Fotografisches · Berlin · Früher

Spurensuche


Rostocker Stadtleuchte RSL1

Seit vor fast 18 Jahren die DDR begraben wurde, versucht man in Berlin offenbar alle Spuren des alten Regimes verschwinden zu lassen. Nimmt man sich einen alten Bildband von Ostberlin und vergleicht mit dem heutigen Zustand, stellt man schnell fest, daß selbst Kleinigkeiten ausradiert und durch was neues, aber meistens nicht besseres ersetzt wurden.

Es fängt schon unter den Linden an, wo sämtliche Sechzigerjahre-Straßenlaternen entfernt und durch furchtbar häßliche, auf altberlinerisch getrimmte Retro-Laternen ersetzt wurden. Die Gehwegplatten auf dem breiten Mittelstreifen wurden ausgegraben und stattdessen ein unschön aussehender gelber Schotter verstreut, der im Sommer einen hübschen orangefarbenen Staub aufwirbelt und im Winter dicke, harte Schlammklumpen an den Schuhen hinterläßt.

Der Alexanderplatz, der früher einmal sehr charakteristisch in verschiedenfarbigen, großen Kreisen gepflastert war, hat nun graue, häßliche Betonplatten bekommen und die letzte freie Ecke vor dem Haus des Lehrers wird zugebaut, um dafür zu sorgen, daß auch ganz sicher keine Sonne mehr auf den Alex scheint. Daß der zeitlos schöne Palast der Republik in einem jahrelangen Prozess der Geldverbrennung zu einem rostbraunen Stahlgerippe mutiert ist, das bald endgültig verschwunden sein wird, ist nun weißgott keine Überraschung mehr.

In den letzten Jahren sind nach und nach alle Reliquien beseitigt worden und wenn man heute durch Berlin läuft, sucht man vergebens nach Zeitzeugen und Symbolen, die die Erinnerungen ankurbeln. Aber es ist noch nicht alles verschwunden. Es gibt sie noch, die alten Rostocker Stadtleuchten oder die großen, tropfenförmigen aus silbernem Blech. Man kann auch das eine oder andere Mosaik entdecken oder kunstvoll verzierte Neubau-Türen.

Kürzlich war ich mit meiner Kamera unterwegs und habe einige schöne Überbleibsel festgehalten. Wer die Augen offen hält und sich umschaut, wird noch überraschend viele Details entdecken, auch ich sehe jeden Tag neue Sachen. Die angefügte Fotosammlung enthält ausschließlich Aufnahmen von März 2008 mit dem erklärten Ziel, daß nicht sofort erkennbar ist, daß sie nach der Wende aufgenommen wurden. Das wird nicht die letzte Galerie zu diesem Thema sein.

Jan • 19.3.2008, 6:34 Uhr • Abbildungen: 22

Segeln · In eigener Sache

Neues aus dem Archiv


Es ist passiert: Mir ist nun das Pulver ausgegangen und für diese Woche habe ich keinen Artikel mehr in petto. Weder hab ich was lustiges oder auch nur annähernd interessantes erlebt, das sich für einen Artikel verwenden ließe noch die nötige Kreativphase, um mir irgendeinen Unfug auszudenken.

Allerdings habe ich ein paar alte Artikel aus dem Archiv hervorgekramt und aufgearbeitet. Heute also mein Bordtagebuch aus dem Jahre 2003 mit nun neu strukturiertem Text und nachträglich eingefügter Bebilderung.

Zum Artikel

Jan • 12.3.2008, 6:46 Uhr

Berlin · Alltägliches

Neulich im Wartezimmer


Eine Frau, etwa anfang Sechzig, kommt herein und grüßt, ihr Mann gleich hinterher, grüßt ebenfalls. Die Frau schubst ihren Gatten sanft rüber zu dem Stuhl, der direkt vor der Tür zum Röntgenraum steht.

»Setzt Du Dich dort hin?«

»Naja, wenn ich da nicht im Weg sitze...«, in diesem Augenblick kommt die Schwester aus dem Röntgenraum heraus, teilt dem Ehepaar mit, daß sie noch etwas warten müssen und verschwindet wieder. Die Frau hängt ihre Jacke umständlich über die Lehne des anderen Stuhls, platziert einen blauen, knisternden Stoffbeutel außerordentlich sorgfältig auf der Sitzfläche und stellt sich daneben. Dann geht sie ein paar Schritte hinüber zum unbesetzten Schwesternschreibtisch, dann wieder ein paar Schritte zur Wand, wo eine Reihe von Bilderrahmen mit Postern und Zeitungsausschnitten von Gérard-Philipe-Filmen hängen.

Ihr Mann sitzt inzwischen ganz ruhig und entspannt auf seinem Stuhl und liest wortlos in einem Bündel Datenblätter und Artikel über Antennentechnik, die mit einem Aktendulli zusammengeheftet sind. Fast beiläufig redet die Frau mit einem der Bilder an der Wand, meint aber offensichtlich ihren Mann: »Ich muß jetzt erstmal eine Weile stehen. Ich hab im Auto so viel gesessen. Ich will mir jetzt nicht die Beine in den Bauch sitzen.« Ihr Mann ignoriert die völlig verunglückte Redewendung, die normalerweise beim Stehen verwendet wird. Und weil ihn diese ungefragte und belanglose Information offenbar wenig interessiert, entgegnet er nur trocken: »Ich kann ja das Bodenblech vom Auto heraustrennen - dann kannst Du während der Fahrt laufen!« Die Frau atmet nur schwer und sagt schließlich: »Sei froh, daß ich dazu jetzt nichts sage.« Und weil sie das Klisché auch in jeder anderen Hinsicht erfüllt, fügt sie gleich noch eine Ermahnung hinzu, die nicht das geringste mit der Sache zu tun hat: »Du hast Deine Tasche da so hingeworfen, vergiß sie nachher blos nicht!« und deutet dabei auf einen kleinen schwarzen Beutel der neben ihres Mannes Stuhl auf der Erde liegt. Er murmelt nur »Nee nee«, ohne von seiner Lektüre aufzublicken.

Die Frau steht nun vor dem Stuhl mit ihrem Beutel und beginnt, an der Jacke zu zupfen, die noch immer über der Lehne hängt. Sie entfernt einen unsichtbaren Fussel vom Revers, zieht die Kragenbändsel auf beiden Seiten gleichlang und richtet sorgfältig den Kragen, als ob die Jacke gerade von jemandem getragen würde. »Beate will nun doch heute zum Weihnachtsmarkt. Mit dem kleinen Christian. Der bekommt dann aber keine Kekse mehr.« sagt sie nach einer längeren Pause zu ihrem Mann. Der jedoch erwidert nur »Dann kannst Du ja die Kekse alle alleine essen.« und widmet sich augenblicklich wieder dem offenbar sehr interessanten Artikel auf seinem Schoß.

Langsam geht sie wieder zu der Wand mit den Zeitungsausschnitten und liest einen Artikel nach dem anderen aufmerksam durch. Nachdem sie alle Bilder wie in einem Museum abgearbeitet hat, sagt sie »Schön, daß diese alten Filme noch gezeigt werden, den hier hab ich immer sehr gern gesehen.« Sie hat wohl nicht gemerkt, daß die Artikel und Poster schon etwas älter sind und daß es wohl nicht mehr viele Orte gibt, an denen diese Klassiker noch gezeigt werden. Ihr Mann reagiert nicht; er fühlt sich vermutlich nicht angesprochen, da sie ja wieder mit den Bildern geredet hat. Scheinbar unbeeindruckt geht sie zu ihrem Stuhl und widmet sich dem so sorgsam platzierten Stoffbeutel, streicht ihn glatt, zupft mal hier, mal dort, nimmt ihn vorsichtig hoch und legt ihn zwei Millimeter weiter links wieder auf die Sitzfläche, um ihn dann abermals glattzustreichen und zu zupfen. Dann nimmt sie ihn wieder hoch und trägt ihn hinüber zum Tisch mit den Zeitschriften, legt ihn dort ab und versucht im gleichen Augenblick, eine Zeitung darunter hervorzuziehen. Während sie umständlich hantiert, schiebt sie den Beutel nochmal ein Stück weiter zum Rand des Tisches und beginnt schließlich in einer Ausgabe GEO zu blättern.

»Wir könnten ja auch mal auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ein paar Lose kaufen oder so.«

»Nee, ganz bestimmt nicht! Da kann ich auch gleich das Fenster aufmachen und mein Geld da rauswerfen, dann kann ich es wenigstens klimpern hören!«

»Aber vielleicht gewinnst Du ja was großes? Ein Stofftier oder so.«

»So? Und was soll ich damit?«

»Na als Erinnerung!«

Mit einem genervten Blick und strafendem Schweigen widmet sich der Mann wieder seinem Artikel. Das Telefon klingelt. Da die Schwester aber offensichtlich im Behandlungszimmer zu tun hat, bleibt es unbeantwortet. Es klingelt noch weitere drei Male, als die Frau zu ihrem Mann sagt: »Der Florian wäre längst rangegangen.«

Der Mann grunzt nur leise ohne aufzublicken.

»Der Florian geht immer sofort ans Telefon« sagt sie und kichert. Auch das bleibt unbeantwortet.

Die Tür klickt und ein weiterer Patient betritt das Wartezimmer, grüßt freundlich, wirft einen Blick in die Runde und sucht nach freien Sitzplätzen. Die Frau steht auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes am Fenster vor einem freien Stuhl und sagt »Setzen Sie sich ruhig hin! Kümmern Sie sich nicht um meine Jacke.« während sie auf den von ihr belegten Stuhl neben ihrem Mann deutet und vor dem leeren Stuhl am Fenster stehen bleibt. Der neue Patient erwidert leise »Hier ist doch genug Platz!« und setzt sich auf die Couch. Die Frau geht zu ihrem Stuhl zurück, nimmt ihre Jacke von der Lehne, geht rüber zu dem freien Stuhl am Fenster und beginnt wieder damit, alles sorfältig und ordentlich über der Lehne zu drapieren. Ihr Mann liest unbeeindruckt seine Zettel. Schließlich setzt sie sich hin.

Jan • 27.2.2008, 6:46 Uhr • Kommentare: 4

Neulich im Zwischennetz · Kulturelles · Früher

Was sind schon 3 Jahre?

Schon komische Leute, Susie Pinkawa und der dünne Mann. Aber eigentlich auch überhaupt nicht. Und sowieso: man kennt sie ja gar nicht persönlich. Und irgendwie sind sie und ihre Platte schon ganz ganz lange her. Und es war eine komische Zeit damals. Eine Zeit voller Experimente und Entdeckungen und ganz viel Musik. Denn diese fing gerade an, sich von den Neunzigern zu erholen. Und da waren sie plötzlich: Viktoriapark. Und sie kamen wie aus dem Nichts. Und ihr Album war genial. Als hätten sie nur auf den richtigen Augenblick gewartet. Als konnten sie es kaum erwarten, es besser zu machen. Besser als die gesamten Neunziger. Und irgendwie haben sie das auch geschafft. Und als man gerade süchtig war, wurde es still um Susie Pinkawa und den dünnen Mann. Sie verschwanden genauso geheimnisvoll, wie sie gekommen waren. Und scheinbar ohne eine Spur zu hinterlassen. Außer dieser überragenden Platte.

Drei Jahre später befindet sich deutsche Musik im Aufwind. Musik aus Berlin. Und irgendwie hat man plötzlich eine vielversprechende Kompilation in Händen mit lauter jungen Bands. Und plötzlich liest man »Viktoriapark« in der Titelliste. Aber es ist nur ihre Single. Nichts neues. Und dann ist da aber noch ein Titel. Ein neuer. »Ein guter Sommer«. Und er ist großartig. Und er ist der beste Grund, die Kompilation zu kaufen. Und der Sommer war wirklich gut. Und er ist vorrüber und noch immer kein Album da.

Und es vergehen wieder drei Jahre und voller Hoffnung sucht man plötzlich wieder nach mehr, doch man findet nur die erste Single und das erste Album und die letzte Single und alles nicht mehr lieferbar. Und irgendwie scheint diese komische Zeit nun endgültig vorbei zu sein. Aber es wurden Erfahrungen gemacht und Entdeckungen und es wurden Horizonte erweitert.

Nochmal drei Jahre. Und man stöbert bei Wikipedia. Und irgendwie kommt man von einem Artikel über den Kreuzberger Viktoriapark zur Discographie von »Viktoriapark«. Und man glaubt es kaum, daß es vor zwei Jahren eine neue EP gab. Und daß vor einem Jahr sogar ein neues Album veröffentlicht wurde. »Was ist schon 1 Jahr?«. Und man wundert sich, wie das alles an einem vorbeigehen konnte. Und noch bevor man die Gedanken wieder sammeln kann, sind die Platten bestellt.

Und jetzt sind sie da. Und sie sind großartig! Genial. Wieder.

Jan • 20.2.2008, 6:50 Uhr • Kommentare: 4

Liebes Tagebuch · Alltägliches

Wort zum Mittwoch Sonntag


A-Säule, unverkleidet

Neulich hat sich jemand beschwert, daß am Sonntagmorgen um 10 Uhr noch so viele betrunkene Partyheimgänger in den S-Bahnen vor sich hindösen. Dabei ist das eine unverzichtbare Tätigkeit! Zwischen Haustür und Nachdurst den beginnenden Tag zu erleben ist ein wichtiger Teil des gesamten Ausgehens ansich. Schon Kettcar haben diese süße Romantik in ihrem Lied »Ausgetrunken« zelebriert. Und mal abgesehen davon ist ein gesundes Nacht- und Morgenleben für eine Stadt kulturell ungemein wertvoll. Man stelle sich vor, die Leute lägen alle schon um 11 Uhr im Koma, wie z.B. in England.

Und wenn der Sonntag dann im Arsch ist und der Montag gleich mit, macht das gar nichts. Um den Montag ist es schonmal sowieso nicht schade, da gibt es ohnehin nur schlechten Kaffee. Und der Sonntag ist ja wohl der nutzloseste Wochentag aller Wochentage. Man kann ja nichts machen! Staubsaugen z.B. wird in der entmilitarisierten Zone der Nachbarschaft als sonntägliche Ruhestörung gewertet. (Wäschewaschen ja eigentlich auch, aber irgendwann ist mal Schluß!) Löcher in die Wand bohren ebenfalls, aber das ist nicht schlimm, es fehlt sowieso immer genau ein Dübel. Und mal schnell in den Baumarkt fahren geht nicht, solange ein künstlicher Gott (oder die Gewerkschaften? Oder beide?) definiert, an welchem Wochentag gearbeitet werden darf. Abgesehen davon, daß alle Nicht-Einzelhandel-Menschen entweder über diesem komischen Herrn Gott stehen oder keine Christen sein dürfen.

Zugegeben, »Ich bin eine Konsum-Hure«, aber es ist doch wirklich so: Für nahezu alles kreative, was man machen könnte und wollte, braucht man doch meistens noch ein offenes Geschäft und nicht nur den Baumarkt! Für die Verkleidung der A-Säule im Auto fehlt genau ein einziger von diesen kleinen, weißen Plasteklipsen. An jedem anderen Wochentag denkt man nicht dran, aber wenn man sich endlich mal ums Auto kümmern will, ist gerade Sonntag.

Da man Sonntags also nichts sinnvolles machen darf, stört es doch nicht, wenn man ihn einfach mit zwei, drei Aspirin im Bett verbringt und den Rausch ausdöst. Wäre man bei Bewußtsein, würde man sich doch nur den ganzen Tag vor Montag fürchten.

Jan • 13.2.2008, 6:38 Uhr • Kommentare: 2

Kurioses

Sachen mieten


Das geht zu weit!

Es gibt viele Dinge auf der Welt, die man mieten kann. Wohnungen, Fahrräder, Autos, Werkzeug, Handwerker, Pontonboote in Nashville, einen Goalie, eigentlich fast alles. Manche gehen sogar so weit, daß sie ihre eigenen Geschäftsräume vermieten (Foto).

Das beste und sinnvollste Mietgut sind und bleiben aber die Deutschen selbst. Und obwohl dieser Service bereits seit 2005 existiert und in aller Munde - vermutlich auch jedem Forum zwischen Ostsee und Alpen - war, gibt es noch keine vergleichbaren Modelle im Ausland. Die Domains rentabritish.co.uk, rentafrench.fr oder rentanamerican.com sind alle noch unbenutzt. Dabei scheint das Konzept ziemlich erfolgreich zu sein.

Carl Hagen, 58 aus New York sagt auf rentagerman.de: After dinner, we watched TV together with the entire family. Suddenly the German started to cry. It was such real and pure emotion. I’d never seen this before. The support package cheered him up again and we read German poems together ‘til 3 am. Even Grandma stayed up and enjoyed the exotic sound of words like »Rasenmäher, Motorsäge or Solidargemeinschaft«. Rented again, before our new friend left.

Adam G., 48 aus San Francisco sagt auf rentagerman.de: It was awesome! Having a German at the office for a week was a huge success! Since then, my relationship with my co-workers has improved big time! I’ll definitely do it again- It was, like, »oh my god, this is so it!«

Danke Deutschland, daß Du so »it« bist!

Jan • 6.2.2008, 6:38 Uhr

Berlin · Alltägliches

Zu Besuch beim Support


Support: fehlgeschlagen

Nachricht an Support: Hallo, ich möchte bei Ihnen Downloaden: Fritz Werner - Mein kleiner Kater Nicki. Sie bieten 4 verschiedene Versionen an. Was »Karaoke« ist, weiss ich: nur Instrumental. Aber was bedeutet 2 X »Lucky Kids Version« und 1 X »Solo Version«? Schöne Grüsse!

Antwort von Support: Hallo, ich denke mal, daß die »Solo Version« die richtige Fassung des Stücks ist. Jedenfalls ist sie von der Spielzeit her identisch mit der Karaoke Fassung.
Wie ja schon bemerkt, ist »Karaoke« was zum Mitsingen. Welche musikalische Intention sich aber hinter der »Lucky Kids Version« verbirgt, wird wohl nur der Produzent von EMI Deutschland selber wissen. Wahrscheinlich eine musikalische Bezugnahme auf lustige Kinder. Grüße!

Jan • 30.1.2008, 7:32 Uhr

Woanders · Liebes Tagebuch

Meine England-Tagebücher: Tag 10


Tankend: Frank

Vom 12. bis 21. August 2007 waren Frank und ich auf Englandreise. Wir fuhren mit seinem '93 Mini Mayfair, Zelt, Campingkocher und ADAC-Atlas zu »Mini In The Park«, dem weltweit größten Minitreffen in England. Frank hatte den Wagen gerade zwei Jahre lang komplett restauriert. Ich habe den Verlauf der Reise handschriftlich in einem kleinen Notizbuch festgehalten.

Montag - 20.08.2007

Um 09.00 Uhr aufgestanden. Es regnet in Strömen. Duschen, Kram zusammenpacken und schließlich ein völlig durchnäßtes Zelt abbauen. Alles bei strömendem Regen. Wir verlassen Cambridge und gelangen über die Autobahn ziemlich schnell nach Dover. Wir fahren zum Check-In, dann komplett raus aus dem Hafen, weiter ins Travel Center, dann mit Ticket wieder zum Check-In und gleich darauf direkt auf die Fähre. Bei Kaffee und Schokomuffin planen wir unsere Rückroute durch Kontinentaleuropa.

Der Rest der Strecke verläuft ebenso zügig, wie ereignislos. Regen und Sturm bis Brandenburg. Im Ruhrgebiet war es am schlimmsten. Um punkt 05.00 Uhr stehe ich mit Sack und Pack vor meiner Haustür.

Ja der letzte Tag ist etwas zu kurz gekommen, aber es gab nicht mehr viel zu erzählen und wir haben uns nur noch auf zu Hause gefreut. Es hat an jedem der 10 Reisetage irgendwann mal geregnet vor allem aber jede Nacht. Anfangs war das nicht schlimm, es hat ja auch immer mal wieder die Sonne durchgeschaut, aber zum Schluß wurde es immer nasser. Irgendwann macht einen dieses Wetter einfach mürbe und man will nur noch weg aus diesem Regen und heim ins Trockene.

Die anderen Tage: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Tag 9 oder alle auf einen Blick

Jan • 24.1.2008, 7:08 Uhr

Genießbares

Ungelöste Rätsel des Universums (2)


Aromatreue Kaffeetasse?

Warum schmeckt der Kaffee am Montagmorgen immer so fürchterlich?

In fast jedem Büro gibt es eine Kaffeemaschine. In fast jedem? Zumindest überall dort, wo Leistung gefordert wird - Behörden und Ämter haben oft trotzdem eine. Manche Leute haben das enorme Glück, eine wirklich ordentliche Kaffeemaschine zur Verfügung zu haben, wie z.B. die Jura Impressa F50. Es ist nicht das beste Gerät der Welt, aber ein jeder Informatiker würde sie wortlos umarmen und nie wieder loslassen.

Aber warum ist auch der Montagskaffe einer solch traumhaften Maschine so ekelhaft? Vielleicht ist sie ja übers Wochenende eingetrocknet und braucht erst ein paar Tassen, bis sie wieder das volle Aroma entfalten kann. Vielleicht ist auch der Kaffee alt geworden - er wurde ja zwei Tage lang nicht aufgebraucht/nachgefüllt. Oder ist das Wasser einfach nicht mehr frisch genug? Oder der kleine Schimpanse, der in der Maschine hockt und den Kaffee brüht ist einfach noch nicht ausgeschlafen - es ist ja Montagmorgen und Montage nerven, wie jeder weiß.

Viele Leute sind der festen Überzeugung, daß es eine Frage der Tasse ist. Am Montagmorgen ist diese nämlich immer sauber und gespült. Ohne Ränder und ohne »Boden«. Viele mögen das vielleicht nur mittellecker finden, aber manche glauben daran, daß der Zustand der Tasse einen erheblichen Einfluß auf das Aroma des darin befindlichen Kaffees hat. Kaffee schmeckt einfach nicht aus sauberen Tassen. Nur die Reststoffe in den eingetrockneten Rändern bringen ihn dazu, seine Aromen voll zu entfalten. Genauso wie bei einer Gußeisenpfanne, die man grundsätzlich mal nicht abwäscht, sondern nur auswischt und ölt.

Ist dies nun der Weisheit letzter Schluß? Ist dies die ultimative Antwort? Weitere Lösungsansätze und Klärungsversuche zu diesem Problem sind in den Kommentaren höchst willkommen. Bitte keine ernstgemeinten Vorschläge!

Weitere ungelöste Rätsel.

Jan • 21.1.2008, 7:01 Uhr • Kommentare: 2

Woanders · Liebes Tagebuch

Meine England-Tagebücher: Tag 9


Frei laufende liegende Kühe im Stadtpark in Cambridge

Vom 12. bis 21. August 2007 waren Frank und ich auf Englandreise. Wir fuhren mit seinem '93 Mini Mayfair, Zelt, Campingkocher und ADAC-Atlas zu »Mini In The Park«, dem weltweit größten Minitreffen in England. Frank hatte den Wagen gerade zwei Jahre lang komplett restauriert. Ich habe den Verlauf der Reise handschriftlich in einem kleinen Notizbuch festgehalten.

Montag - 20.08.2007

Aufgestanden um 08.30 Uhr. Regen prasselt aufs Zelt. Duschen, aufräumen und Zeltplatzmiete für einen weiteren Tag bezahlen. Fahren in den ASDA und kaufen 5 Kanister Öl für den Mini. Das ist hier besonders günstig und füllt jetzt fast den gesamten Kofferraum. Ich kaufe mir Socken, denn meine Docs sind innen schon etwas kaputtgelaufen und die scharfen Ränder der Stahlkappe zerschleißen meine Socken. Frank kauft nebenan im TK Maxx noch Klamotten und Plunder.

Gegen 12.00 Uhr fahren wir ins Stadtzentrum von Cambridge. Wir spazieren etwas herum und merken, daß es fast wie Oxford ist. Etwas schöner sogar, da nicht so überlaufen und etwas grüner. In einem Park mitten in der Stadt treffen wir Kühe, die direkt neben dem Gehweg stehen. Etwas weiter beobachten wir eine Kuh, die etwas unbeholfen durchs Schilf eines Teiches watet und schon bis zum Bauch im Wasser steht. Weitere Kühe liegen faul auf der Wiese herum. Merkwürdig, diese Briten: Lassen ihre Kühe völlig frei im Stadtpark rumrennen (Foto).

Gegen Nachmittag entscheiden wir uns, noch eine Ausfahrt zu machen. Wir erkunden die Landstraßen um Cambridge herum und genießen die englische Landschaft.

Zurück am Zelt machen wir uns gegen 21.00 Uhr Abendbrot: Jeder drei gebratene Eier vom Campingkocher, dazu Croissants und Bier. Es wird immer stürmischer und wir drehen das Zelt vorsichtshalber um 180°, damit der Eingang im Windschatten liegt und stabilisieren es mit zusätzlichen Springs and der Luv-Seite.

Die ganze Nacht gießt es in Strömen, der Weg zu den Duschen ist schon überschwemmt, der Rasen bei unserem Zelt kann jedoch genügend Wasser aufnehmen - wir saufen also nicht ab. Der inzwischen ausgewachsene Sturm, der jetzt über die Wiese fegt, rüttelt derartig stark an unserem Zelt, daß ich zeitweise darauf warte, daß es wegfliegt. Die Luv-Wand ist bereits so stark eingedrückt, daß die Zeltstangen nachgeben. Noch am Morgen prasselt und rüttelt es unentwegt.

Die anderen Tage: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Tag 10 oder alle auf einen Blick

Jan • 17.1.2008, 7:05 Uhr