Woanders
Frankreich 2008 - Tag 5

Schwer zu erkennen: Flamingos
Dienstag, 28.10.2008
Es ist acht Uhr. Aufstehen, Zähne putzen, Kaffee kochen. Dazu muß man sagen, daß wir den Luxus genießen, jeden Morgen frischen Mokka trinken zu können, denn ein kleiner Propangaskocher ermöglicht uns die Verwendung der heimischen Steigrohrmaschine. Das Zelt ist übrigens das erste mal trocken! Wir hatten zwar bisher kein Regenwetter, aber die feuchten Oktobernächte hinterlassen auch ihre Spuren. Kurz nach neun verlassen wir den Campingplatz. Unser Ziel ist das nur 70 km entfernte Hyères, wo wir nochmal zelten wollen, bevor wir uns auf die lange Rückreise machen.
Als es gegen 10 Uhr leicht zu nieseln anfängt, machen wir uns Sorgen um unser Karma, denn die zehn Tage England letztes Jahr brachten zehn Tage Regen. Bis jetzt hatten wir Glück und trotz des Niesels bleibt es warm. Kurz nach elf gießt es schließlich in Strömen. Wir passieren Hyères und wollen uns an der Küste einen schönen Campingplatz suchen. Wir fahren auf die Halbinsel Giens, sehen rosa Pinguine und sind plötzlich wieder auf der Straße nach Hyères. Verwirrt versuchen wir zu begreifen, was passiert ist, ob wir geträumt haben und warum wir wieder dort sind, wo wir eigentlich her kommen. Eine Karte am Straßenrand klärt uns schließlich auf, daß Giens über zwei Landwege mit dem Festland verbunden ist. Beide Wege, wovon einer nur ein sehr schmaler natürlicher Damm ist, kann man mit dem Auto befahren, was dazu führte, daß wir rauf und wieder runter fuhren, ohne es zu merken. Die Halbinsel ist ein beliebtes Surf- und Tauch-Paradies, wie wir merken müssen, verfügt über ein Naturschutzgebiet, eine kleine Ortschaft, viele Campingplätze und Scharen von Flamingos, die ziemlich ratlos und gelangweilt in der Gegend rumstehen. Warum sie das ausgerechnet hier tun, vermögen wir nicht herauszufinden.

Hyères im Regen und Berufsverkehr
Nachdem wir alle Campingplätze in der Nähe abgefahren und von außen begutachtet haben, entscheiden wir uns schließlich für den Campingplatz in La Tour Fondue und reservieren uns schonmal eine Parzelle. La Tour Fondue liegt an der Südküste Giens, besitzt einen winzigkleinen Fährhafen, ein paar Häuser, drei Geschäfte, die alle saisonbedingt geschlossen sind und behebergt Unmengen Froschmenschen, die den ganzen Tag in ihren Gummianzügen durch die Gegend watscheln und entweder Surfbretter oder Taucherausrüstungen mit sich herumschleppen. Sämtliche ortsansässigen Campingplätze haben offensichtlich auch nur deshalb noch geöffnet, weil sie auch zu dieser Jahreszeit von diesen Froschmenschen geradezu überrant werden.
Aufgrund der Wetterlage - es hat sich inzwischen richtig eingeregnet - entscheiden wir, mit dem Aufbau des Zeltes noch zu warten und unternehmen einen Spaziergang zur Fähranlegestelle. Dort ist alles vernagelt und verrammelt, lediglich ein paar Autos stehen auf dem riesigen Parkplatz, der die größte Fläche der Ortschaft einnimmt. Wir sind inwzischen völlig durchnäßt und begeben uns zurück zum Auto, um in trockene Klamotten zu schlüpfen. Als der Regenguß in ein Nieseln übergeht, fahren wir nochmal nach Hyères, um uns die sehr alte und wunderschöne Stadt anzusehen, trinken Kaffee, bummeln rauf zum Stift Saint Paul, laufen die breiten, mit Palmen gesäumten Alleen entlang und kehren schließlich zum Zeltplatz zurück.

Der Eingang zum Campingplatz
Um halb sechs bauen wir dann unser Zelt auf. Es nieselt inzwischen wieder leicht, was die Mücken nicht davon abhält, uns in dichten Schwärmen zu Tausenden anzugreifen. Unglaublich, sowas hab ich noch nicht gesehen! Binnen Sekunden sind Auto und Zelt voll mit Mücken, obwohl letzteres noch nichtmal richtig aufgebaut ist. Stiche überall. Als wir dann mit unseren Schlafsäcken, Decken und Essensbeuteln ins Innere flüchten, bringen wir 10 bis 15 Minuten damit zu, alle Mücken im Zelt zu jagen und zu töten. Schließlich essen wir Abendbrot, bestehend aus frischem Baguette mit Wurst, Käse und Oliven. Als wir gegen neun das Licht ausmachen, geht draußen der Trubel erst richtig los. Kinder rennen laut kreischend umher, spielen Fangen und Verstecken zwischen den Zelten. Auf den Veranden der Chalets wird laut geredet und gegessen. Die ganzen Froschmenschen haben sich am Abend versammelt und verbringen ihn gemeinsam - die Mücken scheinen sie nicht zu stören.
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Jan • 29.4.2009, 5:41 Uhr • Kommentare: 2
Woanders
Frankreich 2008 - Tag 4

Palmen an der Côte d’Azur
Montag, 27.10.2008
Wir sind kurz nach sieben aufgestanden, haben das Zelt abgebaut und uns umgehend nach Châteauneuf-du-Pape begeben, um uns mit Wein einzudecken. Der Ort ist wirklich schön, verwinkelte Gassen, am Hang gelegen und an jeder Ecke kleine, rustikale Weinläden. Im ersten Geschäft haben wir uns gleich viel zu teuren Wein andrehen lassen, der noch nichtmal aus Châteauneuf-du-Pape kommt, aber wenigstens von der Rhône. Im nächsten Laden endlich haben wir echten Ortswein gekauft - keine Kaufhallenpreise, aber definitiv ihr Geld wert!
Um halb elf sind wir bereits wieder unterwegs richtung Südost und fahren durch Avignion, wo wir nun die Rhône verlassen. Um 12 Uhr passieren wir Aix-en-Provence und können das Mittelmeer schon fast riechen. Alles hier ist mediterran: die Architektur, die Flora, das Klima.
Um fünf erreichen wir dann endlich »Camping Santa Gusta« in La Ciotat, direkt an der felsigen Steilküste zum Mittelmeer. Das Wetter war den ganzen Tag herrlich, wir haben noch bis spät in die Nacht um die 20°C.

Ein warmer Nachmittag
Hier herrscht noch ein Touristentrubel, als wäre Hochsommer. Unser Platz zum zelten liegt zum Glück etwas abseits in der Nähe der Dauer-Camper, die aber offensichtlich alle schon verlassen und winterfest gemacht worden sind. Das Wasser ist abgestellt und Strom gibts auch keinen. Die Toiletten sind - typisch französisch - einfach nur Porzellankloschüsseln ohne Deckel und ohne Brille. Eines der Toilettenhäuschen hat ein Schild mit der Aufschrift »Cabinet turque« und darin befinden sich - wie sollte es auch anders sein - türkische Hockklos.
Wir sitzen im Schein meiner Petroleumlampe und braten frische Rinderherzen über dem Gaskocher. Dazu gebratene Zwiebeln und frisches Baguette mit Wurst und Camembert aus der Region sowie den teuren Rotwein aus dem ersten Laden in Châteauneuf-du-Pape, der wirklich sehr sehr gut ist. Daß wir Rinderherzen gekauft hatten, wurde uns erst klar, als ich die Verpackungsbeschriftung im Wörterbuch nachgeschlagen habe, während Frank die Stücke bereits zum ersten mal gewendet hat. Sie waren enorm zart und haben herrlich aromatisch nach Rind geschmeckt.
Nach einem ausgiebigen Spaziergang entlang der Küste richtung Centre Ville kriechen wir bereits um 22 Uhr ins Zelt und gehen schlafen - unter Palmen!
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Jan • 22.4.2009, 6:12 Uhr
Woanders
Frankreich 2008 - Tag 3

Nebel
Sonntag, 26.10.2008
Nach dem Abbau des Zeltes begeben wir uns um halb zehn zum Camping-Büro, um uns abzumelden. Wir stellen die Uhren ordnungsgemäß eine Stunde zurück und fahren zur nächsten Tankstelle.
Der Rüssel steckt im Tankstutzen, aber es kommt kein Benzin. Frank geht fragen und kommt mit einem Kopfschütteln zurück: Bei Esso benötigt man hier eine sogenannte »Esso Express Card«, Barzahlung oder Kreditkarte sind nicht möglich. Wir fahren also weiter zur BP-Tankstelle, die ein Stück entfernt an der Autobahn liegt. Nach 10 min halten wir neben der Zapfsäule, Frank steigt aus und fängt an zu lachen. Die Klappe steht weit offen und der kleine, runde Deckel hängt ordnungsgemäß in seinem Schlitz an der Klappe.
Um 10:45 passieren wir Chalon-sur-Saône. Der Nebel wird immer dichter, die Landschaft ist schon nicht mehr zu erkennen - alles ist weiß. Wir suchen uns gegen 11:45 Uhr ein nettes Plätzchen an der Saône, um zu frühstücken. Es gibt - ganz klassisch - frisches Baguette mit Butter, aromatischem Käse und herzhafter Wurst.

Frühstück
Gegen zwei nähern wir uns Lyon, wo die Saône in die Rhône mündet, entlang derer wir nun eine ganze Weile reisen werden. Das Rhône-Tal ist eines der schönsten und besten Weingebiete Frankreichs, hier gibt es unglaublich viele Chateaus und ausgezeichnete Weine.
Gegen halb sieben erreichen wir Châteauneuf-du-Pape, wo der berühmte gleichnamige Wein herkommt. Wir können es kaum erwarten, ihn zu kosten. Unglücklicherweise ist der örtliche Campingplatz schon geschlossen, doch bekommen wir eine französische Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Vier-Sterne-Campingplatz in Courthézon. Wie sich auch im weiteren Verlauf der Reise herausstellen wird, ist die Campingsaison hierzulande bereits zuende. Nur wenige Campingplätze haben ganzjährig geöffnet und meistens auch nur im Süden des Landes. Die meisten Zeltmöglichkeiten haben entweder bereits zu oder schließen zum 31. Oktober, wir haben also noch ganz knapp die letzte Saisonwoche erwischt.
Um 19 Uhr erreichen wir »Camping Les Source« und bauen das Zelt trotz Dunkelheit schnell und effizient auf, wie es sich für Ingenieure gehört. Unser Platz zeichnet sich durch einen hölzernen Pavillion (vermutlich ein Carport?) mit Sitzbank und Tisch, sowie einem eigenen, gemauerten Dusch- und Toilettenhäuschen aus -- das hatten wir bisher noch nie, schon gar nicht in Frankreich, wo noch heute Toiletten türkischer Bauart in Mode sind. Zum Abendbrot wollen wir heute echt französisch essen, begeben uns zur Campingplatzpizzeria »La Goutte Bleue« und essen jeder eine Riesenpizza für 6 EUR. Zum Nachtisch Tiramisù bzw. Crème brûlée. Dazu örtlichen Rhône-Wein, danach Espresso und einen Schnaps aufs Haus.

Frank und die Riesenpizza
An die Restaurantgepflogenheiten hierzulande müssen wir uns allerdings erst noch gewöhnen. Als wir uns hinsetzen, stellt uns die Kellnerin eine Karaffe mit Wasser hin und nimmt die Bestellung auf. Für Frank einen halben Liter Wein, für mich einen viertel Liter, dazu unsere Pizzen. Während wir warten, gießen wir uns Wasser ein. Als die Kellnerin angelaufen kommt, stellt Sie eine Karaffe mit einem halben Liter Wein auf den Tisch und verschwindet. Da wir ja ohnehin noch keine Gläser haben, erwarten wir, daß sie sicher gleich nochmal mit meiner Viertelliterkaraffe und den Gläsern wiederkommt. Und sie kommt nicht. Wir rufen sie also heran und ich frage nach meinem viertel Liter Wein, sie schaut mich mit einem erhellenden Blick an, so als ob sie es jetzt verstanden hätte, greift die Halbliterkaraffe und läuft mit ihr davon. Völlig verdutzt ruft Frank sie auf halbem Weg zurück und erklärt der völlig verwirrten Frau, daß er einen halben und ich einen viertel Liter wünschten, jeder für sich! Es scheint hier unüblich zu sein, daß sich jeder seine eigenen Getränke bestellt. Als wir dann endlich jeder unsere Weinkaraffe haben, ist das Gläserproblem allerdings immer noch nicht gelöst. Ich finde schließlich heraus, daß unsere Wassergläser gar keine Wassergläser sind, sondern wie Wassergläser geformte Weingläser, während die unscheinbaren Teelichtgläser mit den reingestopften Servietten die eigentlichen Wassergläser darstellen. Wir stehlen uns also die sauberen Weingläser vom Nachbartisch und können endlich den Wein genießen.

Das Sanitärhäuschen ist links nicht im Bild
Das Wetter heute war grandios: 23°C und Sonnenschein. Überall stehen Zypressen, Olivenbäume, Pinien und: Palmen! Die Frau in der Pizzeria, die mit ihrem Gatten am Tisch gegenüber saß, schien das allerdings nicht bemerkt zu haben, denn während wir uns vor Hitze (trotz der sommerlichen Temperaturen, wurde im Restaurant auf Teufelkommraus geheizt) bis aufs Nicki entblößten, zog sich die Frau zuerst ihren Pullover, dann die Strickjacke und schließlich ihren Mantel an. Als sie dann fröstelnd den Kragen hochlegte, mußten wir von einer ernsthaften physischen Störung - entweder bei uns, oder bei ihr - ausgehen.
Wir sind jetzt kurz vor Avignon und werden morgen richtung Südost ans Mittelmeer fahren.
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Jan • 15.4.2009, 6:31 Uhr • Kommentare: 2
Woanders
Frankreich 2008 - Tag 2

Frankreich!
Sonnabend, 25.10.2008
Wir schlafen etwas länger und brechen gegen 10 Uhr auf. Es ist trüb und bedeckt. Um 11:45 Uhr erreichen wir die Luxemburger Grenze bei Trier und kaum verlassen wir Deutschland, kommt auch schon die Sonne heraus.
Wir durchqueren das Riesenimperium Luxemburg und erreichen nach 20 Minuten Frankreich. Frankreich! Endlich im Urlaub. Hier ist irgendwie alles ein wenig anders. Die Fahrbahnmarkierungen, die Verkehrszeichen, die Hinweisschilder. Es sieht im Großen und Ganzen schon so aus, wie bei uns, aber es sind die Details, der etwas andere Schwung am Pfeil, die breiteren Striche oder die etwas klassischeren Piktogramme. Und vielleicht auch die Sprache. Und irgendwie ist alles so schön und aufregend, daß ich nichts weiter aufschreibe, bis wir um 19 Uhr das Zelt fertig aufgebaut haben.
Wir sind hier auf dem Camping Municipal »Les Cent Vignes« in Beaune in der Bourgogne und haben mit einer neuen Bestzeit bewiesen, daß wir schon eine gewisse Erfahrung und Routine besitzen, mein Aldi-Zelt aufzubauen. Jetzt gehen wir noch auf einen Wein in die Stadt.
Um 20 Uhr sitzen wir im »Le Carnot«, trinken Afflingen und genießen den warmen Abend in einer ziemlich hübschen, französischen Altstadt. Das Wetter hätte heute kaum besser sein können, es war den ganzen Nachmittag sonnig und warm.
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Jan • 8.4.2009, 6:43 Uhr
Woanders
Frankreich 2008 - Tag 1

Unser Zuhause für die nächsten 7 Tage
Freitag, 24.10.2008
Bald ist Feierabend. Ich sitze im Büro und freue mich schon auf den unmittelbar bevorstehenden Urlaub. Es ist Freitagnachmittag. Freitags werden üblicherweise keine neuen Softwareversion mehr auf die Server gespielt. Sowas wird spätestens Donnerstag getan. So hat man noch den ganzen Freitag Zeit, Probleme zu beheben, sollten denn welche auftreten. Ganz besonders, wenn der verantwortliche Entwickler die darauffolgende Woche im Urlaub ist, fernab von Internet und Laptop. Wir spielen also an diesem Freitagnachmittag eine neue Softwareversion ein und ich verlasse schließlich um 16 Uhr eilig das Büro, denn Frank will mich um 17 Uhr zu Hause abholen. Wir wollen an die Côte d’Azur. Wo schönes Wetter ist. Mit dem Auto. Und dem Zelt.
Um 16.30 Uhr klingelt mein Telefon und Frank teilt mir mit, daß sich unsere Abreise um eine halbe Stunde verschieben wird, da der Tacho an seinem Volvo nicht mehr funktioniere. Er hatte die Woche damit zugebracht, das Auto ein wenig auf Vordermann zu bringen und noch an diesem Freitag das Kombiinstrument wieder eingebaut - offensichtlich ohne die Tachowelle anzuschließen.

Wir verlassen Berlin erst nach Sonnenuntergang
Eine halbe Stunde und 105 Minuten später holt er mich schließlich zu Hause ab, um mich zwei Straßen weiter an seiner Wohnung wieder abzusetzen, wo er mir eröffnet, daß er nur noch schnell packen müsse. Wir passieren schließlich um 19:30 Uhr das Schönefelder Kreuz und fahren südwärts richtung Westerwald. Mit Frank lange Strecken Auto zu fahren ist eine sehr angenehme Sache. Man könnte meinen, daß wir uns nach kurzer zeit ziemlich auf die Nerven gehen müßten, aber komischerweise passiert das nicht. Nicht im Auto jedenfalls. Wir erzählen uns gegenseitig Blödsinn, hören Musik oder planen die nächsten Tage.
Mitten in der Unterhaltung rumpelt und poltert es plötzlich unangenehm laut unter dem Auto. Wir müssen über irgendetwas drübergefahren sein, jedenfalls kann Frank noch im Rückspiegel sehen, wie ein nicht näher definierbares Blechteil in der Dunkelheit verschwindet. Es ist etwa 21 Uhr, als wir den Rastplatz erreichen. Frank kriecht unters Auto und ruft mich heran. Im Lichtkegel der Taschenlampe sehe ich eine einsame Schraube aus ihrer Bohrung herausragen. Daneben zwei weitere Bohrungen - ohne Schrauben. Frank erklärt mir verdutzt, daß dort eigentlich ein Hitzeblech montiert sein müßte. Während er überlegt, ob er möglicherweise vergessen hat, die Schrauben anzuziehen, muß ich nur die ganze Zeit daran denken, wieviele Schrauben wohl noch angezogen werden müssen. So ein Auto hat viele Schrauben. Sehr viele.
Wir setzen unsere Reise fort. Es ist ja nur ein Hitzeblech. Nichts kritisches. Moment mal, riecht es hier nicht irgendwie verschmort? Als wir um 22:30 Uhr beim McDonald's im Gewerbegebiet Waltershausen Nord bei Eisenach zum Abendbrot Halt machen, prüft Frank nochmal den Auspuffkrümmer, über dem das Hitzeblech mal montiert war. Sieht alles gut aus. Um 2 Uhr erreichen wir schließlich Mündersbach und werfen von der Straße aus einen Blick auf Franks Arbeitsstelle, bevor wir weiter nach Selters zu seiner Wohnung fahren und schlafen gehen.
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Jan • 1.4.2009, 5:54 Uhr • Kommentare: 3
Liebes Tagebuch
Karma

Das Dämmaterial ist schon weggeflogen
In diesem kuriosen, abenteuerlichen Durcheinander, das wir Leben nennen, gibt es bisweilen wunderliche Stunden. Die ganze Welt kommt uns dann wie eine Posse vor, deren Witz wir nicht recht einsehen; wir haben nur den stillen Verdacht, daß all der Unfug auf unsere Kosten geht. (Herman Melville, Moby-Dick)
Wenn man sich wundert, warum das Auto manchmal nicht mehr zieht, aber die Drehzahl hoch geht und schließlich denkt, die Kupplung wirds sein, obwohl es nicht stinkt und nur sporadisch vorkommt. Wenn einem die Werkstatt sagt, daß an der Kupplung eine der vier Federn und am Kupplungsseil der Knochen gebrochen ist, obwohl sie noch nichteinmal die Hälfte ihrer zu erwartenden Lebensdauer erreicht hat. Wenn man bedenkt, daß beim Volvo 440 der Tausch der Kupplung überdurchschnittlich aufwändig ist und ein Vermögen kosten wird. Wenn auch noch ein Satz neuer Winterreifen fällig ist und man schlußendlich einen riesen Batzen Geld in ein 15 Jahre altes Auto stecken muß. Wenn einem nach 2 Wochen Werkstattaufenthalt, gleich am Abholtag ein Hirnstein beim Ausparken den Kotflügel eindrückt, den Außenspiegel abreißt und Fahrerflucht begeht. Wenn nach einer weiteren Woche Werkstatt und noch mehr Unkosten, der Wagen am Abreisetag nicht mehr anspringt, weil er vier Wochen nicht bewegt wurde. Wenn am gleichen Tag, 130 km hinter Berlin auf der Autobahn der Endtopf explodiert und die nachfolgenden Autos in eine dichte Rauchwolke hüllt. Wenn das Dämmaterial wie Gedärm aus dem zerfransten Auspuff hängt und man seine Stuttgartreise abbrechen muß. Wenn alle Augen auf einem ruhen, weil man mit einem DTM-Rennwagen-Klang zurück nach Hause fährt. Wenn man eine Woche und einen neuen Endtopf später nach Rostock fährt und einem auf dem Rückweg, etwa 85 km vor zu Hause das Getriebe auseinanderfliegt. Wenn einem das alles wie eine Posse vorkommt, deren Unfug auf die eigenen Kosten geht, dann ist das Karma.
Jan • 19.1.2009, 8:20 Uhr • Kommentare: 10
Genießbares
Ungelöste Rätsel des Universums (3)
Wenn Coca-Cola Zero angeblich so schmeckt, wie normale Coca-Cola (»Echter Geschmack und zero Zucker«), warum hat man dann nicht einfach in der normalen Kola den Zucker durch Süßstoff ersetzt? Wenn sie wirklich gleich schmeckten, wie ja in der Werbung tollkühn behauptet wird, würde sich ja niemand daran stören. Und wozu gibt es dann überhaupt noch Coca-Cola Light?
Jan • 13.8.2008, 6:10 Uhr • Kommentare: 11
Segeln · Kulturelles
Wortlos an Bord verziehen

Immer, wenn mir der Mißmut am Mundwinkel zerrt und nieselnder November in die Seele einzieht, wenn ich unwillkürlich vor den Fenstern der Sargtischler stehenbleibe und hinter jedem Leichenzug hertrotte, der mir in die Quere kommt; und nun gar, wenn die Grillen überhandnehmen, daß ich mir Gewalt antun muß, um nicht auf die Straße hinunterzulaufen und jedem, der mir begegnet, kalten Blutes den Hut herunterzuschlagen - dann ist's für mich die allerhöchste Zeit, zur See zu gehen. So helfe ich mir, wo andere sich eine Kugel in den Kopf schießen. Mit einer philosophischen Fanfare stürzt Cato sich in sein Schwert; ich verziehe mich wortlos an Bord. Dabei ist gar nichts Verwunderliches. Zuweilen hegt wohl jeder auf seine Weise ähnliche Empfindungen für das Weltmeer wie ich - er weiß nur nichts davon. Herman Melville »Moby-Dick«
Jan • 29.7.2008, 20:50 Uhr
Berlin · Alltägliches
Sommerklänge

Blick vom Balkon
In meiner Straße gibt es jetzt eine Baustelle. Der Fahrbahnbelag wurde ja erst vor kurzem erneuert, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, alles wieder aufzureißen, um neue Abwasserrohre zu verlegen. Natürlich ist der gesamte Straßenzug Parkverbot und Sackgasse.
Die Bauarbeiten finden Werktags von 6 bis 22 Uhr statt, bis in den Sommer hinein. Das wird sicher ein Spaß. Neben zarten Kettensägenklängen um 21 Uhr abends, wenn Holzverschalungen zurechtgesägt werden, ertönen morgens um 6 Uhr auch noch liebliche Hammerschläge, wenn mit einer riesigen Ramme Spundwände in die Erde gehämmert werden. Da lacht das Herz! Besonders, wenn tagsüber keine Menschenseele auf der Baustelle anzutreffen ist.
Kürzlich haben sich allerdings Anwohner beschwert und die Polizei gerufen, wegen der frühen und späten Lärmbelästigung. Es darf jetzt nur noch von 7 bis 18 Uhr gearbeitet werden. Natürlich wurde vom Verantwortlichen gleich verkündet, daß sich die Bauarbeiten infolgedessen bis Jahresende hinziehen werden. Herzlichen Glückwunsch!
Seit neuestem sind die Grabungsarbeiten bis vor meine Haustür vorgedrungen und unter meinem Balkon säuselt nun Tag und Nacht sehr lautstark eine große Pumpe, die unentwegt Grundwasser aus den Gräben pumpt. Solang es kühl ist, stört es ja nicht, da sind die Fenster ohnehin geschlossen, aber über den Sommer wäre diese Situation eher ungünstig. Für den Fall braucht man einfach nur den ungesicherten Drehstromstecker aus der Pumpe zu ziehen um am Morgen zu beobachten, wie die Arbeiter ratlos vor ihren randvoll bewässerten Gräben stehen. Merkwürdigerweise wurde genau dann, als die milden Tage begonnen, die Pumpe ans Ende der Straße verholt und mit langen Zuführungsrohren versehen.
Inzwischen haben sich die Arbeiter neue Wege gesucht, mich aus dem Schlaf zu holen. Verladearbeiten finden grundsätzlich unter meinem Fenster statt, wobei Schutt und Steine aus möglichst großer Höhe in einen leeren Container gekippt werden. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie der Bauherr jede Woche im Anzug und mit einer Karte durch die Straße stakst und die Arbeiter präzise darauf hinweist, wo sich mein Schlafzimmerfenster befindet. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn dann freundlich winken und zu seinem Mercedes zurückschlendern.
Ich bin mir ziemlich sicher, daß hinter der nächsten Ecke bereits ein Bauteam der Telekom darauf wartet, daß die Straßendecke wieder geschlossen wird, damit neue Leitungen verlegt werden können. Aber erstmal sehen, wie der Sommer 2008 so wird.
Jan • 5.5.2008, 6:12 Uhr • Kommentare: 5
Alltägliches · Früher
Krieg der Fortschritte
Die Fernseher gehen den direkt umgekehrten Weg wie Computer. Letztere nähern sich immer mehr Fernsehern, Stereoanlagen usw. an, während die Fernseherhersteller immer mehr Computerfunktionalität in die Glotzen einbauen, nur mit viel zu wenig Rechenleistung! - Dradts
Und genau so scheint es in der gesamten Unterhaltungselektronik auszusehen. Beim Einschalten des Marken-Fernsehers zum Beispiel, kann man folgenden Ablauf beobachten (und man hat viel Zeit zum Beobachten): Zuerst wird die rote LED grün und es ist ein lautes Degauss-Geräusch (klingt wie »Boing«) zu hören. Ein paar Sekunden später hört man dann den Ton der gerade laufenden Sendung, der Schirm ist aber noch schwarz. Danach fängt die Röhre zuerst zu flackern an und unter lautem knistern blendet sich langsam das Bild ein. Erst, wenn die volle Helligkeit erreicht ist und das finale »Klack« zu hören war, ist der Fernseher bereit, Kommandos zu empfangen. Während der gesamten, endlos erscheinenden Einschaltzeit kann man weder den Kanal wechseln, noch lautlos stellen. Auch läßt sich das Gerät in diesem Zeitraum nicht wieder ausschalten.
Will man jetzt die Kanäle durchschalten, muß man viel Zeit mitbringen, denn das dauert fast so lange, wie das Einschalten: Zuerst flackert die grüne LED kurz rot auf, dann ist der Ton weg und schließlich wird das Bild schwarz. Dann dauert es ein paar Sekunden, bis man den Ton des gewählten Senders hört, schließlich blendet sich ganz langsam das Bild wieder ein und nach kurzer Zeit erscheint in der oberen rechten Ecke die aktuelle Kanalnummer. Erst ab jetzt reagiert das Gerät wieder auf Eingaben.
Bedenkt man, daß die Senderumschaltung früher in Sekundenbruchteilen, ja quasi in Echtzeit funktioniert hat, scheint dieser unterhaltungselektronische Fortschritt dem informationstechnischen entgegenzuwirken. In der Informatik versucht man ständig, die Reaktions- und Rechenzeiten zu verkürzen, um immer schnellere Anwendungen zu schaffen, während die Unterhaltungselektronikindustrie offenbar versucht, alle bisher bekannten und bewährten Prozesse völlig neu abzubilden, indem man sie sich von den Computern abschaut, während man die Reaktionszeiten paradoxerweise immer mehr verlängert.
Das ist aber noch nicht alles! In der Informatik versucht man immer, möglichst viele Prozesse zu parallelisieren. Das heißt, man möchte Zeit sparen, indem man so viele Aufgaben wie möglich gleichzeitig erledigen läßt. In der Unterhaltungselektronik gewöhnt man sich genau das gerade ab: Schaltet man den Marken-DVD-Recorder ein, erscheint zunächst ein freundliches »HELLO« auf dem Display, dann schaltet der Fernseher automatisch auf den DVD-Kanal um, weil er offensichtlich ein Signal vom Recorder bekommt, zeigt dann aber nur das Testbild mit Herstellerlogo und der Meldung »INITIALIZE« an. Das dauert geschlagene 20 Sekunden und erst nachdem die Initialisierung abgeschlossen ist, aktiviert sich der eingebaute Tuner und zeigt das Fernsehbild des eingestellten Senders. Bis dahin starrt man ein leeres Bild an. Früher haben Videorekorder einfach das TV-Signal durchgeschleift und den eingebauten Tuner erst dazwischengeschaltet, wenn das Gerät eingeschaltet wurde, und damals ging das ganze ohne merkliche Verzögerung. Warum das neuerdings nicht mehr möglich ist, bleibt wohl ein Geheimnis der Produktentwickler.
Ebenfalls ein Geheimnis ist, warum während des Einlesens einer DVD alle anderen Funktionen des Geräts deaktiviert sind. Im Display steht lediglich »READING«, das Drücken von Knöpfen an Gerät oder Fernbedienung wird geflissentlich ignoriert. Man kann nichtmal die Schublade öffnen.
Offen bleibt, wo die einzelnen Fortschritte hinführen und welcher sich am Ende durchsetzt. Denkbar wäre die Einführung von solarbetriebenen Geräten, die dann nur noch bei Sonnenschein funktionieren. Ebenfalls möglich ist der Weggang von mechanischen Speichermedien, wie Festplatten und DVDs. So könnte man z.B. aufgezeichnete Filme genauso speichern, wie Lesezeichen: Sie werden einfach gelöscht, wenn man das Gerät in den Standbymodus versetzt.
Wer noch sinnlosere Fortschrittsideen hat, kann sie gern der Unterhaltungselektronikindustrie zukommen lassen oder in den Kommentaren notieren.



