Kulturelles
Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele
Ich mag Tee. Wirklich! Aber ich trinke lieber Kaffee! Und das nicht nur, weil ich diesen Text als Leitfaden des Lebens betrachte, immerhin rauche ich ja auch nicht, aber Kaffee macht nunmal wacher und schmeckt besser. Und er ist nicht durchsichtig (oft).
Nun scheint es ja auch dunklen Tee zu geben, zumindest wenn man danach geht, was auf dem Deckel des zweiten Dirk-Gently-Romans von Douglas Adams steht (siehe Überschrift). Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welcher Tee das sein soll, denn so weit bin ich offenbar noch nicht. Das Buch liegt auf meinem kleinen hölzernen Beistelltisch neben dem Sessel und der Mensch mit dem Hammer (Foto) schaut mich vorwurfsvoll an.
Auf Seite 94 (von 283) steckt eine weiße Postkarte mit einem Foto von Marvin und der Aufschrift »Keine Panik« in großen, freundlichen Buchstaben. Worum geht es in diesem Buch? Um einen Kühlschrank, einen Abfertigungsschalter, einen Cola-Automaten und einen großen Mann mit einem Hammer. Und natürlich Dirk Gently und seine holistische Detektei. Eines meiner bis hier hin liebsten Zitate beschreibt eine Szene aus einer Folge Bugs Bunny, die gerade im Fernsehen läuft: Bugs kämpfte mit den Hebeln eines Flugzeuges, das abstürzte. Plötzlich sah er einen Knopf, an dem »Autopilot« stand, und drückte drauf. Eine Tür öffnete sich und ein Roboterpilot kam heraus, warf einen Blick auf die Situation und sprang mit dem Fallschirm ab.
Das Buch ist wie alles von Adams: Man muß ständig Pausen machen, um laut zu lachen, wenn nicht über die groteske Handlung, dann über seine Art zu schreiben. »Per Anhalter durch die Galaxis« und seine vier Nachfolgeromane kennt ja jeder, doch gibt es neben vielen weiteren guten Büchern von ihm auch die Dirk-Gently-Reihe mit »Der elektrische Mönch«, »Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele« sowie dem unvollendeten dritten Teil »Lachs im Zweifel«. Unbedingt lesen!
Das Flugzeug sauste weiter auf die Erde zu, aber glücklicherweise ging ihm, kurz bevor es den Boden erreichte, der Treibstoff aus, und so wurde das Kaninchen gerettet.
Jan • 29.11.2007, 6:18 Uhr
Woanders · Liebes Tagebuch
Meine England-Tagebücher: Tag 3

Der Burgteich in Guildford (30 cm tief)
Vom 12. bis 21. August 2007 waren Frank und ich auf Englandreise. Wir fuhren mit seinem '93 Mini Mayfair, Zelt, Campingkocher und ADAC-Atlas zu »Mini In The Park«, dem weltweit größten Minitreffen in England. Frank hatte den Wagen gerade zwei Jahre lang komplett restauriert. Ich habe den Verlauf der Reise handschriftlich in einem kleinen Notizbuch festgehalten.
Dienstag - 14.08.2007
Aufgestanden um 08.00 Uhr. Traditionelles Frühstück um 09.00 Uhr in einem ganz besonderen und sehr beliebten Frühstückslokal. Ham, eggs, tomatoes, sausages and butter toast. Schlechter als erwartet. In Worksop hatte ich damals ein ausgezeichnetes traditionelles englisches Frühstück, das hier war eher mäßig: Die Würstchen waren richtig ekelhaft und die Tomaten enthäutet und total streng. In Worksop hatte ich damals keine Würstchen und die Tomaten waren mit Haut geschmort und sehr viel leckerer.
Frank bricht zwecks Vorstellungssgespräch um 09.30 Uhr zu Micha in die Firma auf. Ich laufe durch Guildford, um Batterien für die Kamera zu finden. Der erste Laden hat keine mehr auf Lager, im zweiten Geschäft werde ich fündig und bekomme zwei Batterien für je 9 GBP. In Worten: Neun! Pro Batterie! Neun! Leider ist das der Kamera egal, denn auch mit den sauteuren neuen Batterien klickt und klackt sie nur arrogant herum - sie scheint tatsächlich kaputt zu sein.
Setze mich gegen 11.20 Uhr ins Starbuck's und genieße einen Iced Caramel Macchiato mit extra Espresso Shot. Die kaputte Kamera ärgert mich sehr. Ich werde nun keine Fotos mehr machen können.
Im »W.H. Smith« kaufe ich mir erstmal ein ordentliches Notizbuch und übertrage dann bei Micha im Zimmer meine Zettelchen, während es draußen regnet.
Um 13.30 Uhr treffe ich mich dann mit Frank und Micha vor dem »George Abbot« zum Mittagessen. Ich habe einen klassischen Cheeseburger, der in Ordnung war, aber nicht herausragend. Nachdem Frank Micha wieder ins Büro gefahren hat, machen wir einen Ausflug zu Starbuck's, einen Einkaufsbummel und besichtigen schließlich die Burgruine (Foto). Es regnet die ganze Zeit.
Am Abend treffen wir uns mit den anderen und hören uns im »Wates House« der Universität von Surrey in Guildford ein Jazz-Konzert an, das als praktische Übung für ein Seminar fungiert. Ich genieße ein Carlsberg Lager und nehme mir das schöne Carlsberg-Three-Lions-Pint-Glas mit.
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Jan • 26.11.2007, 1:28 Uhr
Kulturelles
Verdienen

Sauerampfer statt Hirsch
Neulich wurde ich zum Essen eingeladen. Es gab Hirsch. Mit Klößen und Blumenkohl. Als Vorspeise Mozarella und Parmesan und zum Nachtisch irgendwas mit Birnen und Preiselbeeren. Dazu einen leckeren trockenen Rotwein. Nur gab es dann doch keinen Blumenkohl und keinen Nachtisch, denn wir hatten viel zu viel Hirsch und zu wenig Gäste. Egal. Das Essen war ausgezeichnet!
Nach dem Essen dann einen Film angeschaut. Üblicherweise irgendetwas klassisches. Olsenbande, Louis de Funès, Zur See oder ähnliches. Wir haben diesmal »Karbid und Sauerampfer« gesehen, einen Schwarzweiß-DEFA-Film von 1963. Er war ziemlich gut eigentlich.
Irgendwann mitten im Film sitzt der Protagonist »Karbid-Kalle« bei der »mannstollen Witwe« im Wohnzimmer und betrachtet ein kleines Bild an der Wand. Es war eine dieser Schnitzereien oder Stickereien, die heute nur noch in Wohnzimmern betagterer Leute hängen, mit weisen Sprüchen oder klugen Gedichten drauf. Die Kamera ging näher an das Bild heran und Kalle las laut vor: Heiter werden alle Mienen, bei dem schönen Wort »verdienen«.
Damit dürfte mein eher mürrisches Gemüt hinreichend erklärt sein.
Jan • 22.11.2007, 6:49 Uhr
Woanders · Liebes Tagebuch
Meine England-Tagebücher: Tag 2

Auslaufend aus Dunkerque
Vom 12. bis 21. August 2007 waren Frank und ich auf Englandreise. Wir fuhren mit seinem '93 Mini Mayfair, Zelt, Campingkocher und ADAC-Atlas zu »Mini In The Park«, dem weltweit größten Minitreffen in England. Frank hatte den Wagen gerade zwei Jahre lang komplett restauriert. Ich habe den Verlauf der Reise handschriftlich in einem kleinen Notizbuch festgehalten.
Montag - 13.08.2007
Aufgestanden um 08.00 Uhr. Es regnet. Ziehen wieder die Klamotten vom Vortag an, da ein Umziehen bei dieser Nässe sinnlos wäre. Abbau des Zelts, verstauen, Rechnung zahlen. Weiterfahrt nach Belgien über die Autobahn. Irgendwo in Antwerpen verpassen wir die Ausfahrt. Ist nicht schlimm, denn wir sehen einen sehr langen Stau genau dort, wo wir eigentlich langfahren wollten. Entschließen uns, Frankreich über die Landstraßen anzusteuern.
Wetter ist den ganzen Tag sonnig, Frankreich ist noch so schön, wie beim letzten Mal, als wir hier waren. Erreichen Dunkerque und machen uns auf die Suche nach dem Fährhafen. Landen zunächst irgendwo im Industriehafen, wenden und kehren zurück zur Hauptstraße. Landen dann in irgendeinem gut gesicherten Technologiezentrum oder irgendeiner sonderbaren Firma an der Schranke. Blonde Wachfrau beschreibt uns auf französisch den Weg zum Fährhafen. Wir verstehen nichts und wenden. Die Blondine pfeift uns daraufhin an, sowohl verbal als auch mit ihrer komischen Trillerpfeife. Machen uns mit quietschenden Reifen aus dem Staub und sehen die Frau noch wild mit den Armen fuchtelnd im Rückspiegel pfeifen.
Gegen 14.45 Uhr finden wir endlich den Fährhafen, fahren zum Check-In und werden wieder aus dem Hafen rausgeschickt. Müssen bis 16.00 Uhr warten und dann nochmal einchecken.
Auslaufen um 18.00 Uhr, ruhige Überfahrt, spürbare Dünung, vereinzelte Schaumkronen. Überall schlafende Engländer oder Polen oder polnische Engländer. Das Thunfischsandwich ist furchtbar, aber dafür sauteuer.
Fest in Dover um 19.00 Uhr Ortszeit (1 Stunde zurück). Erreichen Guildford um 21.30 Uhr und treffen Micha vor dem Pub »The George Abbot«. Micha muß auch gleich wieder los und jemanden vom Flughafen Heathrow abholen. Frank und ich trinken unser Ale allein. Abbot Ale schmeckt mir nicht - zu sauer, zu bitter. Wir essen dann später auf Michas Empfehlung einen extrem leckeren "Lamb Doner" in einem Imbiß gegenüber.
Wir finden einen clubähnlichen Pub, der uns auch nach 23.00 Uhr noch reinläßt. Wir müssen am Eingang unsere Ausweise vorzeigen und werden dann vom Türsteher überraschenderweise auf Deutsch begrüßt und willkommen geheißen. Ich trinke diesmal ein Lagerbier: Foster's. Schmeckt eigentlich ganz gut. Recht dünn, aber besser als dieses unsägliche Ale. Die Engländer kennen offenbar kein Pilsener und bevorzugen stattdessen Ales ohne Kohlensäurezusatz (nur die natürliche) und ungekühlt. Gegen 00.15 Uhr geht die Musik aus und alle Lichter an. Wir werden aus dem Pub gefegt und gehen zu Michas WG-Zimmer, um zu schlafen, während Micha bei seiner Freundin schläft.
Micha lebt hier auf geschätzten 15 m2 in einer Vierer-WG und zahlt dafür sage und schreibe 440 Pfund Miete!
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Jan • 19.11.2007, 1:00 Uhr • Kommentare: 5
Kurioses · Berlin
Eis essen

Reingequetscht!
In der Wühlischstraße in Berlin gibt es eine Eisdiele mit dem treffenden Namen »EIS«. Zumindest steht das draußen auf dem Schild. Tatsächlich heißt diese Diele »Caramello Eis«, was jedoch nichts oder wenig damit zu tun hat, daß das Eis eines der besten in Berlin ist. Die Sorten echten Eises sind ebenso exotisch wie lecker und variieren fast täglich. An schönen Sommerabenden kann man gegenüber in einem winzigen kleinen Park auf einer Bank sitzen, seine Eise schlecken und dem Treiben zuschauen.
Das Treiben sind nicht nur vorbeilaufende Menschen, die überwiegend aus Touristen, Punks und so merkwürdigen Alternativen mit Sandalen und um den Bauch geschnürten, bemitleidenswerten kleinen Babies bestehen, sondern auch Autos mit entnervten Fahrern, die unermüdlich ihre Runden drehen, auf der Suche nach einem Parkplatz. Nun ist das tatsächlich ein immer schlimmer werdendes Problem. Je später der Nachmittag, desto angespannter wird die Parkplatzsituation. Fährt man auch noch einen langen Volvo Kombi, kann es manchmal wirklich schwierig werden.
Die Fahrerin des Volvos auf dem Foto fand diese zugegebenermaßen wirklich sehr große, eigentlich fast unglaubwürdig große, ja unverschämt große Parklücke, hielt daneben an, maß sie grob ab und startete den ersten Einparkversuch. Als das Heck auf dem Gehweg stand, fuhr sie wieder heraus und startete den zweiten Anlauf. Sie stand dann etwa anderthalb Meter vom Rinnstein entfernt und fuhr abermals heraus, um den dritten Anlauf zu starten. Auch dieser scheiterte und die arme Frau mit ihrem übergroßen Auto entschied sich, wegzufahren und eine größere Lücke zu suchen, vermutlich hatte sie eher soetwas wie zwei LKW-Parklücken hintereinander im Sinn.
Nach Minuten des Kreisens kam sie wieder und hielt abermals bei dieser Lücke an. Es ist eigentlich ein Wunder, daß sie immernoch frei war. In ihrer Verzweiflung und offensichtlichen Unfähigkeit parkte sie schließlich vorwärts ein und ließ den Wagen so stehen, wie auf dem Foto.
Sie ist dann ein Eis essen gegangen, neulich in Berlin.
Jan • 14.11.2007, 1:02 Uhr • Kommentare: 4
Woanders · Liebes Tagebuch
Meine England-Tagebücher: Tag 1

Unterwegs: Frank (und ich fotografierend)
Vom 12. bis 21. August 2007 waren Frank und ich auf Englandreise. Wir fuhren mit seinem '93 Mini Mayfair, Zelt, Campingkocher und ADAC-Atlas zu »Mini In The Park«, dem weltweit größten Minitreffen in England. Frank hatte den Wagen gerade zwei Jahre lang komplett restauriert. Ich habe den Verlauf der Reise handschriftlich in einem kleinen Notizbuch festgehalten.
Sonntag - 12.08.2007
Abfahrt Altglienicke um 10.30 Uhr, Nieselregen. Später sonnig und warm. Kaffee auf Burg Bentheim um 17.30 Uhr. Durchquerung der Niederlande erweist sich als schwierig, da offenbar die Karte falsch ist und die Autobahn-Nummern nicht stimmen.
Nahe Breda setzt mit Einbruch der Dunkelheit auch Regen ein. Wir finden einen sehr teuren 5-Sterne-Campingplatz (45 EUR/Nacht), bekommen aber eine Wegbeschreibung zu einem günstigeren (15 EUR/Nacht), finden ihn nach ewiger Sucherei. Der Campingplatz heißt »'t Haesche« und befindet sich irgendwo in Oosterhout bei Breda. Aufbau des Zeltes bei Regen. Gegen 22.00 Uhr ist sowohl der Aufbau des Zeltes als auch der Regen beendet. Genehmigen uns ein Bier in der Campingplatzkneipe, bekommen aber nur ein Bierchen, oder sagen wir besser, die Hälfte von einem kleinen Bierchen; kommen uns vor, wie in Köln. Nehmen gleich noch eins, dann ins Zelt und schlafen.
Wir sind völlig durchnäßt vom Aufbau und auch die Nacht über ist irgendwie alles feucht. Es regnet die ganze Nacht aufs Zelt, morgens endlich tiefer Schlaf.
Die anderen Tage: Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Tag 9, Tag 10 oder alle auf einen Blick
Jan • 12.11.2007, 1:06 Uhr
Segeln · Woanders
Segeln 2007

Wir gehen an Bord
Mit an Bord sind Gordon und Jaro, die schon 2005 zur Mannschaft gehörten. Daniel ist dieses Jahr nicht dabei, an seiner Stelle fährt Detlef mit. Außerdem an Bord ist mein Bruder Falk.
Die gesamte Route kann bei Google Maps eingesehen werden, die Fotos gibt es hier zu sehen.
1. Seetag, Sonnabend, 01.09.2007
Wir erreichen minutengenau um 09.00 Uhr den Yachthafen Heiligenhafen, rüsten das Boot aus und warten ewig auf die Übergabe durch das Personal. Erst um 12.30 Uhr laufen wir endlich aus, um noch ein paar Stunden im Fehmarnsund zu segeln und wieder nach Heiligenhafen zurückzukehren. Der Wind ist recht steif, so um die 5 Bft, in Böen 6, die See ist recht ruppig. Beim Reffen der Genua gegen 15.00 Uhr bricht die Trommel, auf der die Reffleine aufgewickelt ist. Jaro klettert angeleint zum Bug und kann das Segel per Hand bergen, ich fixiere es mit ein paar Bändseln am Vorstag. Zurück in Heiligenhafen finden wir gleich einen Verantwortlichen, der den Schaden behebt. Manöverschluck.

So sehen wir auch aus
2. Seetag, Sonntag, 02.09.2007
Auslaufen nach dem Frühstück um 10.40 Uhr und raus aus dem Fehmarnsund. Gleicher Wind wie gestern abend also unter Reff 2 im Groß nach Norden. Dann wird es dunkler und dunkler am Horizont, plötzlich ist es ringsherum schwarz. Die Luft wird ganz warm und schon geht das Getöse los. Es ist kein richtiger Sturm, aber der Wind hat mit 6 Bft, in Böen 7 eine ziemlich grobe See aufgewühlt mit gut 1,5 bis 2 Meter hohen Wellen. Beim Bergen ist plötzlich wieder die Genua fest und die Reffleine gespannt wie eine Violinensaite. Ich robbe mit dem eingepickten Lifebelt nach vorn zum Bug und untersuche die Trommel.
Zur Erklärung: Die Genua ist auf ein Aluminium-Profil aufgerollt, welches wie eine Achse drehbar gelagert vom Bug bis zum Topp verläuft. Am Fuß des Profils ist eine Trommel fest angebracht, auf welche die Genua-Reffleine aufgewickelt wird. Das Segel selbst hat an seinem Schothorn die sogenannte Genuaschot befestigt, eine Leine, mit der das Segel herausgezogen und unter Spannung gesetzt wird. Beim Setzen der Genua wird die Genuaschot geholt, bis sich das Segel vollständig (oder wenn gewünscht nur teilweise) vom Profil abgerollt hat. Dabei wickelt sich die Genua-Reffleine automatisch auf die Trommel auf. Will man das Segel wieder bergen, holt man an die aufgewickelte Reffleine und wickelt sie somit wieder ab. Dabei dreht sich die Trommel samt Aluminiumprofil und rollt somit das Genua-Segel wieder ein.

Kaum zu erkennen: ziemlich große Wellen
Während ich bäuchlinks auf der Back liege und mir das Dilemma betrachte, versucht mich das Boot abzuwerfen, wie ein bockiger Gaul. Es schüttelt sich in den brandenden Wellen, wirft mich nach backbord und gleich darauf mit einer scharfen Krängung nach steuerbord wo ich in der Reling des Bugkorbs hängen bleibe. Festgekrallt und mich wage auf dem Bauch haltend sehe ich, daß die Trommel vollkommen abgewickelt ist, obwohl noch ein lautstark schlagendes Vorsegel über meinem Kopf wütet. Kaum hab ich mich zurückgehangelt und bin wieder in der Plicht, ertönt ein Knall und die Trommel ist erneut in zwei Teile gesprungen.
Ich entscheide, nun auch das gereffte Großsegel zu bergen, hangle mich eingepickt vor zum Mast und kämpfe mit dem störrischen Segel, das sich nur mühsam herunterzerren läßt, während der Großbaum mich ständig von einer auf die andere Seite schleudert. Ich kann schließlich das Großsegel bergen und behelfsmäßig in den Lazyjack stopfen und hangele mich wieder zurück zur Plicht. Unter Maschine dann von Welle zu Welle auf allen Raumachsen rollend laufen wir weiter nach Norden, als sich ein geschätztes Mannschaftsmitglied nach luv und über meinen Rücken erbricht. Ich gehe ich mit meinem besudelten Ölzeug unter Deck, um es abzuspülen (was bei diesem Seegang mehr als spannend, aber dafür garnicht lustig ist), während oben mit Salzwasser das Deck gespült wird. Kaum bin ich wieder oben, hängt er schon wieder mit dem Kopf zwischen den Relingleinen und ich packe ihn kurzerhand an seinen Füßen, um ihn festzuhalten. Einen Augenblick später erbricht sich dann der nächste, doch diesmal nach lee. Auch wieder an den Füßen festhaltend beobachte ich, wie nun auch sein Frühstück seinen Weg ins Meer findet.

Bagenkop in Sicht, noch eine Stunde
Gegen etwa 17.15 Uhr erreichen wir Bagenkop an der Westküste Langelands (Dänemark). Vor uns rollen zwei weitere Yachten auf riesigen Wellen richtung Hafeneinfahrt. Es sieht beängstigend aus, wie sich die kleinen Boote mühsam über die großen Wellen quälen und mit schäumend überspültem Bug hinundhergeworfen werden. Ich gewinne einen Eindruck, wie wir von außen aussehen müssen.
Kurze Zeit später treiben die beiden anderen Boote zusammen mit uns im aufgewühlten Hafenbecken und suchen einen Liegeplatz. Obwohl unzählige Boxen frei sind, ist durch das Wetter kaum etwas zu erkennen; alles wirkt wie ein einziges Gewusel und der starke Westwind droht alles und jeden in den flacheren Teil des Hafens zu drücken, wenn man nicht hochkonzentriert die Geschwindigkeit hält. Nach einem Vollkreis im Becken (nur immer in Bewegung bleiben und nur nicht treiben lassen) entscheide ich, die Box anzulaufen, in der gerade eben die große blaue Yacht zwischen den Pollern steckengeblieben ist. Wir passen nämlich durch und laufen schließlich zügig und haarscharf in die Box ein. Achtern wird der Steuerbord-Poller verfehlt und wir müssen wieder zurücksetzen, während unter dem gespannten Mitfiebern der Mannschaft des Nachbarbootes Lassowürfe von Detlef versucht werden. Jenes andere Boot kam kurz vor uns rein und die Mannschaft hält uns mit vielen Händen halbwegs stabil in der Box (wir sind ja noch nicht fest). Als endlich der Poller eingefangen ist, jubeln sie erleichtert und helfen uns das Boot zu sichern. Manöverschluck.
Ein Anruf in Heiligenhafen verspricht uns einen Reparaturtrupp für den nächsten Tag, um die gebrochene Genua-Trommel zu tauschen. Zumindest hoffen wir, daß sie sie diesmal tauschen.
3. Seetag, Montag, 03.09.2007

Sturm peitscht Wellen in die Bucht
Ich werde von Getrampel an Oberdeck geweckt, halte es zunächst für Detlef, dann für Gordon, stecke schließlich meinen Kopf durch den Niedergang und sehe Ralf und Henning von »Privat Charter Ostsee« (PCO) am Genua-Rollreff werkeln. Als die anderen auch alle aufgestanden sind und Kaffee gekocht ist, sind sie auch schon fertig und wir setzen und bergen das Segel mehrere Male, um die Wicklungen auf der Trommel richtig zu bemessen.

Kulturtag: Besuch im Langelandfort
Ursache für das Versagen des Reffs ist meiner Ansicht nach eine defekte Trommel, bei der beim ersten Mal irgendwie das Lager festgegangen sein muß, was dazu führte, daß die Verbindung zum Alu-Profil gebrochen ist und dieses mit der Genua durchrutschte. Das Segel blieb also draußen, während die Trommel sich - wenn auch schwergängig - drehte. Beim ersten mal war die Trommel so fest, daß die Reffleine nichtmal ganz abgewickelt war, als sie die Trommel einfach zerdrückte und sich dann um den Fuß schlang. Beim zweiten Mal lief die Trommel zwar leichtgängig, aber die Kupplung brach abermals, woraufhin sich die Reffleine zwar komplett abrollte, das Segel aber wieder halb draußen blieb. Zu diesem Zeitpunkt wußten wir das nicht und als dann weiter dichtgeholt wurde, hat es dann natürlich die Trommel zerlegt. Wäre die defekte Trommel schon am ersten Tag in Heiligenhafen ordnungsgemäß getauscht worden, wäre das nicht passiert.
Aufgrund des anhaltend starken Windes und hohen Seegangs entscheide ich, den Montag im Hafen zu bleiben, trotzdem vom Nachbarboot zu verlauten ist, daß es wohl morgen noch schlimmer werden soll. Während die anderen dann scheinbar panisch auslaufen, bleibe ich bei meiner Entscheidung, was meine Mannschaft jedoch nicht sehr erfreut. Die Vorstellung, einen Kulturtag zu machen und sich ein Museums-Uboot auf der anderen Seite der Insel anzuschauen, versöhnt sie jedoch wieder, nur mein Bruder ist nicht so begeistert, kommt aber mit.

Jeden Abend: Karten und Schnaps
Das Boot vom Typ irgendwas ist in Deutschland gebaut und seinerzeit nach Norwegen verkauft worden. Seit ein paar Jahren außer Dienst gestellt, dient es nun als Museum. Als uns der Chef fast auf dem Gelände vergißt, bekommen wir alle ein gratis Eis und eine extra Führung über die Anlage, wo wir die Seegeschütze - die eigens von deutschen Schlachtschiffen des zweiten Weltkrieges geborgen wurden und die zur Sicherung des "Stöpsels der Ostsee" im kalten Krieg dienten - und die zugehörigen Bunker besichtigen. Es ist alles sehr interessant und der nette Mensch von der dänischen Marine erklärt alles ausgesprochen ausführlich, beantwortet alle unsere Fragen und scheint genauso viel Spaß zu haben, wie wir. Falk sonnt sich die ganze Zeit auf einer Bank, ihn interessieren die Anlagen offenbar nicht sonderlich.
Wenn morgen das Wetter mitspielt wollen wir nach Marstal weiter, ein Hafen an der Südküste Ærøs, der nur 2 bis 3 Motorstunden entfernt ist.

Detlef macht ein Foto aus dem Mast
4. Seetag, Dienstag, 04.09.2007
Das Wetter ist prima, der Wind hat abgeflaut, die Wellen sind kleiner geworden. Wir laufen um 10.30 Uhr aus und gehen bei halbem Wind mit Stärke 5 auf SW-Kurs, um etwas Strecke zu machen und nicht schon zum Mittag am Ziel zu sein.
Gegen 11.45 Uhr schwenken wir dann auf Generalkurs Nord und kreuzen gegen den Wind richtung Marstal. Die Jungs haben einen Heidenspaß dabei, das Boot immer höher an den Wind zu prügeln und wir verleben einen herrlichen Segeltag. Trotz Kreuz vor dem Herrn legen wir eine absolut perfekte Punktlandung auf die Ansteuerungstonne von Marstal hin, wir lassen die Segel fallen und sind um 16.30 Uhr fest.
Morgen geht es westwärts richtung Maasholm. Die Mannschaft hat sich dafür entschieden, daß wir noch einen Zwischenstop einlegen, bevor wir Laboe anlaufen, was bedeutet, daß wir am letzten Tag nochmal klotzen müssen, um das Boot pünktlich übergeben zu können.

Schönwettersegeln
5. Seetag, Mittwoch, 05.09.2007
Das Wetter ist hervorragend: Blauer Himmel, wenig Wind, kaum Seegang. Es ist fast ein wenig zu gut! Wir laufen aus um 10.45 Uhr und segeln hoch am schwächelnden NW-Wind bis nach halber Strecke nur noch Flaute und spiegelglatte See herrscht. Kaum zu glauben, daß die Ostsee auch so aussehen kann, wo wir doch vor zwei Tagen noch mehr Wind und Wellen hatten, als uns lieb war. Zudem da ja auch alle Wetterberichte eine Verschlechterung vorhergesagt hatten. Bei einer Unterhaltung mit einem anderen Skipper in Bagenkop erfuhrt ich aber schon gestern früh, daß das schlechte Wetter nach Südosten weiterzieht und es, je mehr wir nach Norden kämen, um so schöner würde. Man siehts. Wir motoren ein Weilchen unter Großsegel und rollen bei jedem noch so kleinen Windhauch die Genua aus. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, Wind einzufangen motoren wir bis Maasholm. Fest um 16.35 Uhr.

Jaro und Gordon, trinkend
Nach dem Kauf von Jägermeister (unser Wurzelpeter ist verbraucht) und ein paar Korn in Form von Leuchtturm-Flaschen als Souveniers folgt ein Besuch im Restaurant »Seglerbörse« auf ein paar Bier. Meine Mannschaft will unbedingt hier essen, aber in Anbetracht der Tatsache, daß wir unser Budget meilenweit überzogen und dadurch mehr Essen an Bord haben, als irgendjemand je vertilgen könnte, spreche ich ein Machtwort. Nach 4 klitzekleinen »Fischergeist« genannten Pfefferminz-Schnäpsen für jeden, bietet sich Jaro an, die Rechnung zu übernehmen. Als er die »100« auf dem Kassenbon liest entgleisen seine Gesichtszüge. Mit einem Fünfziger fuchtelnd sagt er nur »helft mir!«. Nach den ersten Schrecksekunden finden wir heraus, daß ein winzigkleines 0.2-l-Tontöpfchen Fischergeist satte 2,50 EUR kostet. Vier Runden mit je fünf Näpfchen kosten demnach 50 Euro. Die paar Bier, die wir noch hatten, machen nochmal etwa 50 Euro aus. Bei solchen Wucherpreisen, so sind wir uns alle sicher, müssen die Gläser ja wohl im Lieferumfang enthalten sein. Guten Gewissens stecken wir selbige ein und schreiten zügig zum Boot zurück.

Falk, kochend
Während Falk und ich (mehr er als ich) das Essen vorbereiten wollen, verschwindet der Rest nochmal zu den sanitären Einrichtungen. Nach einigem Warten und einem Telefonanruf finde ich die Jungs auf dem nahegelegenen Kinderspielplatz mit einer Seilbahn herumspielen. Eine Leuchtturm-Flasche ist bereits geleert. Wir gehen zurück zum Boot. Als die dampfenden Teller auf dem Tisch stehen, fehlt einer. Ohne Abmeldung verschwand ein Seemann noch während des Aufbackens. Nach dem Essen gehen Jaro und ich mit unseren Taschenlampen die Hafenbecken absuchen. Irgendwann geht endlich eine fürchterlich lallende Person ans Telefon und erklärt mir, sie wäre nur schnell - über eine Stunde - zur Sparkasse gegangen, welche übrigens in Sichtweite des Bootes ist, und behauptet, sich hinreichend abgemeldet zu haben. Der Rest des Abends besteht dann nur noch aus Babysitting, da dieser sturzbetrunkene Seemann nicht mehr allein gelassen werden kann.
Der Satz des Tages, mit dem ich einschlafe, kommt von Gordon: »Komm, geh in deine Koje und setz Dich einfach hin. Du mußt Dich ja nicht gleich hinlegen. Wir stellen Dir einen Eimer hin und wenn Dir danach ist, läßt Du Dich einfach nach hinten fallen.«
6. Seetag, Donnerstag, 06.09.2007

U 995 vom Marine-Ehrenmal aus gesehen
Ausgelaufen um 10.00 Uhr segeln wir platt vor dem Wind nach SSO. Ich versuche Schmetterlingsbesegelung, scheitere aber aufgrund des Fehlens eines Spi-Baumes. Unter Großsegel lassen wir uns nach Süden schieben, bekommen dann aber mehr westliche Winde und können raumschots mit Groß und Genua in die Kieler Bucht einlaufen. Am Schluß segeln wir nochmal mit viel Wind, Welle und in Rauschefahrt die grünen Tonnen ab, lassen uns von diversen Dickschiffen überholen, die vermutlich in den Nordostseekanal wollen, nehmen dann die Segel runter und motoren rüber in den neuen Yachthafen von Laboe. Fest um 14.30 Uhr.
Es folgt ein ausführlicher Besuch des Typ-VII-C/41-Bootes U 995 sowie des Marineehrenmals einschließlich Museum. Ich kenne alles schon und bin vor den anderen fertig und schnell wieder auf dem Weg zu meinem Bruder. Nach dem »Kulturstress« in Bagenkop ist er schon gar nicht mehr mitgekommen und hat unterwegs eine Strandbar entdeckt, wo ich mit ihm noch ein Bier nehme, bevor wir zum Boot zurückgehen und Essen vorbereiten (wieder mehr er als ich). Es war ein rundherum gelungener Tag.

Besuch von der Marine
7. Seetag, Freitag, 07.09.2007
Aufgestanden um 06.00 Uhr. Das Wetter ist schlecht. Windstärke 5 bis 6 aus Nord und wir müssen nach Osten. Wir werden die See also genau querab haben, ich bereite mich geistig und moralisch auf ein fürchterliches Geschaukel vor. Es wird am letzten Tag nochmal gemütlich. Auslaufen um 07.45 Uhr.
Gegen 09.30 Uhr kommt mit schäumender Bugwelle ein Minensucher auf uns zugerauscht, tutet, dreht bei und ruft uns an. Auf Kanal 10 erfahre ich, daß heute auf 7 Meilen geschossen wird und wir uns an den H-Tonnenstrich halten sollen, wenn wir in den Fehmarn-Sund wollen. Daß geschossen wird, wußte ich schon vorher, aber wir sind laut Seekarte nicht in einem Übungsgebiet. Offenbar wurde der Sperrbereich erweitert. Ich wechsle noch ein paar freundliche Worte und lasse den Kurs auf 45° ändern. Diese ganze Sache kommt mir unglaublich bekannt vor, fast wie ein Déjà-vu. Ich höre noch Papas Worte nachschallen, als er mich zu Hause warnte, ich solle auf dem Weg von Laboe nach Heiligenhafen die große Umfahrung nehmen. Vor ein paar Jahren hatten wir nämlich genau die gleiche Begegnung schoneinmal.

Wir gehen von Bord
Da der Wind ziemlich steif bläst und die Wellen beängstigend hoch gegen unser Boot krachen, verzichten wir auch weiterhin auf Segel, obwohl wir ausgesprochen gut in der Zeit liegen. Das letzte Stück haben wir die Wellen genau von achtern und Gordon schreibt mit einer unglaublichen Beharrlichkeit seinen Namen ins Kielwasser. »Ja ich kann ja nichts dafür, die Wellen drücken mich immer rum!« Ich übernehme für 10 Minuten das Ruder. Entweder Gordon hat andere Wellen als ich oder er muß noch viel üben. Er zackt unbeeindruckt weiter, als er wieder das Ruder hat.
Wir erreichen den Yachthafen, bunkern Diesel und sind gegen 14.00 Uhr fest. Wir benötigen mehr als anderthalb Stunden, um das Boot leer- und die Autos vollzuladen und warten nochmal über eine Stunde auf die Übernahme durch das Personal. Beim Abhaken der Checkliste eröffnet uns Henning, daß der Schaden an der Genua über unsere Kaution abgerechnet würde. Ich finde diese Handhabe nicht nur frech und unverschämt, sondern unterstelle betrügerische Absicht. Um mit meiner Unterschrift unter der Checkliste dieser Unverschämtheit nicht unfreiwillig zuzustimmen, schreibe ich auf den Bogen, daß der Schaden nicht von uns verschuldet ist und durch die defekte Trommel hervorgerufen wurde. Wäre sie gleich ordnungsgemäß ausgetauscht worden, wäre eine lange Anfahrt nach Bagenkop nicht nötig gewesen. Alles weitere wird dann unser Anwalt klären. Man hüte sich vor »Privat Charter Ostsee«, denn man weiß nie, wann sie einem ein beschädigtes Boot übergeben, dessen Instandsetzung man dann auch noch selbst bezahlen muß.
Auf der Rückfahrt erfahren Gordon und ich von meinem Bruder im anderen Auto, daß die A24 nach einem Unfall vollgesperrt ist. Wir weichen über die Dörfer aus und während die anderen bereits wieder auf der Autobahn nach Berlin fahren, schleppen wir uns mit 80 hinter Lkw-Karawanen über die Landstraßen.
Jan • 4.11.2007, 12:42 Uhr • Kommentare: 1 • Abbildungen: 243
Neulich im Zwischennetz · In eigener Sache
Fotoblog lens-flare.de
Heute erschien ein Gastbeitrag von mir auf lens-flare.de. Das ist der erste dieser Art - sowohl für mich als Gast, als auch für Steffen als Gastgeber - und ich fühle mich mehr als geehrt.
Auch hier wird es demnächst den einen oder anderen Gastbeitrag geben - das heißt, sobald ich mein CMS entsprechend erweitert habe.
Auf lens-flare.de gibt es eine beeindruckende Auswahl hochwertiger Desktophintergründe zum kostenlosen Download, außerdem viele Informationen rund um die digitale Photographie und allerlei nützliches und interessantes im Blog.
Jan • 1.11.2007, 14:45 Uhr
Liebes Tagebuch
Media Markt - Ich bin doch nicht blöd!

Die Welt durchs Bullauge
Okay, der Media Markt ist nicht (immer) blöd, dafür aber seine Mitarbeiter (meistens). Ich manchmal. Z.B. wenn ich seit letzten Weihnachten mit einem neuen Objektiv photographiere und erst jetzt die Photos entwickeln lasse.
Ich war letztes Jahr beim Segeln vom 28-300mm-Objektiv eines Freundes hellauf begeistert und meine Eltern schenkten mir schließlich zu Weihnachten ein 18-200mm-Objektiv vom Media Markt.
Beim Segeln dieses Jahr hab ich nochmal zwei Filme verschossen und endlich alle bis dahin angesammelten Werke zum Entwickeln gebracht. Der Schock war nicht schlecht, als ich merkte, daß alle Photos seit Weihnachten nichts geworden sind, denn über allen Motiven prangt eine schwarze, kreisrunde Schablone.
Ein alter Komilitone von mir (lens-flare.de) gab mir den Tip, mal zu recherchieren, ob es sich bei meinem Objektiv nicht zufällig um ein rein digitales, und bei meiner Kamera um eine analoge handelt. Tatsächlich ist die Belichtungsfläche beim Kleinbildformat größer, als bei der digitalen Photographie, dadurch sieht man mehr auf den Photos, als einem lieb ist. Außerdem sind sie leicht unscharf und voller Artefakte.
Nun bin ich nicht sehr bewandert mit der neumodischen Phototechnik und würde meine gute alte Praktika immer vorziehen, wäre sie nicht zum zigsten mal kaputt gegangen, doch sind meine Eltern noch viel weniger bewandert und konnten erst recht nicht wissen, daß es unterschiede zwischen Objektiven für digitale und analoge Photoapparate gibt. Da Objektive teuer sind, ließen sie sich also fachmännisch beraten. Fachmännisch? Nein, sie waren im Media Markt.
»Papa, kann es sein, daß Ihr ein rein digitales Objektiv gekauft habt?«
»Nein, glaub ich nicht, wir haben uns ja extra beraten lassen.«
Ich muß ein zynisches Lachen unterdrücken: »Beim Media Markt?«
»Wir haben dem Verkäufer genau gesagt, was Du für eine Kamera hast und er hat uns dieses Objektiv empfohlen.«
Wie mir die Tamron-Website verrät, gibt es dieses Objektiv ausschließlich für Digitalkameras.
Ich hoffe, meine Eltern haben daraus gelernt, daß man einem Media-Markt-Berater niemals, wirklich niemals glauben darf. Ich habe innerhalb von 30 Sekunden herausgefunden, daß es nicht das passende Objektiv ist und welche stattdessen passen würden, einfach nur, indem ich im Internet nachgeschaut habe. Media-Markt-Mitarbeiter scheinen hingegen weder ausgebildet zu sein, noch in der Lage, die einfachsten Recherchen durchzuführen. Stattdessen sagen sie einfach irgendwas, das intelligent klingt. Das mag hart und voreingenommen klingen, aber mal ganz ehrlich: Wenn ich ein Fachmann für etwas wäre, z.B. für Photo- oder Computertechnik, ich meine ein richtiger Fachmann mit Ausbildung, Erfahrung und Ahnung, würde ich dann beim Media Markt arbeiten?
Ich möchte nicht sagen, daß dort alle inkompetent wären, denn ich kenne ja nicht alle, aber ich weiß schon, warum ich mich dort niemals beraten lasse und wenn ich dort hingehe, dann nur mit gemachten Hausaufgaben, denn »ich bin doch nicht blöd!«
Jan • 10.10.2007, 22:50 Uhr • Kommentare: 4
Aktuelles
Kampf dem CO2

CO2-Schleuder
Ich finde, die aktuelle Klimadiskussion und die CO2-Hysterie sollte viel ernster genommen werden. Ich denke, wir alle können dazu beitragen und den CO2-Ausstoß verringern, indem wir weniger oft mit dem Auto zum Briefkasten fahren - auch wenn Flugzeuge nach Mallorca und Ibiza den tausendfachen (oder mehr?) Ausstoß an CO2 verursachen.
Vor allem appelliere ich an die Automobilindustrie, doch gefälligst mal neue Motoren zu bauen! CO2-Ausstoß senken, das ist die Devise! Wen jucken schon Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid, die als Hauptbestandteil der nitrosen Gase Lungenödeme und Impotenz (wir sehen es an all den Auto-Tunern) hervorrufen? Wen interessiert schon das Kohlenstoffmonoxid, ein hochgefährliches Atemgift, das schon in kleinsten Mengen tödlich wirkt? Oder das lungenschädigende Schwefeldioxid? Achwas, alles nur halb so wild. Selbst das krebserregende Benzol ist nicht der Rede wert. Hauptsache wir verringern CO2, das unsere Pflanzen zum leben brauchen.
Danke Natur, daß Dein gefährlichstes Gas nur CO2 ist!



