Kulturelles

Have you tried turning it off and on again?


The IT Crowd (Foto: tim7423, Lizenz)

Stell Dir schöne, geräumige, freundliche, sonnendurchflutete Büros vor mit sympathischen Mitarbeitern. Und nun stell Dir vor, daß Du dort nicht arbeitest, denn Du bist in der IT-Abteilung, im dunklen, engen und schmutzigen Keller des Hauses fernab jeglichen sozialen Umfeldes.

Dies ist zumindest der Alltag von Roy (Chris O'Dowd) und Moss (Richard Ayoade), zwei sozial unbeholfenen Nerds, die jeden verachten, der über der Erde arbeitet. Sie sitzen in der IT-Abteilung von »Reynholm Industries«, einem typischen Standard-Unternehmen in der nagelneuen britischen Sitcom The I.T. Crowd.

Diese Serie zeigt wie keine andere das Leben in einer IT-Abteilung, wie es sich jeder außenstehende vorstellt. Natürlich wird hier jedes Klischee bedient, daß in irgendeiner Weise über Informatiker bekannt ist, aber gerade das macht die Serie so gut. Auch wenn Deutschland hier mal wieder hinterherhinkt, »The IT Crowd« ging bereits um die Welt, bevor die erste Episode ausgestrahlt wurde. Inzwischen hat sich der Hype wie eine Seuche überall ausgebreitet und sorgt für reichlich Diskussion (Deutschland nach wie vor ausgenommen).

Ich habe jedenfalls mehr als herzlich gelacht beim Genuß der ersten fünf Episoden. Ich denke, diese Serie ist ein Muss für jeden Informatiker und ein Spaß für alle anderen. Nun bleibt zu hoffen, daß die Serie bald nach Deutschland kommt, wenngleich jede Synchronisation vermutlich niemals an das Original herankommen wird. Die sechste und vorerst wohl letzte Episode wird am 03. März 2006 auf dem britischen Sender »Channel 4« ausgestrahlt. Ich kann es kaum erwarten und hoffe, daß die Serie fortgesetzt wird, der Erfolg läßt mich optimistisch bleiben.

Jan • 28.2.2006, 19:25 Uhr • Kommentare: 6

Woanders

Warum man manchmal den Zug nehmen sollte...


Oly, ich, Claudi, Oli, Silvi

Silvester 05/06 - Die ganze Geschichte:

Abfahrt am 30.12.2005, 17:00 in Berlin, Gesamtstrecke etwa 635 km.

Die Autobahn war schneefrei, aber naß. Leider ist nachts die Sonne aus, so konnte man Nässe kaum von Glätte unterscheiden. Also fuhr ich maximal 110 km/h.

Etwa 120 km vor Stuttgart wurde die Fahrbahn dann durchgehend trocken, was nach so vielen Stunden anstrengender Nachtfahrt ein wahrer Segen war. Leider fing es exakt 111 km vor Stuttgart zu schneien an und binnen 10 min war die Autobahn komplett weiß. Nochmal 20 min später hatte sie eine geschlossene Schneedecke von schätzungsweise 20 cm. Nach einigen Fast-Ausflügen in die Leitplanke fand ich dann schließlich heraus, daß 60 km/h die optimale Geschwindigkeit sind: Wenn ich langsamer fuhr, verloren die Reifen den Halt und drehten lustig singend durch, was doch wirklich zweimal dazu führte, daß ich steckenblieb. Anfahren im dritten Gang ermöglichte eine Weiterfahrt. Bei mehr als 60 km/h war die Spur aber nicht mehr zu halten und der Wagen brach ständig in irgendeine Richtung aus, was mir fast eine nähere bekanntschaft mit dem Strassengraben beschert hätte. Eine Fern-Meldung meines Freundes Oli besagte, daß Stuttgart schneefrei sei, was in mir die Hoffnung aufsteigen ließ, daß das Gestöber ja bald enden müsse.

Lustigerweise bretterten die Lkws mit locker 100 km/h links an mir vorbei, während sich in meinem Rückspiegel ein Pkw fröhlich um die eigene Achse drehte. Lustig war, daß er kurz zuvor immer näher und näher kam, um offensichtlich zu überholen, sich nach dem Dreher aber dazu entschied, langsamer zu fahren und hinter mir bleiben. Ich frage mich, was er wohl gedacht hat, warum ich da mit 60 km/h langschleiche. Noch lustiger war dann aber, daß ich die Lkws, die mich kurz zuvor überholt haben, ein paar Kilometer später wiedergesehen habe: Sie standen kreuz und quer mit Warnblinker mitten auf der Autobahn. Natürlich weit und breit kein Räumdienst und schon gar keine Polizei. Heikel war nur, um die Hindernisse herumzufahren, da man unter 60 km/h herabbremsen mußte und damit wieder Gefahr lief, steckenzubleiben.

Schlußendlich bin ich dann wirklich die restlichen 100 km komplett geschlichen und bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof war nicht eine Flocke geräumt. Ankunft nach über 8 Stunden Fahrt kurz nach 1 Uhr morgens. Oli und Claudi kamen zeitgleich an. Auf meine Frage, aus welchem schneefreien Stuttgart er mir denn geschrieben hätte, wußte er zunächst keine Antwort. Später erfuhr ich, daß er selbst etwas irritiert war, als er aus dem Haus in den Schnee trat. Direkt vom Bahnhof ging's dann zum Marco in die Wunder-Bar zu einer Runde Bier und Kickern.

Während ich mich bereits in meinen Schlafsack rollte, zogen Oli und Claudi nochmal los, um noch dies und das einzukaufen. Am nächsten Morgen um 17 Uhr kurz nach dem Aufstehen liefen dann schon die Vorbereitungen für die Silvesterfeier. Irgendwann trudelten dann auch Claudis Bruder Chris samt Freundin Natascha und ihrer besten Freundin Michi ein. Später dann noch der Öli. Es war eine sehr lustige und entspannte Feier.

Um 23.28 Uhr ging es dann zum Bahnhof, wo uns die S-Bahn - wie zu erwarten - buchstäblich vor der Nase wegfuhr. Dennoch schafften wir es pünktlich zu 0.00 Uhr in die Stadtmitte zum Schloßplatz, wo wir dann im Kriegszustand zwischen Böllern und waagerecht fliegenden Raketen den Marco samt seiner Silvi trafen.

Nach einem Besuch im »Ethnic« waren plötzlich Natascha und Michi verschwunden und ein völlig genervter Chris ertrank seinen Ärger in Alkohol. Als sich dann die Gruppe entschloß, zu zahlen und die Zelte abzubrechen, um nach den beiden kleinen Mädels zu suchen, fanden sie sich ganz plötzlich wieder unten vor der Tür an. Zurück bei Oli haben wir dann noch bis zum Morgengrauen gefeiert, keine Ahnung 8 Uhr oder so.

Neujahr. Frühstück um 20 Uhr, dann weiß ich nicht mehr... irgendwann später haben wir dann einen Neujahrs-Ausflug nach Calw gemacht und einen stillgelegten Eisenbahntunnel besucht. Claudi entdeckte ihn während ihrer Ausbildungszeit. 600 Meter lang, leicht gekrümmt und in der Mitte so dunkel, daß man die Hand vor Augen nicht mehr wahrnehmen konnte. Wirklich ein interessantes Gefühl. Gegen 4 Uhr gabs dann Mittag und 4.30 Uhr waren dann alle im Bett.

Um 9.30 Uhr mußte ich dann leider auch wieder aufstehen, weil ich ja nach Berlin zurück mußte; war ja schon Montag. Ich hab auch Olis Wecker dreimal klingeln hören, aber selbst lautes Hämmern gegen die Türe half nicht, die beiden wachzukriegen. Also bin ich dann ohne Verabschiedung nach Berlin aufgebrochen um 10.30 Uhr. Die Autobahn war übelst voll und es war eine elendige Fahrerei. Dann gabs den ersten Stau. In der Kolonne fuhr ich dann im Schrittempo an zwei (!) Auffahrunfällen vorbei, die aber überraschenderweise nicht der Auslöser des Staus waren, sondern nur ein Nebeneffekt des Stop&Go. Der Auslöser dieses Debakels war dann am Ende ein Blitzer in einer Baustelle. Das ist mal wieder so bezeichnend: Die Polizei blitzt fröhlich in einer ohnehin schon staugefährlichen Engstelle und alles bremst natürlich. Der Abstand von Auto zu Auto wird immer enger und enger, bis es irgendwann jemand nicht mehr rechtzeitig schafft zu bremsen und auf seinen Vordermann aufrauscht. In diesem Fall gleich zwei mal. Liebe Polizei, ihr habt durch eure selten dämliche Blitzaktion nicht nur einen Stau im herrlichsten Heimreise-Verkehr ausgelöst, sondern auch noch 2 Auffahrunfälle verursacht. Herzlichen Glückwunsch! Die Polizei dein Freund und Helfer...

Später am Tag fing es dann stark zu regnen an, was die Leute aber nicht davon abgehalten hat, weiterhin bei strömendem Regen, Aquaplaning und kaum Sicht auf der linken Spur mit 200 km/h zu drängeln. Natürlich die Raser alle mit lustig blendendem Nebelschlußlicht, obwohl man deutlich weiter als 50 m gucken konnte. Was soll ich sagen, die Raserei führte dann auch gleich zum nächsten Stau, denn es war ja nur eine Frage der Zeit, bis einer dieser Hirnsteine einen Unfall bauen mußte.

Nach satten 7 Stunden Fahrt erreichte ich dann das Haus meiner Eltern um 17.30 Uhr, stieß mit ihnen aufs neue Jahr an und war dann um 20 Uhr daheim. Abgesehen von der höllischen, nervigen und anstrengenden Hin- und Rückfahrt, war dies ein geiles Silvester! Aber nächstes mal nehm ich den Zug!

Danke Claudi und Oli für Eure Gastfreundschaft und die coole Party und das Essen und so weiter. Ich hoffe, ich kann mich nächstes Silvester in Berlin dafür revanchieren.

Übrigens, die Fotos sind von Oli und Marco.

Jan • 3.1.2006, 18:53 Uhr • Kommentare: 13Abbildungen: 91

Liebes Tagebuch

Hilfe, es weihnachtet sehr!


Christmas Vacation Intro (Foto: _mpd_, Lizenz)

...ist nicht nur der schlechte deutsche Titel eines großartigen Films von »National Lampoon« mit Chevy Chase, sondern auch ein allgegenwärtiges Problem, mit dem sich viele Menschen in dieser Jahreszeit konfrontiert sehen.

Was zum Teufel schenke ich nur meinen Eltern? Und meinem Bruder, meiner Schwägerin, meinem Neffen, meiner Großmutter? Jedes Jahr das gleiche Theater. Diesmal nicht: In einer dreisten Verschwörung zusammen mit meinem Bruder gelang es uns, unsere Eltern zu einer Keine-Geschenke-Vereinbarung zu zwingen. Thema erledigt.

Natürlich findet auch der alljährliche Absolventen-Ball meiner ehemaligen Schule genau am 23.12. statt, so als würde man tatsächlich von mir erwarten, am letzten Werktag vor Weihnachten nach der Arbeit noch auf dieses Getümmel zu gehen, um dann völlig overdressed mit einem Sekt irgendwo zwischen Leuten herumzustehen, von denen man eigentlich froh ist, sie nicht mehr sehen zu müssen. Tatsächlich nimmt die Zahl derer, die einem wirklich noch etwas bedeuten jedes Jahr mehr ab, während diejenigen, die man eigentlich noch nie leiden konnte, immer regelmäßiger erscheinen. Daß die Lehrer sich jedes Jahr immer mehr raushalten und eigentlich kaum mehr einer der alten Hasen auftaucht, muß man wohl nicht weiter erwähnen. Zumindest brauche ich nicht hinzugehen, um mal wieder ein Wort mit den ehemaligen Meinungsbildnern zu wechseln - sie sind sowieso nicht da.

Wenigstens über Silvester brauche ich mir dieses Jahr keine Gedanken zu machen. Während ich in all den Jahren immer erst am 31.12. abends noch kurzfristig irgendwo unterkam, steht diesmal der Plan fest: 634,28 km nach Stuttgart!

Heute war übrigens ein Schoko-Tannenbaum in meinem Weihnachtskalender!

Jan • 20.12.2005, 21:50 Uhr • Kommentare: 3

Segeln · Woanders

Segeln 2005


Auf See: Ich, Jaro, Daniel, Gordon

Segeln 2005. Zum ersten mal als mein eigener Skipper. Und ob mans glaubt oder nicht, ich habe sogar ein paar todesmutige Draufgänger für die Crew gefunden!

Gasi, Lenir, Kaneda und ich durchquerten den Rügenschen und Greifswalder Bodden und überquerten die Ostsee einmal bei Tag und einmal bei Nacht.

Leider habe ich auf dieser Reise kein Tagebuch geführt. Ich hatte alle Hände voll zu tun, mich an die Aufgaben und Verantwortung des Skippers zu gewöhnen. Ich hab versucht, nachträglich noch eine spannende Erzählung zusammenzuschreiben, aber ohne Erfolg. Es wurde nur langweilig und öde und da hab ich es aufgegeben. Sowas muß man direkt am gleichen Tag niederschreiben, damit es interessant wird. Vielleicht werde ich noch eine Abschrift des Logbuchs nachreichen.

Mal schauen wohin es mich nächstes Jahr verschlägt und wer dann wieder dabei sein wird.

Jan • 15.12.2005, 21:35 Uhr • Kommentare: 3Abbildungen: 265

Segeln · Woanders

Segeln 2004


Ansteuerung Neuhof

1. Seetag, Sonnabend, 04.09.2004

23:01h, 54°15.900'N / 13°10.832'E (Neuhof)

Wir sitzen bei einem Bierchen im Salon der Sirius und reden über Steuern, Computer, Mülltrennung und Dosenpfand. Wir sind heute um 17 Uhr in Lauterbach ausgelaufen, nachdem sich die Vercharterer bei der Übergabe endlos ausgemährt haben. Wir wollten eigentlich um 16 Uhr ablegen. Und genau diese Stunde fehlte uns, um bei Tageslicht Stralsund zu erreichen. Bei Geschwindigkeiten zwischen 4 und 7 Knoten rauschten wir über den Greifswalder und Rügener Bodden richtung Straler Sund. Der Himmel war fast wolkenlos, die Sonne schien warm auf uns herunter, das Wetter war herrlich!

Um 20.30 Uhr machten wir in Neuhof fest. Von hier aus hatten wir vor ein paar Wochen einen Wochenend-Törn gemacht, um den Frauen mal das Segeln zu zeigen. Damals waren mein Bruder mit Frau und Sohn sowie meine Eltern und ich dabei. Diese Woche war als 6er-Törn geplant. Leider sind mein Bruder und Heinz kurzfristig ausgefallen und so treten wir in klassischer Zusammensetzung an, genau wie vor 2 Jahren: Georg, Heinz Wolfgang, Papa und ich. Und wie letztes mal, starteten wir wieder im Bodden.



In der Rinne

2. Seetag, Sonntag, 05.09.2004

11:32h, 54°28.863'N / 13°03.367'E

Passierten soeben die Barhöfter Rinne zwischen Zingst und Hiddensee. An steuerbord querab machte ich Fotos von zwei ehemaligen Leuchttürmen. Der eine Rostet langsam vor sich hin, vom anderen ist nur noch der Stumpf übrig. Nun laufen wir mit Nordkurs (355°) und 5 Knoten unter Motor richtung Segelgebiet. Seit Auslaufen um 8 Uhr heute morgen konnten wir keine Segel setzen, da wir zunächst durch den Straler Sund bis zur Ziegelgrabenbrücke mußten, die uns dann um 9.20 Uhr mittels Hochklappen die Durchfahrt durch den Rügendamm ermöglichte. Seitdem enges Fahrwasser.

Heute morgen bemerkte ich, daß ich kein Handtuch eingesteckt hatte, was mir rätselhaft ist, denn ich hatte extra noch welche gewaschen. Das macht aber nichts, denn ich hab auch sämtliche Bücher und alles zu lesen vergessen, das ich mir extra rausgelegt hatte. Papa borgte mir sein Zweithandtuch.

Es ist 11.40 Uhr und vorbereiten zum Segel setzen.



Bei Flaute wird im Kielwasser gebadet

3. Seetag, Montag, 06.09.2004

18:23h, 54°57.281'N / 12°27.803'E (Klintholm)

Haben heute um 7.30 Uhr in Klintholm festgemacht. Waren seit gestern vor Mön unterwegs. Gestern mittag unter Genua und Groß zunächst Nordwest-Kurs, dann mit Ostwind unter Nordkurs Richtung Schweden gelaufen. Kreuzten die Schiffahrtsroute mit diversen Frachtern und Fähren. Dann um 22.00 Uhr in Höhe von Mönsklint auf Westkurs gewechselt mit Wind aus Südost. Liefen mit maximal 3 Knoten auf 270° richtung Mönsklint. Um 23.00 Uhr Beginn der Nachtwache. Papa zog sich in den Salon zurück, Georg döste an Deck. Gegen 0.00 Uhr war die Südküste von Mön querab, der Wind drehte auf Süd und schlief schließlich ein. Ohne Wind und Fahrt waren wir völlig manövrierunfähig und trieben auf die Steilküste von Mön zu. Ein zunächst an Land vermutetes Rotes Licht entpuppte sich als Backbord-Positionsleuchte eines Fischers der vor unserem Bug richtung Klintolm vorbeizog. Südlich sahen wir eine lange Perlenkette, hell erleuchteter Fährschiffe, die sehr weit nördlich der eigentlichen Schiffahrtsroute vorbeizogen. Als Heinz - mit dem ich Wache gehe - etwas Westwind einfangen konnte, entschlossen wir uns für einen Kurswechsel nach Südost, um von der Küste wegzukommen. Dabei gerieten wir fast mitten in die Fährschiffkette, eine neuerliche Wende auf Südwest ging schief, da der Wind nicht ausreichte, um das Boot herumzudrehen. Schließlich dümpelten wir wieder in der Flaute, immer noch vor der südöstlichsten Ecke von Mön. Wir bekamen wieder Westwind und setzten unseren Südost-Kurs fort. Dann schlief der Wind abermals ein. Und bereits um 2.00 Uhr befanden wir uns wieder vor Mönsklint, sogar noch weiter Nördlich als um 1.00 Uhr. Wir kamen einfach nicht weg.


Nachts vor Mönsklint

Um 3.00 Uhr fingen wir wieder Wind ein und rauschten plötzlich mit bis zu 6 Knoten wieder auf Südost-Kurs weg von der Küste. Nach 4 Stunden war nun auch Wachwechsel, aber Papa wachte schon durch das Gurgeln des Wassers bei unserer schnellen Fahrt auf. Heinz und ich rollten uns in die Kojen und Papa und Georg übernahmen das Ruder. Ich träumte totalen Scheiß, weiß nichtmalmehr was genau, aber plötzlich wachte ich vom Lärm des Dieselmotors auf, der neben meinem Ohr hämmerte. In Erwartung des Einlaufens wankte ich an Deck, da ich meine Hilfe versprach. Zu meiner Verwunderung befanden wir uns noch exakt an der gleichen Stelle, wie vor 4 Stunden zum Wachwechsel, nur daß es inzwischen hell war! Auch Papa und Georg haben es in diversen Anläufen nicht geschafft, von Mönsklint wegzukommen. Auch sie fuhren mehrmals wieder Schläge nach Südost, um dann auf Westkurs richtung Klintholm zu kommen, aber auch sie scheiterten immer wieder am Windschatten unter Land. Schließlich packten sie die Segel weg, starteten den Diesel und wir fuhren vor der aufgehenden Sonne davon in den Klintholmer Hafen. Nach dem Anlegen rollte ich mich wieder in die Koje. Irgendwann wachte ich auf, hörte Klappern im Salon, drehte mich um und schlief weiter wie ein Stein. Offensichtlich haben die anderen drei gefrühstückt. Schließlich wachte ich abermals auf und stürzte in den Salon, nur um zu sehen, daß alle anderen schliefen. Ich tat dasselbe. Ohne jedes Zeitgefühl wankte ich dann wieder an Deck und traf Georg, der in der prallen Sonne las. Papa war duschen und Heinz war wohl offensichtlich sogar schon baden. Nach einem Brötchen und einer Dusche gab es nochmal Resteessen mit anschließendem Kaffee.

Zum Nachmittag machten wir einen kleinen Spaziergang am Strand, der uns über mehrere Gehöfte, Wälder, Felder, Weiden und Elektrozäune führte. Anderthalb Stunden später waren wir wieder am Boot und halfen einem Einhand-Fahrten-Segler. Er lag mit seinem gut 100 Jahre alten Holzschiff direkt an der Außenmole und wartete auf Ersatzteile für seinen Diesel. Des nachts haben die Seeschwalben sein Boot vollkommen mit Rotem Vogelmist eingedeckt und so wollte er den Liegeplatz wechseln, traute sich aber nicht, den Motor mit defekter Seewasserkühlung länger als ein bis zwei Minuten zu betreiben. So drehten wir sein Boot am Steg, stießen ihn ab und Papa und Heinz überwachten den qualmenden und ölspritzenden Motor während des Verholens. Georg und ich liefen zu fuß zum neuen Liegeplatz, wo inzwischen alles schon fest war. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile mit dem sehr interessanten Mann, der mit seinem Boot schon von Norwegen bis Kiel in einer Tour durchgebrettert ist. Inzwischen ist es 19.30 Uhr und wir sitzen immer noch im Salon und trinken Gin-Tonic. Meines Wissens sollte das Essen längst auf dem Tisch stehen und wir auf dem Weg in den Ort sein, aber noch wird geredet. Ich hab jedenfalls hunger.



Klintholm im Morgengrauen

4. Seetag, Dienstag, 07.09.2004

21:26h, 55°25.532'N / 13°48.901'E (Ystad)

Klack, klack, klack, rattattattat, rrrrrrrrrrrrrrr... ich schreckte hoch. Der Diesel ratterte direkt neben meinem Ohr. Ich überlegte kurz: Ja ich habe Papa gestern gebeten, mich vor dem Auslaufen zu wecken. Ich steckte meinen Kopf durch den Niedergang: »Lauft Ihr einfach ohne uns aus?« »Wieso uns? Ohne Dich!«, sagte Papa. Ich ningelte: »Wieso hast Du mich denn nicht geweckt?« »Ich wollte Dich einmal ausschlafen lassen.« Na toll! Gerade heute, wo wir vor dem Sonnenaufgang ausliefen, wollte ich dabei sein. Dabei sein, wenn im Morgengrauen der Nebel zwischen den Masten steht und sich der Himmel langsam rot färbt, bevor die Sonne aufgeht, während wir mit leise gurgelndem Diesel als erste zwischen den schlafenden Booten durchtuckern und den Hafen verlassen. Um 7.10 Uhr zerrte ich mir hektisch die Hosen an, schlüpfte in die Schuhe, zog mir den Pulli über den Kopf und taumelte schlaftrunken an Deck. Die Vorleinen waren bereits im Ankerkasten verstaut, die Fender lagen in der Plicht und die achteren Festmacher wurden gerade aufgeschossen. Ich zog mir meine Mütze über, setzte die Sonnebrille auf, nahm meine Kamera und hing mich in das Achterstag. Während wir den Hafen verließen, machte ich meherere Aufnahmen von der aufgehenden Sonne, die die Nebelschwaden, Yachten, Masten und Ferienwohnungen in rot-oranges Licht tauchte.


Wieder Mönsklint

Bereits um 7.20 Uhr standen Groß und Genua, um 7.35 Uhr war das Leuchtfeuer Mönsklint an Backbord querab. Und hier begann die rauschende Fahrt. Wir passierten die Kreidefelsen um 8 Uhr und gingen auf Nordost-Kurs richtung Schiffahrtsroute. Um 10.00 Uhr durchbrachen wir die Blockade aus Fähr- und Frachtschiffen, die zwischen Trelleborg und Travemünde pendeln. Langsam drehte der Wind richtung West und wir lutschten immer mehr Höhe. Bei 3 bis 4 Windstärken rauschten wir immer schneller über das Wasser. Mit anfangs 6, später 7 Knoten erreichten wir sogar Spitzengeschwindigkeiten von 9 Knoten. Alle 2 Stunden Wechsel der Ruderwache und ein Geschwindigkeitsrekord jagte den anderen. Als wir um 14.00 Uhr vor Gislövs Lage standen, entschieden wir uns, weiter die Nordküste hochzusegeln. Auf Nordwestkurs hatten wir um 16 Uhr Abbekas querab und standen kurz darauf vor Ystad. Bei 5 Windstärken und über 8, in Spitzen 9 (!) Knoten Fahrt gingen wir hinter der Ansteuerungstonne in den Wind, zerrten die knallenden Segel runter und liefen auf den Yachthafen zu. Leider verpaßten wir die offizielle Hafeneinfahrt und liefen quer über unreinen Grund, allerdings ohne Berührung. Gut, daß wir das erst gemerkt haben, als wir fest waren. Aber so schnell ging das nicht. Ich steuerte die Sirius bei dem Seitenwind zügig in das Hafenbecken. Im Windschutz konnte ich den Schub verringern, aber auf dem Weg in die Box gerieten wir wieder unter starken Seitenwind. Ich erhöhte wieder den Schub, um eine bessere Ruderwirkung zu haben. Georg und Heinz standen am Bug mit den vorderen Festmachern in der Hand, Papa hielt den achteren Festmacher. Mit viel Schwung rauschten wir in die Box, Papa verfehlte den Poller und mit voller Schubumkehr verhinderte ich die Kollision mit dem Steg. Naja zugegebenermaßen war Heinz nicht ganz unbeteiligt, als er von Bord hechtete und seine ganze Masse gegen das Boot stemmte. Natürlich blies der Wind unser Heck einmal im Kreis und schlug uns quer an die Pier. Ein beherztes Durch-die-Reling-kletter-und-mit-Füßen-wegstemm-Manöver meinerseits verhinderte, daß wir mit unserer Badeleiter zwei schöne Löcher in den Rumpf des Nachbarbootes auf Höhe der Wasserlinie bohrten. Ein sinkendes Schiff hätte sicher nicht halb so gut ausgesehen, wie es hier klingt. Papa drehte das Boot sehr geschickt, indem er klassisch mit der Spring »eindampfte« und schon waren wir halbwegs fest. Halbwegs? Ja, denn hinten war alles okay, nur vorn fehlten die Klampen. Also nochmal um zwei Boxen nach steuerbord verholen und fest is der Kahn. Endlich! Nach einem Ritt von 60 Seemeilen in nur 10 Stunden! Manöverschluck, Abwaschen, Spazierengehen durch die herrliche Altstadt, Steak essen, Abwaschen, Manöverschluck. Nein, ich wiederhole mich nicht, es war in exakt dieser Reihenfolge. Und beim Manöverschluck sind wir noch immer. Aber eines noch: Der Landgang war herrlich: Nicht nur, daß die unglaublich schöne und romantische Altstadt nur so von hübschen Futtichen wimmelte, die überall um einen herum gesprungen sind, sondern überall fuhren auch herrliche Volvos und Saabs herum. Schweden ist ein echtes Paradies: Volvo 262C, Volvo 340 DAF, Volvo V70 Cabrio mit merkwürdiger Front, ein alter 244 GL mit kreisrunden Frontscheinwerfern, sogar ein alter 440 Phase I! Ach wie herrlich ist es im Heimatlande meines kleinen Volvos. Es ist 0.06 Uhr, Papa kriecht in den Schlafsack, Georg und ich werden jetzt noch duschen gehen, synchron, aber getrennt (natürlich) und Heinz liegt bereits seit einer guten Stunde in der Koje... Schwächling, Weichei, Lutschtpupe, Lutscher... naja morgen gehen wir Brötchen holen, um 8 Uhr! Und nun Laptop aus, Georg hat seinen Wodka-Lemon fertig und nun gehts duschen. Gute Nacht!

Nachtrag: Die Duschen waren schon zu und Georg und ich schlenderten frierend zurück zum Boot. Schlafen.

Nachtrag: Brötchen holen fiel aus, wegen is nich.


5. Seetag, Mittwoch, 08.09.2004

23:03h, 55°12.733'N / 14°58.378'E (Gudhjem)


Gudjem nach Einlaufen

Gudhjem, ein wunderschöner, lauschiger, romantischer Hafen mit alten Kaimauern, vorgelagerten Klippen, einer festungsähnlichen Anlage und zwei klitzekleinen Hafenbecken sowie einer herrlichen kleinen Altstadt. Eine schlimme Schwell im Becken, schlecht befestigte Kaimauern, Moorings, die an losen Ketten im Hafenbecken liegen und kaum vorhandene Befestigungsmöglichkeiten. Kein Strom und kein Wasser. Aber romantsich. Da stört es auch nicht, daß der Anker auf den Pier-Bolen schrammt, die Leinen knarren und die Fender zerschlitzen. Ein alter Mann vom Nachbarboot segelt 3,5 Monate im Jahr einhand durch die heimischen Gewässer, den Bodden, aber vor allem Schweden und Dänemark. Ende Oktober will er wieder zu Hause sein. Ich traf ihn am Boot und wir spazierten einmal quer durch den ganzen Ort. Ein wirklich wunderschönes Fleckchen Erde. Da nehme ich es auch gerne hin, des nachts nach dem Buganker zu schauen oder ob der Bugkorb überhaupt noch am Boot ist. Wir spazierten und redeten. Übers Segeln, über diesen im Sommer immer überfüllten Lieblingshafen der Segler, über das Studium seines Sohnes und das meinige. Ein schöner Rundgang. Er ist mit Freunden seines Sohnes unterwegs. Sie segeln auf einem winzigkleinen Hamburger Holzboot. Auf der Ostsee? Bei diesem Wetter? Respekt! Wir hatten heute gute 2 Meter Wellen, richtig Wind und eine unglaublich stürmische und störrische See, die Heinz zu Appetitlosigeit verhalf. Ein schöner Ritt vor dem Wind und durch Brecher und Dünung, die das Boot nur so stampfen ließen. Überraschenderweise nahm die Sirius die langen Wellen sehr sanft ohne zu schlagen. Das konnte man von den kurzen Wellen nicht behaupten. Das letzte Stück an der Nordküste Bornholms war anstrengend. Auf Ostkurs schlugen uns die hohen Wellen, die genau querab einliefen, den Großbaum immer wieder auf die falsche Seite und die Segel knallten. Auf höherem Kurs richtung Nordost lief er sauber, aber wer will denn nach Polen? Wir halsten und liefen auf die Küste zu, um dann in einem weiten Nordost-Schlag um die Landzunge richtung Svaneke zu kommen. Es reichte nicht. Wir entschlossen uns, Gudhjem anzulaufen, um nicht noch zwei weitere Stunden auf dieser kabbeligen See zu schaukeln. Eine gute Entscheidung, denn ich liebe diesen Hafen bereits jetzt. Die Einfahrt durch die mehr als eng beieinander stehenden Klippen mit einer rauschenden Brandung brachte Gänsehaut und Adrenalin. Bei einem rollenden Boot und immer noch mächtigem Seegang war es nicht einfach, durch diese Jungfrau zu zielen, ohne den Kahn vorher mit Vaseline einzuschmieren. Mit Ordentlichem Schub rauschen wir in den Hafen, so daß Heinz und Georg, die vorn am Bug standen, die Ohren schlackerten. Mit viel hin und her, lauten Kommandos und Nervenflattern machten wir dann endlich an der 100 Jahre alt aussehenden Kaimauer fest. Ich nutzte das letzte Abendrot für gut 20 Fotos und begab mich zum Manöverschluck.

Als ich mit dem alten Mann von unserem Spaziergang zurück zum Boot kam, stand ein dampfender Teller mit Nudeln und Gulasch auf dem Tisch. Wir hatten uns nach dem frickeligen Anlegemanöver so verquatscht, daß wir das Essen vergaßen und so stellte sich Papa um 21 Uhr nochmal an den Herd. Ein schöner und aufregender Tag, der sicher eine unruhige Nacht und Muskelkater nach sich zieht, aber es hat sich gelohnt. Der Hafen ist malerisch, das Wetter mild und ich werde jetzt gleich nocheinmal duschen gehen, noch ein paar Minuten auf der Stein-Pier sitzen und dann schlafen gehen.

Nachtrag: Die Duschen kosteten 5 Kronen, die ich nicht hatte und als ich um 2 Uhr nach dem Bugkorb sah, fand ich eine interessante Fender-Konstruktion vor, die Papa und Georg bereits installiert haben mußten, nachdem der Anker schon an der Pier schrammte. Am Morgen erfuhr ich, daß sie alle Nase lang an Deck tappsten, da der Wasserstand im Becken um gut 20 cm gesunken war und sich die Fender unter dem Stoßbalken der Pier verhakten.



Kurz nach Sonnenuntergang

6. Seetag, Donnerstag, 09.09.2004

23:04h, 54°30.804'N / 13°38.750'E (Sassnitz)

Im Schein des Decks-Scheinwerfers betrachtete ich die Schäden der letzten Nacht: Der Bugkorb ist völlig verbogen. Die Backbord-Hälfte ist leicht geknickt, nach oben gebogen und nach hinten verzogen. Die Steuerbordseite ist nach backbord verzogen. Huiuiui. Ich suchte mit Heinz erstmal die Toiletten. Erst nach rechts zum Hafenkontor. Alles dunkel. Wir schlenderten den ganzen Weg nach links zu den Restaurants. Wir fanden eine sogenannte Pachttoilette. Verschlossen. Der Zettel sagte: »Die Benutzung der Toilette kostet 50 Cent pro Person, Waschen 1 EUR und Duschen 2 EUR.« Darunter stand: »Dies ist eine Pachttoilette, die Benutzung ist nicht in der Liegegebühr enthalten. Hafenlieger können die Toilette am Hafenkontor benutzen.« Wir liefen also wieder den ganzen weg zurück zum Kontor. Diesmal schon schnelleren Schrittes. Um die Ecke vom Hafenbüro endlich eine Tür mit Zahlenschloß. Nein, wir standen nicht vor verschlossenen Türen, denn wir kannten den Code.

Der heutige Ritt von 75 Seemeilen war die reinste Schande. Wir mußten den ganzen Weg mit dem Diesel zurücklegen. Kein Lüftchen hat geweht. Die verzweifelten Versuche, Rasmus auszutricksen und etwas Wind einzufangen schlugen jämmerlich fehl. Spitzengeschwindigkeiten von 2 Knoten waren rar. So liefen wir den ganzen Weg um Bornholm und runter bis nach Sassnitz unter Maschine und ärgerten uns über die spiegelglatte See. Erwartete Einlaufzeit in Sassnitz war 23 Uhr. Wir aßen alle zusammen Kohlrouladen mit Kartoffeln. Ein herrlicher Sonnenuntergang versüßte uns die lange Strecke nach Rügen. Die Sonne sank in einem atemberaubenden Rot auf den Horizont, berührte scheinbar das Wasser, verformte sich in die Breite und versank. Noch lange Zeit später glühte der Himmel tiefrot. Ich schoß den letzten Film leer und hing mich noch eine gute Stunde in den Bugkorb. Als dann das letzte Sonnenlicht verschwunden war, analysierten wir die vielen fernen Lichter an der rügener Küste, suchten die für uns wichtigen Navigationslichter heraus und schafften eine nahezu perfekte Ansteuerung auf Sassnitz, liefen um den Molenkopf in den Hafen und machten in einem Bilderbuchmanöver noch vor 22 Uhr in der Box fest. Ja, wir haben eine gute Stunde Zeit gewonnen, als wir herausfanden, daß eine höhere Drehzahl das klirrende Getriebe zum schweigen bringt. Papa und Georg sind hundemüde, nachdem sie die ganze letzte Nacht damit zubrachten, in Gudhjem den Bugkorb und die Zweifarbenlaterne zu verbiegen, während sie immer neue Fenderkonstruktionen vor den Buganker installierten.

Morgen geht es zurück nach Lauterbach. Wir haben inzwischen alles Brot verbraucht und müssen morgen unbedingt Brötchen holen. Der Käse ist auch alle, genauso die Salami und die Jagdwurst. Marmelade reicht noch für ein halbes Brötchen, deshalb gibt es morgen Rührei mit Schinken und Tomaten. Hab jetzt schon appetit. Jetzt noch eine Runde durch den Hafen (hab heute den ganzen Tag schlafend zugebracht) und dann in den Schlafsack gekrochen. Ende im Gelände!



Segeln pur

7. Seetag, Freitag, 10.09.2004

23:24h, Lauterbach

Wieder im Heimathafen. Festgemacht um 17.20 Uhr. Heute morgen um 9.50 Uhr in Sassnitz ausgelaufen und einen herrlichen Rundschlag zurück nach Lauterbach gemacht. Bei 3 bis 4 Windstärken konnten wir mit zwischen 2 bis 6 Knoten Fahrt von der Hafenausfahrt Sassnitz bis direkt vor die Hafeneinfahrt Lauterbach segeln. Nahezu perfekt, wenn auch nicht mit so viel Wind, wie vorgestern. Zum Abendbrot gab es die Krönung aller Bord-Abendbrote: Bratwurst mit Erbsen, Zwiebeln unhd Kartoffelpamps. Leider war letzterer Pamps sowas von hoffnungslos versalzen, daß selbst der unerschütterliche Heinz nicht um kritik umhin kam. Bis eben saßen wir noch im Salon und begossen diese herrliche Segelwoche. Wir hatten jeden, aber auch wirklich jeden Tag klaren Himmel und Sonnenschein im Überfluß. Wir hatten keine einzige Wolke und es fiel kein einziger Tropfen Regen. Nur der gestrige Tag ohne den leisesten Windhauch war eine kleine Strafe, aber wir haben das Geheimnis bereits gelüftet: Weder Rasmus noch Neptun haben auch nur einen einzigen Tropfen Opferalkohol bekommen. Und ich hab noch immer wieder gepredigt, doch einen Schluck ins Meer und den Wind zu opfern. Zwecklos. Der Alkoholgeiz der weerten Herren mußte ja zu so einem Flautentag führen. Aufgegessen haben wir immer, daher die viele Sonne, aber das ist nur eine der drei Regeln für gutes Wetter. Die anderen wurden sträflichst mißachtet! Jedenfalls mußte ich mein Regenzeug nicht benutzen, so blieb es unberührt im Seesack. Inzwischen schnarcht Papa neben mir auf der Steuerbord-Back, Heinz schläft in der Backbord-Hundekoje und Georg sucht gerade die Duschen auf. Morgen müssen wir nur noch Kraftstoff und Trinkwasser bunkern, das Schiff putzen und es dann bis 10 Uhr an den Vercharterer übergeben. Eines wäre aber noch zu erwähnen, bevor ich dieses Bordtagebuch des Segeltörns 2004 endgültig schließe und selbst in die Koje krieche: Papa hat seit Bestehen dieser alljährlichen Tradition immer davon geträumt, wenigstens einmal die magische Gesamtdistanz von 300 Seemeilen zu schaffen. Fast schade, daß er auch dieses mal knapp vorbeigeschrammt ist, denn das offizielle Bord-Logbuch schließt mit einer Gesamtstrecke von genau 299,9 Seemeilen. Ich glaube, die »Komma-Neun« sind das schmerzhafteste an dieser Zahl!

Jan • 14.9.2004, 22:00 Uhr • Abbildungen: 126

Segeln · Woanders

Segeln 2003

Freitag, 05.09.2003, 15.30h, Rostock (Kröpeliner-Tor-Vorstadt)

Nach einer ebenso schlaflosen Nacht, wie der vorangegangenen, bin ich heute morgen um 8 Uhr aufgestanden. Inzwischen bin ich in Rostock, um den Geburtstag meines besten Freundes zu feiern. Morgen breche ich nach Heiligenhafen auf und gehe an Bord der »Dito«, einer Bavaria 37. Für eine Woche Segeln, eine Woche ausspannen, eine Woche Kopf frei.



In Bagenkop

1. Seetag, Sonnabend, 06.09.2003

12.36h, Ansteuerung Heiligenhafen

Wir sind auf See. Zumindest so gut wie. Um 12 Uhr abgelegt, mit Maschine gegen den Wind ausgelaufen. Dann Segel gesetzt. Wir laufen um die 6 Knoten mit Wind aus Ost. Die Sonne wärmt zwar ganz gut, aber der Wind ist sehr frisch. Nun liegt eine hoffentlich aufregende und spaßige Woche vor uns. An Bord der »Dito« sind mein Vater, mein Bruder Falk, Georg und Heinz. Die Schapps und Backskisten sind gefüllt, die Segel gebläht und das Kielwasser schäumt. Wir laufen auf 340° Richtung Dänemark. Das bordeigene GPS funktioniert nicht. Wir warten darauf, daß sich das mobile Hand-GPS-Gerät an den nächsten Satelliten hängt: Auf dem Display steht nur »Searching«.

17.54h, 54°40.73N 010°41.36E (Bagenkop)

Fest gemacht um 17.45 Uhr und Manöverschluck um 17.52 Uhr. Kein Landanschluß, da alle Dosen belegt. Macht nichts, denn die Batterien sind voll, die Handy-Akkus halten auch noch ein paar Tage und der Laptop sowieso. Also heute Nacht ohne Strom. Wasser gibt's, aber ohne Schlauch. Der einsame Wasserhahn ist ohnehin zu weit weg, selbst ein geborgter Schlauch vom Nachbarboot wäre noch zu kurz. Das Wetter hat sich gehalten: Viel Sonne, mein Gesicht zieht etwas. Später mehr bewölkt, die Sonne schimmerte nur noch durch die Wolkendecke. Viel Wind, fast durchgehend 6 Knoten Fahrt. Spitzengeschwindigkeit 7,2 Knoten. Hand-GPS hat nach einigen Stunden endlich eine Position ausgespuckt.



Vorbereitung zum Auslaufen

2. Seetag, Sonntag, 07.09.2003

08.07h, Bagenkop

Um ca. 7.00 Uhr vom Regen geweckt. Besser gesagt, von meinem Bruder, der mir sagt, daß es regnet. Luken zu, umgedreht und weitergeschlafen. 9 Uhr sagt Falk. Er hat es auf dem Nachbarboot gehört. Ich quälte mich hoch und stand im Nieselregen an Deck, der Himmel grau und schwer, es wehte kein Lüftchen. Und es war erst 7.30 Uhr, falsch gelauscht Bruderherz! Die Duschen waren voll. Vier Duschen für einen ganzen Yachthafen. Natürlich mit Schlange. Ein Glück, daß ebensowenig Toiletten vorhanden sind. Ich schlenderte rüber zu den Klos vom Fährhafen. Zähneputzen auf dem Fähr-Pier, immerhin ein besserer Geschmack im Mund. Der Nieselregen hatte inzwischen aufgehört. Ich schaute nochmal zu den Duschen. Ich weiß, daß es nicht lohnt, sich anzustellen, denn Duschmarken gibts nur am Automaten und der wechselt nur Dänische Kronen. Papa stellte sich an. Ich ging also zurück zum Boot. Georg war schon da, er hat sich auch angestellt. Ohne Duschmarke geht nichtmal kalt duschen. Mir reicht heute die Dusche aus der Dose: Links gesprücht, rechts gesprüht. Morgen wird richtig geduscht.

Frühstück ist okay, Mischbrot mit Käse, Salami und Wurst. Schmeckt gut mit genügend Senf und Ketchup. Kaffee türkisch, schwarz, Himmel dänisch, grau, kein Wind. Papa sitzt über dem Logbuch. Georg wäscht ab. Das bedeutet, wir laufen bald aus.

11.03h, 54°47.93N 010°37.17E

Wieder auf See. Schlechte Sicht, grauer Himmel, Nieselregen, Windstille. Ausgelaufen um 10.05 Uhr, ab 10.15 Uhr Kurs 320° unter Maschine bei 4 Knoten Fahrt. Falk hängt die Angel ins Kielwasser, Fahrt auf max. 2 Knoten verlangsamt. 11.06 Uhr kommt leichter SW-Wind auf. Maschine verblubbert, Genua ausgerollt, Groß bleibt unten. Mich fröstelt etwas und ich ziehe mir noch einen Pulli drunter. Der Akku vom Notebook geht jetzt Richtung 50%, mein Handy ebenfalls. Leider habe ich hier sowieso kein Netz. Die beiden einzigen dänischen Netze, die ich hier empfangen kann, verweigern mir den Zugang. Also Handy aus. Und Lappi wird jetzt auch ausgemacht. Und nun zurück an Deck in den Nieselregen, Falk beim Angeln beobachten und vielleicht noch etwas zum Knabbern mitnehmen.


Sitzen im Regen

11.55h, 54°49.62N 010°34.32E

Heinz macht Kaffee, Falk hängt seine Angel in den Regen, Georg steht am Ruder, eingemummelt in die Persenning vom Steuerrad, Papa putzt seine Brille. Unermüdlich zieht uns das Vorsegel mit fast 1,5 Knoten über die verregnete See. Wäre kein Nebel, sähen wir jetzt das Land, vor dem wir ziemlich nah stehen müßten. Langsam bekommt die Mannschaft Hunger. Alle warten auf frischen Fisch. Falk steht unter Druck, Papa droht schon mit Schnitzeln und Heinz versucht, irgendjemanden zum Kartoffelschälen zu überreden. Meine Hosen sind auch langsam wieder trocken, also werde ich mich wieder an Deck begeben und den Laptop-Akku noch ein wenig schonen.

15.26h

Die Sonne scheint gelegentlich. Um 13.15 Uhr Segel gesetzt, Genua und Groß. Man konnte sich auspellen und kurzärmelig an Deck rumlungern. Falk schwenkte mal wieder die Angel, aber bei 4 Meter Wassertiefe holte er nur Algen und Gestrüpp samt Wurzeln aus dem Grund. Bei 0,7 Knoten dann wieder Segel runter, Motor an. Papa machte Trockenpasta aus der Tüte, ich schmierte mir zur Sicherheit ein Wurst- und ein Käse-Brot und kostete die Pasta. Kann man essen... zur Not! Passierten dann die Brücke bei Rudköbing. Ich steuerte die »Dito« den Tonnenstrich entlang. Nicht sehr aufregend, der Kahn fährt von allein. Ab 15 Uhr dann Kurs auf den Svendborg Sund. Ist alles enges betonntes Fahrwasser, also keine Segel, keine Angel, kein Fisch heute abend.

Die Sonne strahlt immer noch auf uns herab, allerdings in einem etwas flacheren Winkel. Papa löste mich am Ruder ab und ich genehmige mir einen Keks, ein Stück Schokolade, einen Schluck Cola, helfe Falk beim Abwaschen und krame meinen Laptop heraus. Aus der Plicht kommen amüsierte Blicke, vermutlich, weil ich schon wieder kaue?


Regen ohne Ende

19.20h, Svendborg

16.15 Uhr eingelaufen. Abstecher in den Ort. Ist nicht wirklich viel los. Ich habe sieben italienische Restaurants gezählt, eine Fastfood-Bude, ein Junkfood-Restaurant und zwei normale Restaurants. Die Dänen scheinen auf Pizza zu stehen.

Heute abend ist mir nicht gut. Ich bin deprimiert und habe Bauchschmerzen und dann gibts auch noch Abendbrot. Ich gehe diesmal abends duschen, denn es gibt hier genau eine ganze einzelne Dusche für den gesamten Yachthafen. Ich werde dann auch im Salon schlafen. Die Steuerbord-Achterkabine ist für meinen Bruder und mich dann doch eine Spur zu eng. Außerdem schnarcht Falk - sogar wenn er auf der Seite schläft.

Heinz und Papa haben heute Schnitzel mit Kartoffeln und Möhren-Erbsen-Gemüse gemacht. Hat richtig gut geschmeckt. Allerdings sind Trocken-Pasta und Erbsensuppe (die vorhergehenden warmen Mahlzeiten) keine echte Konkurrenz.

Morgen müssen wir erstmal neue Batterien für das Hand-GPS-Gerät besorgen, das sagt nämlich keinen Piep mehr. Überhaupt haben sich die Vercharterer nicht wirklich viel Mühe gegeben. GPS kaputt, Wassertank halbvoll, Mülleimer dafür randvoll. Eine Grundreinigung fand offenbar nicht statt, wegen is nich. Genau so haben wir das Boot Übernommen.

Jetzt wird grad Warmwasser bereitet - im Kessel. Zum abwaschen.



Papa, Georg, Heinz, Falk (v.l.n.r.)

3. Seetag, Montag, 08.09.2003

09.21h, Svendborg

07.56 Uhr geweckt - durch Heinzens Handy. Falk versprach, bis 9 Uhr zu schlafen, dementsprechend erfreut war er über den Anruf. Durch die nächtliche Duschaktion gestern konnten wir uns nocheinmal umdrehen, während Papa, Georg und Heinz zu der einzigen Dusche schlenderten. Dann Abklatschen: Falk und ich zum Zähneputzen, die anderen Frühstück gemacht. Falk noch gleich 11 Schrippen für 7 Euro gekauft und dann alle gefrühstückt. Ungefähr alle 5 min klingelt Heinzens Handy immer wieder und wieder. Tja es ist Montag.

11.44h, 55°01.29N 010°26.11E

GPS geht wieder. Um 10.10h aus Svendborg ausgelaufen, noch in der Hafenausfahrt Groß und Genua gesetzt. Wetter ist gut, klare Sicht, stark bewölkt, die Sonne lukt gelegentlich durch die Wolken. Wind aus Südost mit Stärke 3 (5 war angesagt). Passierten 10.35h unter Schmetterlingsbesegelung die Brücke bei St.-Jörgen. Ich nahm mein zweites Frühstück in Form von zwei Keksen, einer Banane, einem Apfel und einer Birne zu mir. Wir trödeln weiter über den Svendborg-Sund und wollen nördlich an Skarö vorbei. Machen um die 4 Knoten Fahrt, bisherige Tagesspitze 5,3 Knoten. Inzwischen habe ich auch mein drittes Frühstück in Form eines Brötchens mit Salami, Käse, Senf und Ketchup zu mir genommen - selbstverständlich unter dem Spott der Mitsegler.


Manöverschluck

19.31h, Assens

17.00 Uhr in Assens eingelaufen, dann obligatorischer Manöverschluck. Organisation zweier Duschmarken durch mich, Verwendung Marke #1 Falk und ich, der Rest darf sich um Marke #2 prügeln. Während Heinz Zwiebeln und Falk die Würstchen samt Packung schneidet, macht Papa sein Logbuch und Kartenkritzeleien. Die Fahrt zum Hafen war eine Kreuz vor dem Herrn. Da der Wind natürlich exakt aus der Richtung kam, in die wir wollten, mußten wir in mehreren Schlägen hoch am Wind bei herrlicher Schräglage und ca. 5 Knoten gegenankämpfen. Ein Schweinswal zog schnaufend an unserem Heck vorbei.

Zum Abendessen gibt es heute Spagetti mit Miracoli-Wurstgulasch. Landanschluß gelegt, Kühlschrank wieder eingeschaltet. Georg ist offensichtlich auf Erkundungstour. Und da ich heute nicht unbedingt in der großen Stimmung für Schreibereien bin, laufe ich jetzt Georg einholen.



Wasser von vorn

4. Seetag, Dienstag, 09.09.2003

09.20h, Assens

Die Sonne scheint. Eine dicke Wolkenfront jagt ihr hinterher. Der Wetterbericht meldet 3 Windstärken aus Süd. Aabenraa ist unser heutiges Ziel. Frisch geduscht und sattgefrühstückt sitzen jetzt alle am Tisch und streiten sich, wer abwäscht. Ich nicht, leckarsch und auslaufen! Ende Alliende.

13.00h, 55°08.09N 009°36.47E

Was für ein Segelwetter. So muß das sein. Um 10.05 Uhr unter Genua aus dem Hafen ausgelaufen mit etwa 3 Knoten. Groß gesetzt. Dann Wind! Bei ca. 6 Windstärken aus Süd, einer Welle bis zu zweie Meter und ständigen Salzwasserduschen in der Plicht steuerte ich mir unter Großsegel Blasen an die linke Hand. Absolut herrlich! Der Wind im Gesicht, Salzwasser im Mund und in den Schuhen, kalte, klamme Hände, eine ordentliche Schräglage und 6 Knoten Rauschefahrt. Zwischendurch lugt öfter die Sonne durch die Wolken und beleuchtet die vielen Schaumkämme auf den Brechnern, die unter uns durchgehen, manchmal auch ins Cockpit einsteigen. Ich hätte ewig so weitermachen können, aber Papa ließ mich durch Falk ablösen. Ich bin super gut drauf, so macht segeln Spaß.

18.32h, Aabenraa

16.40 Uhr eingelaufen, super Anlegemanöver. Kaum is der Kahn fest, laufe ich zum Klo. Denkste! Toiletten mit Code-Schloß, Hafenbüro verrammelt, lediglich ein paar Umschläge sind da, mit denen das Hafengeld per Briefschlitz bezahlt werden soll. Kein Code, keine Duschmarken, Menschenleere. Ich ging zurück zum Boot. Kaum unter Deck, prasselte der Regen los. Manöverschluck. Nach ewigen Diskussionen Landgang. Einmal durch die Fußgängerzone. Jedes Geschäft, an dem wir vorbeigehen wird gerade verschlossen, wie eine Welle schwappte mit uns der Ladenschluß durch die Strasse. Einmal im Kreis passierten wir etliche Pizzabuden, italienische Restaurants und Hotdogbuden. Nach weiteren Diskussionen aß schließlich jeder einen Hotdog, außer Georg, der zierte sich wieder. Ich bezahlte als einziger mit Kronen. Zurück am Yachthafen war das Hafenbüro besetzt. Ich kaufte von den restlichen 20 Kronen vier Duschmarken. Den Klo-Code haben wir jetzt auch und in meiner Tasche klimpern noch drei verträumte Kronen umher. Als ich vom Klo komme, sitzen Falk und Heinz mit nem Tuborg in der Plicht, Papa schneidet Zwiebeln, Georg leistet ihm Gesellschaft. Nun stehen beide am Herd und brutzeln Würste. Heute gibt es thüringer Rostbratwurst, Kartoffelpüree und Erbsen. Es riecht schonmal gut. Falk hat wieder keinen Fisch besorgt - nungut, heute war auch nicht gerade Angelwetter. Papa hat vorgeschlagen, es morgen bis nach Kappeln zu versuchen und dann in ein Fischrestaurant zu gehen. Georg ist überglücklich - er mag keinen Fisch. Ich begebe mich jetzt an Deck und leiste Falk und Heinz Gesellschaft.



Schwarzer Himmel

5. Seetag, Mittwoch, 10.09.2003

09.00h, Aabenraa

Des Nachts wachte ich auf. Es war noch dunkel, draussen prasselte der Regen aufs Deck. Als ich mich umdrehen will, merke ich, daß ich besser mal »wohin« gehen sollte. Ich schaue auf die Uhr - 05.23 Uhr, na toll. Ich pelle mich aus meinem Schlafsack und schleiche barfuß an Deck. Nun die Entscheidung: Pinkle ich über die Steuerbordreling, dann plätschert es neben Papas Ohr, die Backbordreling (wo ich drunter schlafe) ist zu weit weg und immerhin regnet es ja. Am Heck auf der Backbordseite schläft Georg, also nehme ich die Steuerbordseite, wo ich schlimmstenfalls nur Falk stören könnte. Inzwischen war ich naß. Ich tappse über das nasse Deck zurück zum Niedergang und krieche wieder in meinen Schlafsack. Immerhin war es noch dunkel.

Aufgestanden um 8 Uhr, Zähne geputzt, Schrippen geholt. Wollte ich gar nicht, aber was solls. Naja selbstverständlich nimmt die Tankstelle Euro, aber nur Scheine und Wechselgeld sind Kronen. Und da ich nur noch einen Fünfer und einen Zwanni in der Tasche hatte, die 10 Schrippen aber 7,50 Euro kosten, laufe ich nun mit 95,50 Kronen durch die Gegend. Und das beste ist, daß der nächste Zielhafen in Deutschland ist - toll gemacht, Jan.


Keine Wetterbesserung

14.41h, 55°02.56N 009°53.97E

9.30 Uhr ausgelaufen, blauer Himmel, wolkig, am Horizont eine sehr sehr dunkle Wolkenfront. Kumulus-Wolken reihen sich wie eine Perlenkette über die Kimm. Es weht kein Lüftchen. Ich freue mich auf das Erreichen der Sturmwolken. Heute habe ich Lust auf Regen. Schönen Regen. Und Wind. Nix is! Kein Wind, kein Regen. Es ist, als würde die Wolkenfront vor uns davonziehen. Mich fröstelt. Ich trockne meinen Marine-Pullover auf dem Vorschiff. Seit fast zwei Tagen, versuche ich den trocken zu kriegen. Ich ließ ihn eines Nachts beim Niedergang unter der Sprayhout liegen. Nach einem nächtlichen Regenguß war er auf der linken Seite komplett aufgeweicht. Das ging schnell, aber trocknen will er nicht. Egal wo ich ihn hinhänge, wo ich ihn ausbreite oder liegen lasse: er trocknet nicht. Verdammt. Doch. Jetzt auf dem Vorschiff in der prallen Sonne ist er doch tatsächlich nach nichtmal einer halben Stunde trocken. Nagut die Rückseite ist noch leicht feucht, aber wen interessierts? Ich habe nun zwei dicke Wollpullover an. Von der Seite wärmt die Sonne, von vorne fröstelt der Fahrtwind, immerhin machen wir noch 5 Knoten unter Maschine. Ich ziehe mich unter die Sprayhout zurück und lese Soloalbum.


Wolkenfront

Um 12.00 Uhr hinter der letzten Untiefentonne Segel gesetzt. Groß raus, Genua raus. 2 Knoten. Toll. Eine dunkle Wolkenfront zieht über uns hinweg. Kein Regen, kein Wind. Ich lese. Teilweise 0,0 Knoten, dann wieder 2,5 Knoten. Falk badet die Angel. Nichts. Kein Zucken, nichtmal Tang oder Dreck hängt dran. Naja bei 30 Meter Wassertiefe, was soll da auch dranhängen?

Später Schweinswal gesichtet. Zwei sogar! Schnaufend überholen sie uns. Synchronschwimmen, wie Delphine. Dann wenden sie, kommen auf uns zu und waren nicht mehr gesehen. Falk zupft an seiner Angel. Später wieder ein Schweinswal. Er kommt uns schnell entgegen, zieht schnaufend an uns vorbei und verschwindet wieder.

Immer noch kein Wind. 1 Knoten, wenn wir schnell sind. Heiße Diskussion: Motor zum nächsten Hafen, oder bis morgen früh hier rumdümpeln? Ist mir egal, ich schließe mich der Mehrheit an. Hauptsache es passiert etwas.

Es ist 15.03 Uhr und ich sitze immer noch im Salon und schreibe. Ich höre den Diesel klicken. Ratternd und gurgelnd springt er an. Aha, die Entscheidung ist wohl gefallen. Winschen ratschen, das heißt also Segel runter. Zumindest die Genua ist weggerollt, das kann ich durch das Seitenluk erkennen. Das Groß ist noch oben.

Ich werde jetzt lieber wieder an Deck gehen und erstmal weiterlesen. Soloalbum liest sich sehr gut. Gutes Buch, gut geschrieben und der Protagonist is genauso krank wie ich. Das is beruhigend.

23.10h, Maasholm

Eingelaufen um 20.15 Uhr. Ich am Ruder. Ein perfektes Anlegemanöver im überfüllten Hafen. Kein Wind gottseidank. Schneller Manöverschluck und Kneipensuche mit Heinz und Falk. Georg und Papa verbleiben an Bord. Die drei Restaurants am Ort abgeklappert, überall Fußball-EM Schottland gegen Deutschland. Rückkehr zum Boot, alles offen, niemand da. Wir schließen ab und gehen wieder los. Treffen Georg und Papa. Die haben die Toiletten und Duschen besichtigt. Wollen weiter zum Abendessen. Papa will sich noch umziehen. Keine Möglichkeit, ihn davon abzubringen. Wir gehen vor. Essen und Trinken für fünf Personen - 120 Euro. Ich gehe nach dem Essen und einem kleinen Bier voraus. Einmal durch den Yachthafen und auf den Deich - oder sowas ähnliches. Der Mond scheint voll und hell über das Wasser. Auch die Sterne funkeln auf den Wellen. Auf dem Weg zum Klo kommen mir die anderen entgegen. Wir gehen gemeinsam zurück zum Boot.

Inzwischen ist es 23.23 Uhr. Ein Absacker und Schlafen. Morgen gehts nach Laboe. Dort war ich schonmal. Da ist ein ziemlich nettes U-Boot-Denkmal und ein Typ-VII-Boot aufgebockt an Land - begehbar. Ich freue mich. Soloalbum habe ich heute fast durchgelesen. Das letzte kapitel ist nur drei Seiten lang. Ich vermute kein Happy-End. Gottseidank. Schlafen.


Ansteuerung Maasholm

02.13h, Maasholm

Nix schlafen. Papa schnarcht wie sonstewas. Ich werfe ihm das Geschirrtuch ins Gesicht, das gerade an der Spüle greifbar ist. Zwei Sekunden Ruhe. Im Schlaf zieht er es sich vom Gesicht - und schnarcht weiter. Ich drehe mich auf die Seite - er schnarcht. Ich werfe ihm meinen Pullover ins Gesicht - das gleiche Spiel nochmal. Und er schnarcht. Ich werfe ihm mein Handtuch rüber - schnarchen. Ich werfe seine Hose rüber. Er reißt sie sich wütend vom Gesicht und schnarcht weiter. Ich gehe an Deck und nehme mir die Flasche Cola mit, die neben der Spüle steht. Ich pinkle übers Heck ins Hafenbecken, trinke die Cola in einem Zug aus und krieche wieder in meinen Schlafsack. Schnarchen. Ich stehe wieder auf, schnappe mir Schuhe und Socken und gehe eine Runde in den Ort. Besser gesagt, einmal durch den Ort, bis ich wieder an einem Ufer stehe. Ich gehe wieder zurück bis zum Boot. Das Schnarchen hört man schon an Deck, also beschließe ich, den Laptop auszupacken und ein wenig zu schreiben. Inzwischen ist Papa von meinem Tippen aufgewacht, war an Deck, hat geplätschert und liegt wieder - nicht-schnarchend - in seinem Schlafsack. Mein Akku ist runter auf 31% und ich werde es jetzt auch nochmal mit Schlafen versuchen.



Marine-Ehrenmal Laboe

6. Seetag, Donnerstag, 11.09.2003

08.40h, Maasholm

Wir sitzen am Frühstückstisch. Es gab heute Rührei, Falk hat sich bereit erklärt, abzuwaschen. Es wird jeden Morgen früher. Nach meiner nächtlichen Schlaf-Suchaktion bin ich heute besonders müde. Ich wachte auf von Gerumpel und Lärm im Salon. Heinz, Georg und Papa gingen gerade zum Duschen, als ich mich umdrehe. Irgendwann klopfte mir Falk auf die Schulter und fragte, ob ich mitkomme zum duschen. Ich grunzte über die Schulter - er verstand es. Irgendwann kamen alle wieder lautstark an Bord gepoltert und lärmten wieder im Salon. Ich blinzlte auf die Uhr: 08.03 Uhr, nicht zu fassen! Inzwischen wurde der Tisch gedeckt, das Wasser kochte auf dem Herd und ich pellte mich aus dem Schlafsack. Ganz schnell in die Latschen und runter vom Schiff. Als ich vom Waschen wiederkomme, warten bereits alle auf mich. Aber sehr viel munterer war ich weißgott nicht. Wehe es spricht mich einer an! Wenn die sich hier einigermaßen beruhigt haben, wollte ich meine Klamotten zusammenklauben, die man hier überall versteckt hat, während meiner Abwesenheit.

Soloalbum habe ich gestern abend noch fertiggelesen. Er hat sie nicht bekommen. Ein Glück. Dieses Buch kann ich nur jedem verlassenen empfehlen. Anders als High Fidelity, denn dort bekommt er seine Laura zurück. Eigentlich ja schön, aber im Grunde ärgerlich. Man gönnt es ihm nicht. Warum er, aber man selbst nicht? Nein nein, Soloalbum kommt mir im Augenblick realistischer vor. Ein tolles Buch.


Yachthafen Laboe

19.01h, Laboe

Eingelaufen um 15.45 Uhr. Auf dem Weg nach Laboe kam uns eine sehr lange Yacht entgegen mit enormer Schräglage hoch am Wind. Wir merkten, daß sie absichtlich so hoch segelten und zählten 10 Mann an Deck. Ich las auf der Seitenwand die Schrift »Gothaer«. Wo habe ich das schonmal gelesen? Genau! DCNAC. Die schnittige weiße Yacht rauschte mit schäumender Bugwelle steuerbords an uns vorbei und streckte uns ihr flaches, breites Heck entgegen. Mir fiel dann auch der Name wieder ein: »UCA«. In dem Augenblick liest Papa den Schiffsnamen laut vor, der am Heck angebracht ist. Diese Yacht hat am Daimler-Chrysler North Atlantic Challenge 2003 für Deutschland teilgenommen und einen dritten Platz hereingefahren und war sogar das schnellste Schiff auf dieser Regatta. Ihr Heimathafen ist Kiel. Vermutlich machen sie jetzt mit der UCA Rundfahrten, um die Entwicklungskosten wieder reinzuholen. Ein schönes Schiff. Aber ich muß rudergehen und kann ihr nicht lange hinterherschauen.

Nach dem Festmachen und Manöverschluck gingen wir auf der Stelle zum U-Boot-Museum (ich war schonmal in den Neunzigern dort). Es war offen. Es handelt sich hier um ein deutsches Uboot vom Typ VII-c/42, U 995, 1943 in Hamburg indienstgestellt, 1945 in Trondheim and die Alliierten übergeben und 1952 als S 309 der königlichen norwegischen Marine wieder indienstgestellt. 1965 entschied die norwegische Regierung, das Boot als Zeichen der Aussöhnung an Deutschland zu übergeben, wo es in den Ursprungszustand zurückversetzt und 1972 als Museum am Strand von Laboe nahe des Deutschen Marine-Ehrenmals aufgestellt wurde. Einmal durch und dann von draussen fotografiert. Dann ewige Diskussionen über den deutschen U-Boot-Krieg. Ich könnte stundenlang darüber reden. Die anderen auch. Zurück am Boot erstmal eine Runde Bier.

Nun wird Essen gemacht: Knödel mit Gulasch. Bin zwar nicht hungrig, aber probieren werde ich auf jeden Fall. Bei Einlaufen habe ich bereits ein trockenes Brötchen gegessen und auf dem Weg zum U-Boot zwei Fischbrötchen mit Brathering. Aber Knödel klingt auch gut.



Besuch von der Marine

7. Seetag, Freitag, 12.09.2003

07.58h, Laboe

Eine durchschnarchte Nacht. Zuletzt mußte ich Papa um 5.11 Uhr wecken, damit er Ruhe gibt. Irgendwann polterte es wieder und als alle vom Duschen zurückkamen, bin ich zur Dusche geschluppt. Dann das letzte Frühstück an Bord. Nun nochmal einen Schlag von ca. 30 Seemeilen bis Heiligenhafen und dann nach Hause, nach Berlin, ins Fosca.

10.56h, 54°29.51N 010°26.02E

8.30 Uhr in Laboe ausgelaufen, 9 Uhr Groß und Genua gesetzt. Hatten eben Kontakt mit einem Schnellboot der Bundesmarine. Zunächst schien es unseren Kurs zu kreuzen, drehte dann aber immer weiter in unsere Richtung, kam dann auf uns zu, fuhr Backbord einen Halbkreis und kam an Steuerbord längsseits. Durch den Lautsprecher quäkte eine Stimme, wir sollen doch bitte ans Funkgerät gehen. Papa schaltete dann den Schnacker auf Kanal 16 ein und man hörte wie die gleiche Quäkstimme eine Motorsegelyacht »Dito« rief und bat, auf Kanal 10 zu wechseln. In der Eile wußte natürlich niemand, wie man an dem Ding den Kanal wechselt, also blieben wir auf 16. Uns wurde dann mitgeteilt, daß wir auf Kurs Nord gehen, und nach etwa einer Meile die Tonne H2 ansteuern sollen und dann dem H-Tonnenstrich zu folgen haben, da in dem Übungsgebiet, das wir gerade durchfuhren geschossen wird. Soso. Und das, wo wir doch sowieso schon Zeitdruck haben, denn um 17 Uhr muß die »Dito« spätestens übergeben sein.


Photos von Falk und Heinz

Jan • 16.9.2003, 22:00 Uhr • Abbildungen: 79

Segeln · Woanders

Segeln 2002


Nach zweijähriger Zwangspause war ich nun vom 14. bis 21. September 2002 wieder an Bord einer Segelyacht. Mit dabei waren mein Vater, Heinz-Wolfgang und Georg (Foto v.l.n.r.).

Startpunkt war Greifswald-Wiek. Dann ging es in nordwestlicher Richtung über den Greifswalder Bodden in den kleinen Fischereihafen Gager an der Südküste Rügens. Am nächsten Tag sowie der folgenden Nacht segelten wir quer über die Ostsee nach Rönne auf der Insel Bornholm. Dann zurück nach Saßnitz auf Rügen und zurück in den Bodden nach Krößlin, um einen Abstecher nach Peenemünde zu machen. Schließlich ging es dann zurück nach Greifswald.

Jan • 22.9.2002, 22:00 Uhr • Abbildungen: 98

Segeln · Woanders

Dänemarktörn 1993


Nur zwei Jahre nach unserer ersten Berührung mit dem Segelsport durch eine befreundete Familie waren wir schon allein unterwegs. Mein Vater hatte selbst einen Sportbootführerschein gemacht und ging nun mit uns allein segeln. Diesmal in Dänemark. Während ich zwei Jahre zuvor fast ausschließlich Gast an Bord war, wurde ich nun als helfende Hand benötigt. Damals hat mich das Segeln selbst nicht interessiert; ich genoß einfach den Urlaub auf einem Boot bei schönstem Wetter. Diesmal schaute ich zu, beobachtete, packte mit an, lernte. Ich betrachte daher diesen Törn als den eigentlich Beginn meiner Segelleidenschaft. Meinen eigenen Sportbootführerschein See erwarb ich 5 Jahre später.

Die Fotos sind von meinen Eltern und mir.

Jan • 2.9.2001, 22:00 Uhr • Abbildungen: 23

Segeln · Woanders

Schwedentörn 1991


Mit 12 Jahren mein erstes mal auf einem Segelboot. Auch für meinen Vater war es das erste Mal. Ein enger Freund meines Vaters aus seinen Seefahrts-Zeiten ist erfahrener Regatta-Segler und da beide Familien schon immer eng befreundet waren, verschlug es uns zu sechst auf eine 11 Meter lange »Cenit 33« Segelyacht, um zwei Wochen lang durch die schwedischen Schären zu segeln. Diese Wochen lösten sowohl bei meinem Vater als auch bei mir eine Segel-Leidenschaft aus, die bis heute anhält. Schon im folgenden Jahr erwarb er den eigenen Sportbootführerschein, um bereits 1993 selbst mit uns zu segeln. Ich machte meinen Sportbootführerschein See 1998 im Alter von 19 Jahren.

Ich hab damals noch kein Bordtagebuch geführt. Die Fotos sind teils von mir, teils von meinen Eltern und teils von unseren Freunden.

Jan • 1.9.2001, 22:00 Uhr • Abbildungen: 21