Woanders

Frankreich 2008 - Tag 3


Nebel

Sonntag, 26.10.2008

Nach dem Abbau des Zeltes begeben wir uns um halb zehn zum Camping-Büro, um uns abzumelden. Wir stellen die Uhren ordnungsgemäß eine Stunde zurück und fahren zur nächsten Tankstelle.

Der Rüssel steckt im Tankstutzen, aber es kommt kein Benzin. Frank geht fragen und kommt mit einem Kopfschütteln zurück: Bei Esso benötigt man hier eine sogenannte »Esso Express Card«, Barzahlung oder Kreditkarte sind nicht möglich. Wir fahren also weiter zur BP-Tankstelle, die ein Stück entfernt an der Autobahn liegt. Nach 10 min halten wir neben der Zapfsäule, Frank steigt aus und fängt an zu lachen. Die Klappe steht weit offen und der kleine, runde Deckel hängt ordnungsgemäß in seinem Schlitz an der Klappe.

Um 10:45 passieren wir Chalon-sur-Saône. Der Nebel wird immer dichter, die Landschaft ist schon nicht mehr zu erkennen - alles ist weiß. Wir suchen uns gegen 11:45 Uhr ein nettes Plätzchen an der Saône, um zu frühstücken. Es gibt - ganz klassisch - frisches Baguette mit Butter, aromatischem Käse und herzhafter Wurst.


Frühstück

Gegen zwei nähern wir uns Lyon, wo die Saône in die Rhône mündet, entlang derer wir nun eine ganze Weile reisen werden. Das Rhône-Tal ist eines der schönsten und besten Weingebiete Frankreichs, hier gibt es unglaublich viele Chateaus und ausgezeichnete Weine.

Gegen halb sieben erreichen wir Châteauneuf-du-Pape, wo der berühmte gleichnamige Wein herkommt. Wir können es kaum erwarten, ihn zu kosten. Unglücklicherweise ist der örtliche Campingplatz schon geschlossen, doch bekommen wir eine französische Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Vier-Sterne-Campingplatz in Courthézon. Wie sich auch im weiteren Verlauf der Reise herausstellen wird, ist die Campingsaison hierzulande bereits zuende. Nur wenige Campingplätze haben ganzjährig geöffnet und meistens auch nur im Süden des Landes. Die meisten Zeltmöglichkeiten haben entweder bereits zu oder schließen zum 31. Oktober, wir haben also noch ganz knapp die letzte Saisonwoche erwischt.

Um 19 Uhr erreichen wir »Camping Les Source« und bauen das Zelt trotz Dunkelheit schnell und effizient auf, wie es sich für Ingenieure gehört. Unser Platz zeichnet sich durch einen hölzernen Pavillion (vermutlich ein Carport?) mit Sitzbank und Tisch, sowie einem eigenen, gemauerten Dusch- und Toilettenhäuschen aus -- das hatten wir bisher noch nie, schon gar nicht in Frankreich, wo noch heute Toiletten türkischer Bauart in Mode sind. Zum Abendbrot wollen wir heute echt französisch essen, begeben uns zur Campingplatzpizzeria »La Goutte Bleue« und essen jeder eine Riesenpizza für 6 EUR. Zum Nachtisch Tiramisù bzw. Crème brûlée. Dazu örtlichen Rhône-Wein, danach Espresso und einen Schnaps aufs Haus.


Frank und die Riesenpizza

An die Restaurantgepflogenheiten hierzulande müssen wir uns allerdings erst noch gewöhnen. Als wir uns hinsetzen, stellt uns die Kellnerin eine Karaffe mit Wasser hin und nimmt die Bestellung auf. Für Frank einen halben Liter Wein, für mich einen viertel Liter, dazu unsere Pizzen. Während wir warten, gießen wir uns Wasser ein. Als die Kellnerin angelaufen kommt, stellt Sie eine Karaffe mit einem halben Liter Wein auf den Tisch und verschwindet. Da wir ja ohnehin noch keine Gläser haben, erwarten wir, daß sie sicher gleich nochmal mit meiner Viertelliterkaraffe und den Gläsern wiederkommt. Und sie kommt nicht. Wir rufen sie also heran und ich frage nach meinem viertel Liter Wein, sie schaut mich mit einem erhellenden Blick an, so als ob sie es jetzt verstanden hätte, greift die Halbliterkaraffe und läuft mit ihr davon. Völlig verdutzt ruft Frank sie auf halbem Weg zurück und erklärt der völlig verwirrten Frau, daß er einen halben und ich einen viertel Liter wünschten, jeder für sich! Es scheint hier unüblich zu sein, daß sich jeder seine eigenen Getränke bestellt. Als wir dann endlich jeder unsere Weinkaraffe haben, ist das Gläserproblem allerdings immer noch nicht gelöst. Ich finde schließlich heraus, daß unsere Wassergläser gar keine Wassergläser sind, sondern wie Wassergläser geformte Weingläser, während die unscheinbaren Teelichtgläser mit den reingestopften Servietten die eigentlichen Wassergläser darstellen. Wir stehlen uns also die sauberen Weingläser vom Nachbartisch und können endlich den Wein genießen.


Das Sanitärhäuschen ist links nicht im Bild

Das Wetter heute war grandios: 23°C und Sonnenschein. Überall stehen Zypressen, Olivenbäume, Pinien und: Palmen! Die Frau in der Pizzeria, die mit ihrem Gatten am Tisch gegenüber saß, schien das allerdings nicht bemerkt zu haben, denn während wir uns vor Hitze (trotz der sommerlichen Temperaturen, wurde im Restaurant auf Teufelkommraus geheizt) bis aufs Nicki entblößten, zog sich die Frau zuerst ihren Pullover, dann die Strickjacke und schließlich ihren Mantel an. Als sie dann fröstelnd den Kragen hochlegte, mußten wir von einer ernsthaften physischen Störung - entweder bei uns, oder bei ihr - ausgehen.

Wir sind jetzt kurz vor Avignon und werden morgen richtung Südost ans Mittelmeer fahren.

Die anderen Tage: Tag 1, Tag 2, Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7 oder alle auf einen Blick

Jan • 15.4.2009, 6:31 Uhr

Kommentare

  1. Frank mag seine Pizza wohl nicht :-D

    Andy • 23.4.2009, 15:40 Uhr

  2. Doch, die war gut!

    Nylle • 24.4.2009, 6:20 Uhr


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