Kulturelles
Bücher lesen

Skulptur »Der moderne Buchdruck« (Bebelplatz, Berlin 2006)
Als Kind habe ich niemals Bücher gelesen. Ich habe lesen gehaßt. Entweder war ich draußen oder ich hab drinnen mit meinen Mätschies gespielt. Bücher waren für mich Zeitverschwendung - außerdem gab es ja auch noch Westfernsehen. Meine Eltern haben das ziemlich schnell durchschaut und mir dann angepaßte Geschenke gemacht, wie z.B. Spielzeug-Autos oder ein neues Fahrad. Meine Großmutter hat mir allerdings zu jedem Geburtstag und an jedem Weihnachten unermüdlich ein Buch geschenkt, das ich, mich brav bedankend, mit vorgespielter Freude entgegennahm und in irgendeiner Kiste verschwinden ließ.
Andere Kinder haben viel gelesen. Winnetou oder Lederstrumpf. Keine Ahnung, was nicht noch alles. Mein Vater hat immer ganz begeistert von Cousteau berichtet oder Jack London. Ich konnte dem nichts abgewinnen. Heute frage ich mich manchmal, ob ich etwas verpaßt habe, ob mir nicht ein wichtiger Teil der Kindheit und der DDR-Kultur fehlt. Doch ich bin der Meinung, daß man als Kind nicht unbedingt viel gelesen haben muß. Es gibt lustigere und aufregendere Freizeitaktivitäten. Wir sind mit unseren Fahrrädern wie Rowdies durch die Gegend gefahren, haben Buden im Wald gebaut oder mit all unseren Mätschies riesige Städte in unseren Kinderzimmern errichtet. Als dann die Wende kam, gab es dutzende neue Abenteuerspielplätze in den leerstehenden Fabrikgebäuden abgewickelter Volkseigener Betriebe und auf überstürzt verlassenen Kasernenanlagen, wo man noch Gulaschkanonen, Ikarusbusse, Berge von Akten und Lagerhallen voll mit Autobatterien, Kugellagern und Neonröhren vorgefunden hat. Und es gab niemanden, den es interessiert hätte, ob wir dort unser Unwesen trieben oder nicht - außer vielleicht die Eltern, denen man natürlich nicht davon erzählt hat. In einer der für Ostkinder aufregendsten Zeiten des 20. Jahrhunderts - der Wendezeit - war Lesen das letzte, was ich mit meiner Zeit anzufangen gewußt hätte.
Heute lese ich sehr gern. Wenn ich denn die Zeit finde. Und das ist keine Ausrede, um nicht zu lesen, denn ich schaffe schon das eine oder andere Buch. Das ist wie ein Instrument zu spielen. Als Kind wollte man nie eins lernen und man war froh, daß einen die Eltern nicht gezwungen haben. Als junger Erwachsener hat man dann bereut, nie ein Instrument gelernt zu haben und warf seinen Eltern vor, daß sie einen damals nicht gezwungen haben. Heute bin ich wieder froh darüber, denn meine Kindheit war schön - so wie sie war. Dafür bringe ich mir eben jetzt Gitarrespielen bei, wobei »jetzt« eigentlich schon wieder ein paar Jahre zurückliegt und die Gitarre schon ziemlich eingestaubt ist. Immerhin hatte ich schon ein paar Songs drauf, die man am Lagerfeuer hätte spielen können, wenn man denn eins besucht und seine Gitarre mitgebracht hätte.
Ein Nachteil, daß man als Kind nie gelesen hat ist der, daß einem die anderen um eine Menge Bücher voraus sind, bei denen man nicht mitreden kann. Und wenn man dann ohnehin nur so wenige Bücher pro Jahr schafft, wie ich, muß sehr genau selektiert werden, welche Bücher man dann auch tatsächlich anfängt. Man probiert dieses und jenes, legt sich auf gewisse Autoren fest, wird irgendwann enttäuscht und landet schließlich bei den Klassikern.
Schwierig wird es bei Empfehlungen. Neulich fiel mir ein Buch in die Hände, das mir mal ein Freund vor Jahren ausgeliehen hatte. Eigentlich zwang er mich, es auszuleihen, denn ich müsse es unbedingt lesen, da es so extrem gut sein soll. Schon der Titel hat mich angeödet und ich verspürte nie den Drang, überhaupt mal den Klappentext zu lesen. So verstaubte das Buch und verschwand schließlich in irgendeiner Kiste nachdem der Kontakt mit jenem Freund eingeschlafen war. Als ich es jetzt wieder in Händen hielt und den Staub abwischte, ödete mich der Titel immernoch an. Da ich es aber nicht zurückgeben kann und mich entscheiden mußte, ob ich es beim nächsten Buchladen abgeben oder behalten sollte, las ich wenigstens endlich mal den Klappentext.
Wie weit muß man ein Buch lesen, bis man entscheiden kann, ob man es weiterlesen oder wegwerfen möchte? Jenes verstaubte Buch, das Marcel Reich-Ranicki, laut Wikipedia der einflußreichste deutsche Literaturkritiker, als hervorragend bezeichnete, ist bei mir nun auf Platz eins. Platz eins der Liste der am wenigsten beachteten Bücher. Es ist quasi das einzige Buch in meinem Besitz, bei dem mich schon der Klappentext so sehr angeödet hat, daß ich nichtmal den zu Ende gelesen habe.
Der Autor und Lesebühnenveteran Dan Richter hat in seinem Blog einmal geschrieben:
»Wieviele Seiten sollte man eigentlich einem Buch geben? Sicherlich hält man bei Empfehlungen länger durch. Dem "Namen der Rose" oder den "Satanischen Versen" gönnt man auch schon mal 50 Seiten, um dem Buch eine Chance zu geben. Aber ein Krimi sollte einen schon nach 5 Seiten hineinziehen. Stephen Kings "Shining" habe ich tatsächlich 200 Seiten weit gelesen und mich immer wieder gefragt: Wann wird es denn nun spannend. Bei "Der dunkle Turm" hat eine halbe Seite genügt, mich zu verschrecken.«
Manchmal zweifle ich ein wenig an meinem Geschmack, wenn ich Sachen ganz furchtbar schlecht finde, von denen andere in den höchsten Tönen schwärmen. Ich denke dann, ich bin vielleicht ein Banause und fühle mich ein wenig schlecht, weil man dieses oder jenes Buch ja unbedingt gelesen haben muß laut der Auffassung einiger Kritiker und Kenner. Gottseidank gibt es dann noch Momente, wie diesen, in denen ich erkenne, daß auch andere Leute so denken wie ich. Leute, deren Meinung genauso ernstzunehmen ist, wie die jener Freunde, die Empfehlungen aussprechen oder jener Kritiker, die das höchste Lob vergeben.
Auch ich hatte mal »Der dunkle Turm: Schwarz« in der Hand. Das Buch wurde mir von einer Bekannten so sehr empfohlen, daß ich es mit nach Hause nehmen mußte, um es nach nichtmal einer Seite genervt wegzulegen und so schnell wie möglich zurückzugeben. Ich wußte damals nicht, wie ich es ihr erklären soll. Ich hab mich fast ein wenig geschämt. Heute fühle ich mich gut. Ich stehe nicht allein da mit meiner Meinung. Vielleicht gibt es einfach Bücher, die nicht jeder lesen kann und sollte. Vielleicht muß man einfach nicht alles gelesen haben, was andere toll finden. Vielleicht hätte mir das schon viel früher klar sein müssen. Aber auch wenn die Erkenntnis spät kommt, sie bleibt wertvoll. Danke Dan!
Jan • 8.7.2009, 6:45 Uhr • Kommentare: 3
Segeln · Kulturelles
Wortlos an Bord verziehen

Immer, wenn mir der Mißmut am Mundwinkel zerrt und nieselnder November in die Seele einzieht, wenn ich unwillkürlich vor den Fenstern der Sargtischler stehenbleibe und hinter jedem Leichenzug hertrotte, der mir in die Quere kommt; und nun gar, wenn die Grillen überhandnehmen, daß ich mir Gewalt antun muß, um nicht auf die Straße hinunterzulaufen und jedem, der mir begegnet, kalten Blutes den Hut herunterzuschlagen - dann ist's für mich die allerhöchste Zeit, zur See zu gehen. So helfe ich mir, wo andere sich eine Kugel in den Kopf schießen. Mit einer philosophischen Fanfare stürzt Cato sich in sein Schwert; ich verziehe mich wortlos an Bord. Dabei ist gar nichts Verwunderliches. Zuweilen hegt wohl jeder auf seine Weise ähnliche Empfindungen für das Weltmeer wie ich - er weiß nur nichts davon. Herman Melville »Moby-Dick«
Jan • 29.7.2008, 20:50 Uhr
Neulich im Zwischennetz · Kulturelles · Früher
Was sind schon 3 Jahre?
Schon komische Leute, Susie Pinkawa und der dünne Mann. Aber eigentlich auch überhaupt nicht. Und sowieso: man kennt sie ja gar nicht persönlich. Und irgendwie sind sie und ihre Platte schon ganz ganz lange her. Und es war eine komische Zeit damals. Eine Zeit voller Experimente und Entdeckungen und ganz viel Musik. Denn diese fing gerade an, sich von den Neunzigern zu erholen. Und da waren sie plötzlich: Viktoriapark. Und sie kamen wie aus dem Nichts. Und ihr Album war genial. Als hätten sie nur auf den richtigen Augenblick gewartet. Als konnten sie es kaum erwarten, es besser zu machen. Besser als die gesamten Neunziger. Und irgendwie haben sie das auch geschafft. Und als man gerade süchtig war, wurde es still um Susie Pinkawa und den dünnen Mann. Sie verschwanden genauso geheimnisvoll, wie sie gekommen waren. Und scheinbar ohne eine Spur zu hinterlassen. Außer dieser überragenden Platte.
Drei Jahre später befindet sich deutsche Musik im Aufwind. Musik aus Berlin. Und irgendwie hat man plötzlich eine vielversprechende Kompilation in Händen mit lauter jungen Bands. Und plötzlich liest man »Viktoriapark« in der Titelliste. Aber es ist nur ihre Single. Nichts neues. Und dann ist da aber noch ein Titel. Ein neuer. »Ein guter Sommer«. Und er ist großartig. Und er ist der beste Grund, die Kompilation zu kaufen. Und der Sommer war wirklich gut. Und er ist vorrüber und noch immer kein Album da.
Und es vergehen wieder drei Jahre und voller Hoffnung sucht man plötzlich wieder nach mehr, doch man findet nur die erste Single und das erste Album und die letzte Single und alles nicht mehr lieferbar. Und irgendwie scheint diese komische Zeit nun endgültig vorbei zu sein. Aber es wurden Erfahrungen gemacht und Entdeckungen und es wurden Horizonte erweitert.
Nochmal drei Jahre. Und man stöbert bei Wikipedia. Und irgendwie kommt man von einem Artikel über den Kreuzberger Viktoriapark zur Discographie von »Viktoriapark«. Und man glaubt es kaum, daß es vor zwei Jahren eine neue EP gab. Und daß vor einem Jahr sogar ein neues Album veröffentlicht wurde. »Was ist schon 1 Jahr?«. Und man wundert sich, wie das alles an einem vorbeigehen konnte. Und noch bevor man die Gedanken wieder sammeln kann, sind die Platten bestellt.
Und jetzt sind sie da. Und sie sind großartig! Genial. Wieder.
Jan • 20.2.2008, 6:50 Uhr • Kommentare: 4
Neulich im Zwischennetz · Kulturelles · Früher
Was es (nicht) auf DVD gibt
Keine Panik, das gibt es auf DVD!
Wenn man einen normalen Mobilfunkvertrag hat, bekommt man regelmäßig ein neues Telefon subventioniert. Hat man jedoch keinen normalen, sondern einen wirklich nützlichen Vertrag, bekommt man keins. Dafür zahlt man so gut wie keine Grundgebühr (die ja sonst eigentlich dem Wert des subventionierten Telefons entspricht) und hat 150 Frei-SMS im Monat (wenn man Glück hat). Außerdem kann man sich sein Telefon auf dem freien Markt aussuchen und ist nicht auf das mickrige (oft) und eintönige Angebot des Anbieters beschränkt. Natürlich behält man dann sein Telefon auch viel länger, denn man hat ja nicht alle 12 Monate das Gefühl, man müsse sich jetzt ein neues aussuchen, um die Grundgebühr nicht umsonst bezahlt zu haben.
Kauft man sich schließlich nach 4 Jahren ein neues Telefon, weil das alte Display langsam flackert und die Tastatur spinnt, schaut man sich auch gleich nach neuen Ruftönen um. Die Technik ist weiter und man kann jetzt auch MP3-Titel verwenden, ohne erst umständlich in das richtige Format konvertieren zu müssen. Nun zeigt die Erfahrung, daß die mitgelieferten Töne allesamt unbrauchbar sind. Nur fürchterliche, nervende Melodien. Der klassische Klingelton (und ich meine nicht das »Universal Klingeln«, das man überall hört), der einfach nur piept oder düdelt oder dingelt oder surrt, scheint in den Augen der Hersteller nicht gefragt zu sein. Sucht man derlei jedoch im Zwischennetz, findet man auffallend viele Rufe nach den guten alten schlichten Tönen und Kritik an deren Fehlen.
Absolut verwerflich, unentschuldbar und mehr als nur peinlich ist es, Musik als Rufton zu verwenden. Dennoch stößt man im Zwischennetz mitunter auf alte Perlen, die es einem sehr schwer machen, sie nicht in Augenblicken der Schwäche zum Rufton auszuerkiesen. So fand ich den oben eingebetteten Titel und kam dann ganz schnell zu weiteren Highlights hier, hier und hier.
Leider gibt es nur letzteres auch tatsächlich auf DVD. Die ganzen Knight Riders, Airwolfs und Colt Seavers der schönen Achtziger Fernsehwelt gibt es natürlich in den hübschesten Box-Sets, sucht man aber die richtigen Klassiker, die Geheimtips, wie »Riptide«, »Stingray« oder »Space - Above And Beyond« (Achtung Neunziger!), wird man herb enttäuscht.
Bisher war es ein wahrer Segen, Ende der Siebziger geboren worden zu sein: Man war noch zu jung, um sich ernsthaft für die Musik der Achtziger zu interessieren und ist dadurch haarscharf dem Fluch entgangen, einer dieser Mittdreißiger zu werden, die auf diese unsäglichen Achtzigerparties gehen und der Meinung sind, Depeche Mode sei soetwas wie eine Offenbarung. Da die Musik der Neunziger aber noch viel schlechter und dies auch so unglaublich offensichtlich war, konzentrierte man sich bereits in jungen Jahren auf die Rosinen im Kuchen und lernte, die wenigen guten Sachen vom Mainstream-Müll abzugrenzen. Das macht anspruchsvoller.
Doch was sich bisher als großer Vorteil darstellte, entpuppt sich nun als nicht ganz so perfekt: Die vielen amerikanischen Fernsehserien der Achtziger Jahre (als die USA noch die Guten waren) haben einen in der gesamten Kindheit begleitet und sind heute soetwas wie eine Zeitkapsel, die berühmte kleine Kiste, die man als Kind mit wichtigen Erinnerungsstücken füllt und dann im Garten vergräbt. Nur mit dem Unterschied, daß die Fernsehserienzeitkapselkiste von einer Produktionsfirma gefunden wurde, die den Inhalt durch eine kleine Notiz ersetzt hat: »Diese Serie ist nicht auf DVD erhältlich! Vielleicht bringen wir sie nochmal irgendwann raus, vielleicht auch nicht.« Danke Fernsehen! Sarkastisch (diesmal)!
Jan • 6.12.2007, 6:57 Uhr • Kommentare: 1
Kulturelles
Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele
Ich mag Tee. Wirklich! Aber ich trinke lieber Kaffee! Und das nicht nur, weil ich diesen Text als Leitfaden des Lebens betrachte, immerhin rauche ich ja auch nicht, aber Kaffee macht nunmal wacher und schmeckt besser. Und er ist nicht durchsichtig (oft).
Nun scheint es ja auch dunklen Tee zu geben, zumindest wenn man danach geht, was auf dem Deckel des zweiten Dirk-Gently-Romans von Douglas Adams steht (siehe Überschrift). Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welcher Tee das sein soll, denn so weit bin ich offenbar noch nicht. Das Buch liegt auf meinem kleinen hölzernen Beistelltisch neben dem Sessel und der Mensch mit dem Hammer (Foto) schaut mich vorwurfsvoll an.
Auf Seite 94 (von 283) steckt eine weiße Postkarte mit einem Foto von Marvin und der Aufschrift »Keine Panik« in großen, freundlichen Buchstaben. Worum geht es in diesem Buch? Um einen Kühlschrank, einen Abfertigungsschalter, einen Cola-Automaten und einen großen Mann mit einem Hammer. Und natürlich Dirk Gently und seine holistische Detektei. Eines meiner bis hier hin liebsten Zitate beschreibt eine Szene aus einer Folge Bugs Bunny, die gerade im Fernsehen läuft: Bugs kämpfte mit den Hebeln eines Flugzeuges, das abstürzte. Plötzlich sah er einen Knopf, an dem »Autopilot« stand, und drückte drauf. Eine Tür öffnete sich und ein Roboterpilot kam heraus, warf einen Blick auf die Situation und sprang mit dem Fallschirm ab.
Das Buch ist wie alles von Adams: Man muß ständig Pausen machen, um laut zu lachen, wenn nicht über die groteske Handlung, dann über seine Art zu schreiben. »Per Anhalter durch die Galaxis« und seine vier Nachfolgeromane kennt ja jeder, doch gibt es neben vielen weiteren guten Büchern von ihm auch die Dirk-Gently-Reihe mit »Der elektrische Mönch«, »Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele« sowie dem unvollendeten dritten Teil »Lachs im Zweifel«. Unbedingt lesen!
Das Flugzeug sauste weiter auf die Erde zu, aber glücklicherweise ging ihm, kurz bevor es den Boden erreichte, der Treibstoff aus, und so wurde das Kaninchen gerettet.
Jan • 29.11.2007, 6:18 Uhr
Kulturelles
Verdienen

Sauerampfer statt Hirsch
Neulich wurde ich zum Essen eingeladen. Es gab Hirsch. Mit Klößen und Blumenkohl. Als Vorspeise Mozarella und Parmesan und zum Nachtisch irgendwas mit Birnen und Preiselbeeren. Dazu einen leckeren trockenen Rotwein. Nur gab es dann doch keinen Blumenkohl und keinen Nachtisch, denn wir hatten viel zu viel Hirsch und zu wenig Gäste. Egal. Das Essen war ausgezeichnet!
Nach dem Essen dann einen Film angeschaut. Üblicherweise irgendetwas klassisches. Olsenbande, Louis de Funès, Zur See oder ähnliches. Wir haben diesmal »Karbid und Sauerampfer« gesehen, einen Schwarzweiß-DEFA-Film von 1963. Er war ziemlich gut eigentlich.
Irgendwann mitten im Film sitzt der Protagonist »Karbid-Kalle« bei der »mannstollen Witwe« im Wohnzimmer und betrachtet ein kleines Bild an der Wand. Es war eine dieser Schnitzereien oder Stickereien, die heute nur noch in Wohnzimmern betagterer Leute hängen, mit weisen Sprüchen oder klugen Gedichten drauf. Die Kamera ging näher an das Bild heran und Kalle las laut vor: Heiter werden alle Mienen, bei dem schönen Wort »verdienen«.
Damit dürfte mein eher mürrisches Gemüt hinreichend erklärt sein.
Jan • 22.11.2007, 6:49 Uhr
Kulturelles
Have you tried turning it off and on again?
Stell Dir schöne, geräumige, freundliche, sonnendurchflutete Büros vor mit sympathischen Mitarbeitern. Und nun stell Dir vor, daß Du dort nicht arbeitest, denn Du bist in der IT-Abteilung, im dunklen, engen und schmutzigen Keller des Hauses fernab jeglichen sozialen Umfeldes.
Dies ist zumindest der Alltag von Roy (Chris O'Dowd) und Moss (Richard Ayoade), zwei sozial unbeholfenen Nerds, die jeden verachten, der über der Erde arbeitet. Sie sitzen in der IT-Abteilung von »Reynholm Industries«, einem typischen Standard-Unternehmen in der nagelneuen britischen Sitcom The I.T. Crowd.
Diese Serie zeigt wie keine andere das Leben in einer IT-Abteilung, wie es sich jeder außenstehende vorstellt. Natürlich wird hier jedes Klischee bedient, daß in irgendeiner Weise über Informatiker bekannt ist, aber gerade das macht die Serie so gut. Auch wenn Deutschland hier mal wieder hinterherhinkt, »The IT Crowd« ging bereits um die Welt, bevor die erste Episode ausgestrahlt wurde. Inzwischen hat sich der Hype wie eine Seuche überall ausgebreitet und sorgt für reichlich Diskussion (Deutschland nach wie vor ausgenommen).
Ich habe jedenfalls mehr als herzlich gelacht beim Genuß der ersten fünf Episoden. Ich denke, diese Serie ist ein Muss für jeden Informatiker und ein Spaß für alle anderen. Nun bleibt zu hoffen, daß die Serie bald nach Deutschland kommt, wenngleich jede Synchronisation vermutlich niemals an das Original herankommen wird. Die sechste und vorerst wohl letzte Episode wird am 03. März 2006 auf dem britischen Sender »Channel 4« ausgestrahlt. Ich kann es kaum erwarten und hoffe, daß die Serie fortgesetzt wird, der Erfolg läßt mich optimistisch bleiben.




