wirklich sehr sehr gut ist. Daß wir Rinderherzen gekauft hatten, wurde uns erst klar, als ich die Verpackungsbeschriftung im Wörterbuch nachgeschlagen habe, während Frank die Stücke bereits zum ersten mal gewendet hat. Sie waren enorm zart und haben herrlich aromatisch nach Rind geschmeckt.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang entlang der Küste richtung Centre Ville kriechen wir bereits um 22 Uhr ins Zelt und gehen schlafen - unter Palmen!

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Jan • 22.4.2009, 6:12 Uhr

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 3


Nebel

Sonntag, 26.10.2008

Nach dem Abbau des Zeltes begeben wir uns um halb zehn zum Camping-Büro, um uns abzumelden. Wir stellen die Uhren ordnungsgemäß eine Stunde zurück und fahren zur nächsten Tankstelle.

Der Rüssel steckt im Tankstutzen, aber es kommt kein Benzin. Frank geht fragen und kommt mit einem Kopfschütteln zurück: Bei Esso benötigt man hier eine sogenannte »Esso Express Card«, Barzahlung oder Kreditkarte sind nicht möglich. Wir fahren also weiter zur BP-Tankstelle, die ein Stück entfernt an der Autobahn liegt. Nach 10 min halten wir neben der Zapfsäule, Frank steigt aus und fängt an zu lachen. Die Klappe steht weit offen und der kleine, runde Deckel hängt ordnungsgemäß in seinem Schlitz an der Klappe.

Um 10:45 passieren wir Chalon-sur-Saône. Der Nebel wird immer dichter, die Landschaft ist schon nicht mehr zu erkennen - alles ist weiß. Wir suchen uns gegen 11:45 Uhr ein nettes Plätzchen an der Saône, um zu frühstücken. Es gibt - ganz klassisch - frisches Baguette mit Butter, aromatischem Käse und herzhafter Wurst.


Frühstück

Gegen zwei nähern wir uns Lyon, wo die Saône in die Rhône mündet, entlang derer wir nun eine ganze Weile reisen werden. Das Rhône-Tal ist eines der schönsten und besten Weingebiete Frankreichs, hier gibt es unglaublich viele Chateaus und ausgezeichnete Weine.

Gegen halb sieben erreichen wir Châteauneuf-du-Pape, wo der berühmte gleichnamige Wein herkommt. Wir können es kaum erwarten, ihn zu kosten. Unglücklicherweise ist der örtliche Campingplatz schon geschlossen, doch bekommen wir eine französische Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Vier-Sterne-Campingplatz in Courthézon. Wie sich auch im weiteren Verlauf der Reise herausstellen wird, ist die Campingsaison hierzulande bereits zuende. Nur wenige Campingplätze haben ganzjährig geöffnet und meistens auch nur im Süden des Landes. Die meisten Zeltmöglichkeiten haben entweder bereits zu oder schließen zum 31. Oktober, wir haben also noch ganz knapp die letzte Saisonwoche erwischt.

Um 19 Uhr erreichen wir »Camping Les Source« und bauen das Zelt trotz Dunkelheit schnell und effizient auf, wie es sich für Ingenieure gehört. Unser Platz zeichnet sich durch einen hölzernen Pavillion (vermutlich ein Carport?) mit Sitzbank und Tisch, sowie einem eigenen, gemauerten Dusch- und Toilettenhäuschen aus -- das hatten wir bisher noch nie, schon gar nicht in Frankreich, wo noch heute Toiletten türkischer Bauart in Mode sind. Zum Abendbrot wollen wir heute echt französisch essen, begeben uns zur Campingplatzpizzeria »La Goutte Bleue« und essen jeder eine Riesenpizza für 6 EUR. Zum Nachtisch Tiramisù bzw. Crème brûlée. Dazu örtlichen Rhône-Wein, danach Espresso und einen Schnaps aufs Haus.


Frank und die Riesenpizza

An die Restaurantgepflogenheiten hierzulande müssen wir uns allerdings erst noch gewöhnen. Als wir uns hinsetzen, stellt uns die Kellnerin eine Karaffe mit Wasser hin und nimmt die Bestellung auf. Für Frank einen halben Liter Wein, für mich einen viertel Liter, dazu unsere Pizzen. Während wir warten, gießen wir uns Wasser ein. Als die Kellnerin angelaufen kommt, stellt Sie eine Karaffe mit einem halben Liter Wein auf den Tisch und verschwindet. Da wir ja ohnehin noch keine Gläser haben, erwarten wir, daß sie sicher gleich nochmal mit meiner Viertelliterkaraffe und den Gläsern wiederkommt. Und sie kommt nicht. Wir rufen sie also heran und ich frage nach meinem viertel Liter Wein, sie schaut mich mit einem erhellenden Blick an, so als ob sie es jetzt verstanden hätte, greift die Halbliterkaraffe und läuft mit ihr davon. Völlig verdutzt ruft Frank sie auf halbem Weg zurück und erklärt der völlig verwirrten Frau, daß er einen halben und ich einen viertel Liter wünschten, jeder für sich! Es scheint hier unüblich zu sein, daß sich jeder seine eigenen Getränke bestellt. Als wir dann endlich jeder unsere Weinkaraffe haben, ist das Gläserproblem allerdings immer noch nicht gelöst. Ich finde schließlich heraus, daß unsere Wassergläser gar keine Wassergläser sind, sondern wie Wassergläser geformte Weingläser, während die unscheinbaren Teelichtgläser mit den reingestopften Servietten die eigentlichen Wassergläser darstellen. Wir stehlen uns also die sauberen Weingläser vom Nachbartisch und können endlich den Wein genießen.


Das Sanitärhäuschen ist links nicht im Bild

Das Wetter heute war grandios: 23°C und Sonnenschein. Überall stehen Zypressen, Olivenbäume, Pinien und: Palmen! Die Frau in der Pizzeria, die mit ihrem Gatten am Tisch gegenüber saß, schien das allerdings nicht bemerkt zu haben, denn während wir uns vor Hitze (trotz der sommerlichen Temperaturen, wurde im Restaurant auf Teufelkommraus geheizt) bis aufs Nicki entblößten, zog sich die Frau zuerst ihren Pullover, dann die Strickjacke und schließlich ihren Mantel an. Als sie dann fröstelnd den Kragen hochlegte, mußten wir von einer ernsthaften physischen Störung - entweder bei uns, oder bei ihr - ausgehen.

Wir sind jetzt kurz vor Avignon und werden morgen richtung Südost ans Mittelmeer fahren.

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Jan • 15.4.2009, 6:31 Uhr • Kommentare: 2

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 2


Frankreich!

Sonnabend, 25.10.2008

Wir schlafen etwas länger und brechen gegen 10 Uhr auf. Es ist trüb und bedeckt. Um 11:45 Uhr erreichen wir die Luxemburger Grenze bei Trier und kaum verlassen wir Deutschland, kommt auch schon die Sonne heraus.

Wir durchqueren das Riesenimperium Luxemburg und erreichen nach 20 Minuten Frankreich. Frankreich! Endlich im Urlaub. Hier ist irgendwie alles ein wenig anders. Die Fahrbahnmarkierungen, die Verkehrszeichen, die Hinweisschilder. Es sieht im Großen und Ganzen schon so aus, wie bei uns, aber es sind die Details, der etwas andere Schwung am Pfeil, die breiteren Striche oder die etwas klassischeren Piktogramme. Und vielleicht auch die Sprache. Und irgendwie ist alles so schön und aufregend, daß ich nichts weiter aufschreibe, bis wir um 19 Uhr das Zelt fertig aufgebaut haben.

Wir sind hier auf dem Camping Municipal »Les Cent Vignes« in Beaune in der Bourgogne und haben mit einer neuen Bestzeit bewiesen, daß wir schon eine gewisse Erfahrung und Routine besitzen, mein Aldi-Zelt aufzubauen. Jetzt gehen wir noch auf einen Wein in die Stadt.

Um 20 Uhr sitzen wir im »Le Carnot«, trinken Afflingen und genießen den warmen Abend in einer ziemlich hübschen, französischen Altstadt. Das Wetter hätte heute kaum besser sein können, es war den ganzen Nachmittag sonnig und warm.

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Jan • 8.4.2009, 6:43 Uhr

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 1


Unser Zuhause für die nächsten 7 Tage

Freitag, 24.10.2008

Bald ist Feierabend. Ich sitze im Büro und freue mich schon auf den unmittelbar bevorstehenden Urlaub. Es ist Freitagnachmittag. Freitags werden üblicherweise keine neuen Softwareversion mehr auf die Server gespielt. Sowas wird spätestens Donnerstag getan. So hat man noch den ganzen Freitag Zeit, Probleme zu beheben, sollten denn welche auftreten. Ganz besonders, wenn der verantwortliche Entwickler die darauffolgende Woche im Urlaub ist, fernab von Internet und Laptop. Wir spielen also an diesem Freitagnachmittag eine neue Softwareversion ein und ich verlasse schließlich um 16 Uhr eilig das Büro, denn Frank will mich um 17 Uhr zu Hause abholen. Wir wollen an die Côte d’Azur. Wo schönes Wetter ist. Mit dem Auto. Und dem Zelt.

Um 16.30 Uhr klingelt mein Telefon und Frank teilt mir mit, daß sich unsere Abreise um eine halbe Stunde verschieben wird, da der Tacho an seinem Volvo nicht mehr funktioniere. Er hatte die Woche damit zugebracht, das Auto ein wenig auf Vordermann zu bringen und noch an diesem Freitag das Kombiinstrument wieder eingebaut - offensichtlich ohne die Tachowelle anzuschließen.


Wir verlassen Berlin erst nach Sonnenuntergang

Eine halbe Stunde und 105 Minuten später holt er mich schließlich zu Hause ab, um mich zwei Straßen weiter an seiner Wohnung wieder abzusetzen, wo er mir eröffnet, daß er nur noch schnell packen müsse. Wir passieren schließlich um 19:30 Uhr das Schönefelder Kreuz und fahren südwärts richtung Westerwald. Mit Frank lange Strecken Auto zu fahren ist eine sehr angenehme Sache. Man könnte meinen, daß wir uns nach kurzer zeit ziemlich auf die Nerven gehen müßten, aber komischerweise passiert das nicht. Nicht im Auto jedenfalls. Wir erzählen uns gegenseitig Blödsinn, hören Musik oder planen die nächsten Tage.

Mitten in der Unterhaltung rumpelt und poltert es plötzlich unangenehm laut unter dem Auto. Wir müssen über irgendetwas drübergefahren sein, jedenfalls kann Frank noch im Rückspiegel sehen, wie ein nicht näher definierbares Blechteil in der Dunkelheit verschwindet. Es ist etwa 21 Uhr, als wir den Rastplatz erreichen. Frank kriecht unters Auto und ruft mich heran. Im Lichtkegel der Taschenlampe sehe ich eine einsame Schraube aus ihrer Bohrung herausragen. Daneben zwei weitere Bohrungen - ohne Schrauben. Frank erklärt mir verdutzt, daß dort eigentlich ein Hitzeblech montiert sein müßte. Während er überlegt, ob er möglicherweise vergessen hat, die Schrauben anzuziehen, muß ich nur die ganze Zeit daran denken, wieviele Schrauben wohl noch angezogen werden müssen. So ein Auto hat viele Schrauben. Sehr viele.

Wir setzen unsere Reise fort. Es ist ja nur ein Hitzeblech. Nichts kritisches. Moment mal, riecht es hier nicht irgendwie verschmort? Als wir um 22:30 Uhr beim McDonald's im Gewerbegebiet Waltershausen Nord bei Eisenach zum Abendbrot Halt machen, prüft Frank nochmal den Auspuffkrümmer, über dem das Hitzeblech mal montiert war. Sieht alles gut aus. Um 2 Uhr erreichen wir schließlich Mündersbach und werfen von der Straße aus einen Blick auf Franks Arbeitsstelle, bevor wir weiter nach Selters zu seiner Wohnung fahren und schlafen gehen.

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Jan • 1.4.2009, 5:54 Uhr • Kommentare: 3